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Trekking in Chile: Der W-Treck verspricht viel Ruhe

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Trekking im südchilenischen Nationalpark

26.11.2012, 11:02 Uhr | Andreas Lesti

Trekking zum Gletscher in Chiles Nationalpark Torres-del-Paine. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Was eine Aussicht: Trekking zum Gletscher in Chiles Nationalpark Torres-del-Paine. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Trekking in Chiles Nationalpark

Der Trekkingpfad "W-Trek" im Torres-del-Paine-Nationalpark, Patagonien/Chile, ist wohl mit der einzige Ort auf der Welt, in der kein Handypieps, kein elektronisches Gesumme und kein unnötiges Gerede die Geräuschkulisse der natürlichen Umgebung stört. Das heißt vier Tage lang Wandern in der Ruhe majestätischer Gipfel, gewaltiger Gletscher und herrlicher Baumtäler - bis es wieder zurück in die Wirklichkeit geht. Die Schönheit des Trekkingpfades "W-Trek" können Sie in unserer Foto-Show bewundern.

Die Geräusche der Natur erleben

Das Krachen der Spalten im Gletscher. Das Knacken der Eisblöcke auf dem See. Das Glucksen der Bäche unter den Hängebrücken. Das Knirschen der Bergstiefel auf dem Wanderweg. Das Wispern des Windes in den Zypressen. Das sind die Geräusche im Torres-del-Paine-Nationalpark im Süden Chiles, in dem ich auf Trekkingtour ging. Weil das mit der Stille so eine Sache ist, war es ein großer Glücksfall, dass genau an jenem Punkt im Nationalpark, wo das Schild "Service" auf dem windschiefen Holzbrett zu lesen war, zum ersten Mal "No Service" auf dem Mobiltelefon aufblinkte. Wo "Service" stand, verkaufte ein Chilene Paprika-Chips, Rotwein und Nescafé an die Wanderer aus Europa und Nordamerika, die wegen des "Dabbelju-Treks" gekommen waren, einer Wanderung, die drei Tage lang in W-Form durch den Park führt.

Gewünschte Ruhe

Nun standen sie da, deckten sich beim Service ein und blickten auf ihre Telefone, überrascht, dass sie hier, am Ende der Welt, keinen Empfang hatten. Theoretisch könnte es im Nationalpark natürlich Handyempfang geben. So wie es mittlerweile auf jedem Alpengipfel, in den letzten Winkeln europäischer Nationalparks und sogar auf dem Kilimandscharo Empfang gibt, würde auch hier ein zentral platzierter Sendemast genügen. Doch dagegen hat sich die Parkverwaltung gewehrt. Nachdem ein riesiger Waldbrand vor vier Jahren 15000 Hektar Wald zerstört hatte, forderten viele diesen Sendemast. Denn der Brand hätte wohl schnell gelöscht werden können, wenn die Mobiltelefone funktioniert hätten. Die Parkverwaltung entschied sich dennoch gegen die Klingeltöne - und für die Waldbrandgefahr.

Wandern durch ein Meer aus Bäumen

Handys aus, alle Sinne an und nichts wie rein in die patagonische Bergwelt. Das "französische Tal" machte den Einstieg. Vom Service-Laden führte ein Pfad am Ufer des Lago Nordenskjöld entlang, wo dunkelgrüne Lenga-, hellgrüne Nirre- und blutrote Notros-Bäume wucherten. Der Río Francés spülte laut rauschend milchiges Schmelzwasser ins Tal, und nur das Krachen einer Lawine, die sich staubend aus dem Gletscher löste, übertönte das Geräusch. Der Weg endete in einem Amphitheater aus Granit, Schnee und Eis; in einem Talschluss aus Felsen, Wänden und Gletschern.

Wetter für Hartgesottene

Auf dem Weg ins Tal wurde uns klar, was man uns vorher über das Wetter erzählt hatte. Die Sonne schien. Dann zog der Wind wie ein Schnellzug heran. Erst war er nur zu hören, in der nächsten Sekunde pfiff er schon durch die Jacken und Frisuren, trieb dunkle Wolkenfetzen über den Wald und peitschte wie aus dem Nichts Graupelkörner in die Gesichter. Schneesturm und Sonnenglut, das lernt man hier schnell, treten in Patagonien im gleichen Akt auf, und zwar abwechselnd.

Der chilenische Nationalpark lockt Kletterer

Dennoch ziehen die außergewöhnlichen Berge im Paine-Nationalpark seit mehr als 50 Jahren Kletterer an. 1952 wurde zum ersten Mal der Paine Grande, der höchste von allen, bestiegen. Dieser Berg ist zwar nicht viel höher als die Zugspitze, aber er gilt mit seinen Gletschern, Granitwänden und Wetterwechseln als extrem schwierig. Die Besteigung konnte bis heute nur ein einziges Mal wiederholt werden. Die drei Torres, die man vom Aussichtspunkt im Ascencio-Tal am hinteren Ende des Ws bewundern kann, sind dagegen schon fast ein Spielplatz. Vor ein paar Jahren hat ein US-Amerikaner die drei Felszinnen in 48 Stunden bestiegen. Vom Mirador las Torres ist seine Tour mit den Augen nachzuvollziehen: Rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter.

Die Paine Grande Lodge für Trekkingfreunde

Dort wo das "W" auf dem Boden steht, ist auch im Nationalpark das Tal, und im Tal steht die "Paine Grande Lodge". Und auch hier wirkte sich der Handy-Entzug ganz wunderbar aus: Die Menschen unterhielten sich, lasen Bücher, spielten Karten oder schauten stundenlang in die Landschaft und sahen über der türkisen Wasseroberfläche des Lago Pehoé davonziehenden Wolken nach. In der Bar, die zu der Lodge gehört, saß Eigentümer Alexander von Bischhoffshausen. Seine Familie sei, wie viele andere deutsche Familien, in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Patagonien ausgewandert. Er liebe diesen magischen Ort, erzählt er. An der Rezeption verkauften seine Mitarbeiter T-Shirts mit dem Aufdruck "I survived the W-Circuit", was sprachlich Quatsch ist, weil das "W" ja eben gerade kein Kreis oder Rundgang ist - und inhaltlich sowieso, weil in Reichweite der Lodge zu überleben keine besondere Leistung ist.

Die Wanderer des W-Treks

Von der Lodge aus brachte uns am dritten Tag ein Boot zum Salto Grande, dem großen Wasserfall, der den Nordenskjöld-See mit dem Pehoé-See verbindet. Unter Deck lagen die Rucksäcke aufeinandergestapelt und an Land vermischten sich alle drei Touristentypen, die in Patagonien anzutreffen sind. Da waren Menschen mit Cat-Stevens- und Carolin-Reiber-Frisuren. Einige hatten Fahrräder mit wasserdichten Seitentaschen dabei, auf denen "World Traveller" stand, und es war nicht zu erkennen, ob das nun Hippies aus den Siebzigern oder Hipster aus der Gegenwart waren. Daneben standen die Luxus-Touristen aus der "Explora Lodge" mit Wanderstöcken, Regenschirmen und Reiseleiter. Und dazwischen tummelten sich deutsche und italienische Individualreisende in Goretex-Jacken.

Ehrfurcht vor den Bergen Chiles

Ihr gemeinsamer Nenner war das Staunen in ihren Gesichtern, als sich plötzlich die Kulisse öffnete: Die Berge stießen durch eine Wolkenschicht, die auf halber Höhe waagerecht wie eine himmlische Theaterbühne in der Luft schwebte, drängten darüber weiter nach oben und verformten sich zu etwas, das aussah wie ein steingewordener Dosenöffner. Diesen Teil der Berge nennt man die "Hörner des Parks", die Cuernos del Paine, die, obwohl sie jeder schon auf Postkarten gesehen hatte, in der Realität noch zu überraschen vermochten. Und dann fiel der Vorhang auch schon wieder herab, es begann zu graupeln, Kapuzen wurden aufgesetzt, Schirme gespannt und da, wo gerade noch die Berge gewesen waren, war nur noch eine graue Wolkenwand.

Letzter Tag in friedvoller Landschaft

Am letzten, dem vierten Tag, ging wieder zurück nach Puerto Natales. Erst über Brücken, die die Kleinbusse nur mit eingeklappten Außenspiegeln überqueren konnten, dann vorbei an glitzernden Seen voller Flamingos, Wiesen mit Löwenzahn, Schafherden hinter windgeplagten Weidezäunen und schließlich auf der schnurgeraden Straße durch die flache Pampa zurück in die Stadt. Zurück ans Ende der Welt. Zurück ins Mobilfunknetz. "So ein Mobiltelefon", sagt eine Figur in Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm", "nimmt die Wirklichkeit aus allem". Dann surrte das Handy, weil sich das Gerät bereits ins Netz gewählt hatte und die erste und auch einzige SMS seit vier Tagen ankam. Sie war von großer Wichtigkeit: "Willkommen im Netz von CL Entel."

Weitere Informationen:

Anreise: Iberia fliegt in Kooperation mit Lan Airlines (www.iberia.com, www.lan.com) von verschiedenen deutschen Flughäfen über Santiago de Chile nach Punta Arenas. Man ist fast 25 Stunden unterwegs. Die Preise beginnen bei etwa 1100 Euro. Den Nationalpark Torres del Paine erreicht man ab Punta Arenas mit Bussen, die über Puerto Natales fahren.

Trekking: Der populärste Wanderweg im Torres-del-Paine-Nationalpark ist der W-Trek. Er dauert drei bis vier Tage. Man schläft in Lodges oder Zelten. Weitere Informationen unter www.torresdelpaine.com.

Unterkunft: Ein guter Ausgangs- und Endpunkt für Trekkingtouren ist das Hotel "Indigo" in Puerto Natales. Zimmerpreise ab 187 Dollar (www.indigopatagonia.com). Die "Paine Grande Lodge" befindet sich am Lago Pehoé mitten im Nationalpark und ist per Schiff zu erreichen, Zimmer sind ab 45 Dollar zu bekommen (www.verticepatagonia.cl). Das Explora-Hotel "Salto Chico" liegt auf der anderen Seite des Sees und bietet eindrucksvolle Aussichten auf die Berge. Das 1993 eröffnete und nicht gerade preiswerte Luxushotel (vier Tage kosten zwischen 2600 und 6200 Dollar) ist allerdings schon etwas in die Jahre gekommen (www.explora.com).

Weitere Auskünfte: www.chileinfo.de

Quelle: srt

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