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Training mit dem schnellsten Triathleten der Welt

30.03.2012, 15:24 Uhr | Heiko Truppel

Thomas Cook Ironman-Trainingscamp auf Mallorca: Radtour. (Quelle: Thomas Cook)

Ausgiebige Radtouren sind der Schwerpunkt im Thomas Cook Ironman-Trainingscamp auf Mallorca. (Quelle: Thomas Cook)

Mit dem Profi im Ironman-Trainingscamp auf Mallorca

"Schwimmen ist ätzend, Radfahren ist ätzend, Laufen ist ätzend - aber alles zusammen ist cool." Andreas Raelert bringt es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: Triathlonsport ist mehr als die Summe der einzelnen Disziplinen. Der mit einer Zeit von 07:41:33 Stunden inoffiziell schnellste Triathlet der Welt - im Triathlon gibt es aufgrund der sehr unterschiedlichen Strecken keinen offiziellen Weltrekord - hat gemeinsam mit dem ehemaligen Radrennfahrer Rolf Aldag und dem bis 2008 aktiven Profi Jan Sibbersen dem Ironman-Trainingscamp auf Mallorca einen Besuch abgestattet. Wir haben in den Trainingsbetrieb des zweiwöchigen Camps hineingeschnuppert. Sehen Sie mehr auch in unserer Foto-Show.

Von der "Cappucino-Tour" zur Ü30-Party

Radguide Anne Wichmann hat sich ans Ende der Gruppe zurückfallen lassen: "Aufschließen! Der Windschatten ist Euer Freund". Obwohl sie nur die "Cappucino-Gruppe" anführt, nimmt die resolute Tourleiterin ihre Aufgabe ernst, alle Teilnehmer wohlbehalten ins Camp zurückzubringen; immerhin geht es auch in der langsamsten Gruppe - gefahren wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 23 km/h - über eine Distanz von etwa 90 Kilometern. Und die Ausfahrt birgt gegen Ende noch ihre Tücken...

In der Leistungsgruppe mit den Profis geht es dagegen richtig zur Sache. Raelert trainiert bereits auf seinem Zeitfahrrad und die Profis schenken sich nichts. Selbst Aldag räumt nach der Rückkehr ein, dass die Tour ins Gebirge westlich von Alcúdia nicht ohne war. Die 28-Plus-Gruppe drückt aufs Tempo und mausert sich, was die Durchschnittsgeschwindigkeit anbelangt, klar zur Ü30-Party.

Radausfahrten für jedes Leistungsniveau

Auf dem Radtraining liegt der Fokus des in Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter Neckermann durchgeführten Camps. Die für Radsportler fantastischen Möglichkeiten prädestinieren Mallorca als Standort und im März herrschen klimatische Top-Bedingungen für längere Rennradtouren. Sieben Guides bieten Ausfahrten für jedes Leistungsniveau und sorgen für gleichmäßiges Tempo auf den Fahrten vorbei an Olivenhainen, Sumpfmarschen, das hügelige Vorland des Gebirges oder die steilen Anstiege in den zerklüfteten Bergen.

Neben dem reinen Ausdauertraining geben die Guides Tipps zur Fahrtechnik. Jede Tour führt nach rund der Hälfte der Strecke an Versorgungsstationen mit isotonischen Drinks und frischem Wasser, Energieriegeln und Knabbermischungen vorbei. Wem es zu viel wird, kann sich von hier aus mit dem Auto zurück in die Hotelanlage bringen lassen - für den Fall der Fälle steht der Service-Mitarbeiter aber auch sonst immer abrufbereit.

Professionelles Techniktraining und Videoanalyse

Beim Schwimm- und Lauftraining liegt der Schwerpunkt weniger auf der Steigerung der Ausdauer, die Verbesserung der Technik steht hier im Vordergrund. Gerade effizientes Schwimmtraining ist nach Raelerts Einschätzung kaum ohne das Feedback durch einen Trainer möglich, wie er im äußerst gut besuchten Profi-Talk mit den Teilnehmern des Camps zu Bedenken gibt.

Mit dem ehemaligen Schwimm-As Erwin Dokter, WM- und EM-Teilnehmer und Renndirektor mehrerer Triathlon-Wettbewerbe, geht es erst einmal in das angenehm temperierte, kleine Becken in der Schwimmhalle. Der ausgebildete Schwimmtrainer, der bereits als Nachwuchstrainer im österreichischen Kader tätig war, verschafft sich zunächst einen Eindruck über die Schwächen seiner neuen Schützlinge und gibt immer wieder Anweisungen. Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit wird aus dem kraftraubenden hektischen Geplansche zu Beginn der Einheit ein im Vergleich zu vorher müheloses, flüssiges Gleiten.

Als der sympathische Klagenfurter zufrieden ist, geht es in den Außenpool der Hotelanlage, um die neu erlernten Techniken auf den 25-Meter-Bahnen umzusetzen. Die Bewegungen werden in dem zu dieser Jahreszeit noch etwas kühlen Wasser zwar wieder etwas hektischer, der Fortschritt ist jedoch deutlich zu spüren: Nie waren die Bahnen dem Empfinden nach so kurz. Wer eine objektive Bewertung seines Schwimmstils wünscht, hat aber auch die Möglichkeit zu einer Videoanalyse. Gerade erfahrenere Campteilnehmer wie Norman schätzen die ungewohnte Sicht auf sich selbst per Unterwasserkamera. "Mein Zug hat nicht gestimmt, jetzt bringe ich die ganze Leistung ins Wasser", erzählt der ehemalige Marathonsportler, der seit sieben Jahren im Triathlon aktiv ist und in seinem vierten Ironman-Trainingscamp nicht nur die professionelle Betreuung, sondern auch die Atmosphäre im Club Pollentia schätzt.

Das eigene Erlebnis als Schlüssel zum Erfolg

Die Philosophie des Trainerteams um Campleiter Pascal Morillon geht über die reine Anleitung und den Einsatz von Technik hinaus. Der Renndirektor des in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindenden Thomas Cook Ironman 70.3 gibt zu verstehen, dass der Sportler im Training dahin geführt werden soll, dass er am eigenen Leib und aus sich selbst heraus erfährt, wie er effizienter und damit schneller und ausdauernder werden kann.

Dazu passt der Ansatz von Lauftrainer Dieter Bremer. Nach ein paar lockeren Einlaufrunden auf dem Sportplatz gibt er zunächst individuell auf den Läufer zugeschnittene Tipps für eine Körperhaltung, die eine dynamischere Form des Laufens ermöglichen soll. Statt nun jedoch einfach in der neuen Haltung laufen zu dürfen, kommt von dem diplomierten Sportlehrer immer wieder die Anweisung, in die bisher gewohnte Position zurückzukehren, die sich doch sonst so locker angefühlt hat, nun aber mehr und mehr unangenehm wird. Der Körper drängt geradezu nach der neu erfahrenen Körperspannung.

Auch im Training mit Bremer ist eine Analyse per Video möglich, um das Ergebnis der Arbeit im Anschluss an die Laufeinheit objektiv zu dokumentieren und den Fortschritt sowie Defizite zu veranschaulichen. Campteilnehmer Peter Müller, seit eineinhalb Jahren im Triathlon aktiv, stellt fest, dass er sofort schneller geworden ist. Der "Neuling" hat den Fokus auf das Lauftraining gelegt und schätzt den persönlichen Kontakt, den das Trainerteam an den Tag legt. Als Laie hatte er vor dem Camp nur die Möglichkeit sich in Trainingsfragen einzulesen. Dabei blieben jedoch immer Punkte offen, die er autodidaktisch nicht einsehen konnte. Seine Zielsetzung deckt sich gut mit dem Ansatz des Camps, der vor allem beim Schwimmen und Laufen nicht den physischen Fortschritt in den Vordergrund stellt, sondern die Voraussetzung schaffen soll, selbst sein Training erfolgreich zu gestalten.

Vorträge und Gespräch mit den Profis

Der Trainingsrhythmus beinhaltet innerhalb einer Woche einen Trainingsblock von drei Tagen und einen Block von zwei Tagen, denen jeweils ein Ruhetag folgt. Einen ähnlichen Ablauf ihres Trainings schildern die mitgereisten Top-Sportler im abendlichen Profi-Talk mit den Campteilnehmern. Die auffällig gut besuchte Veranstaltung am Abend ist natürlich einer der Höhepunkte des Camps. Wann sonst hat man die Möglichkeit, mit dem derzeit neben seinem Bruder Michael erfolgreichsten deutschen Triathleten (Raelert) und dem wahrscheinlich schnellsten Schwimmer der Triathlon-Geschichte (Sibbersen) so auf Tuchfühlung zu gehen? Auch aus der Sympathie für den erfahrenen Aldag macht das Publikum keinen Hehl. Vor allem Trainingsfragen etwa zu Umfang und Gestaltung werden von den Amateur-Sportlern gestellt, aber die Profis diskutieren auch über die mögliche Weiterentwicklung des Triathlon-Sports.

Tägliche Highlights bilden darüber hinaus die Funktions- und Regenerationsgymnastik am späten Nachmittag, die Bremer anbietet und die regelmäßig rund 80 Prozent der Teilnehmer anlockt. Zu den allabendlich stattfindenden Vorträgen findet sich dann meist das ganze Camp ein. Es werden Themen behandelt wie neuere Ansätze im Ausdauertraining, der langfristige Trainingsaufbau oder die mentale Bewältigung von Langzeitausdauerbelastungen. Hier ist dann sogar Peter Müllers Frau dabei, die außer dem emotionalen Rückhalt, den sie ihrem Mann zukommen lässt, eigentlich nichts mit Triathlon zu tun hat - offenbar ist in dem Camp wirklich für jeden was dabei.

Weitere Informationen:

Das Ironman-Trainingscamp 2012 hat vom 18. März bis zum 1. April stattgefunden und ist auch im nächsten Jahr wieder geplant. Das Camp ist Bestandteil des Neckermann Sportprogramms, in das 2010 auch Triathlon aufgenommen wurde. Mehr Infos finden Sie unter www.neckermann-reisen.de.

Der Thomas Cook Ironman 70.3 auf Mallorca wird am 12. Mai in der Bucht von Alcúdia im Norden der Insel sowie im Hinterland der sportbegeisterten Stadt ausgetragen. www.ironman.com und www.thomascook.de.

Quelle: trax.de

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