
10.12.2012, 16:46 Uhr | Till Gottbrath
Mit dem Sportrodel geht's rasant zur Sache. Geschwindigkeiten von 50 km/h oder mehr sind durchaus drin. (Quelle: KGK)
Der ADAC testet Rodelbahnen, Bergbahnbetreiber räumen und planieren spezielle Rodelstrecken, Hüttenwirte locken die Gäste im Winter mit Rodelwegen und der Sportfachhandel freut sich seit Jahren über einen stetig steigenden Absatz sogenannter Sportrodel. Was aber unterscheidet den modernen Rodel von dem alten, hölzernen Schlitten? Und was macht den besonderen Reiz dieser Sportart aus? Hier und in unserer Foto-Show erfahren Sie mehr über das Sportrodeln.
Ein Sportrodel ist eine flexible Konstruktion mit Gummilagerung an den Böcken, das heißt er kann sich in sich selbst verwinden. Dazu kommt ein Sitz aus Stoff oder Gurtband und Kufen mit einer Neigung von 14 bis 28 Grad. Bis 20 Grad sind die Allround-Eigenschaften besser (auf Schnee und Eis), darüber wird es sportlich. Beim Fahren liegt ein Sportrodel ruhig und satt auf der Bahn. Er lässt sich präzise lenken wie ein Sportwagen.
Der klassische Kinderschlitten ist dagegen ein steifer, widerwilliger Geselle. Er mag keine Kurven, fährt aber trotzdem nicht gut geradeaus. Er schüttelt den Fahrer kräftig durch und benimmt sich wie ein bockiges Pferd.
Anders als der traditionelle Schlitten wird der Sportrodel gelenkt, ohne dass der Fahrer Bodenkontakt hat. Für eine Rechtskurve drückt man mit dem nach vorn ausgestreckten linken Bein die linke Kufe nach innen rechts. Gleichzeitig zieht man mit der linken Hand mittels des Riemens die rechte Kufe nach oben. Ist das Tempo sehr hoch, greift man mit der rechten Hand nach hinten rechts in den Schnee. Reicht auch das nicht, setzt man als letztes Mittel zusätzlich noch den rechten Fuß in den Schnee.
Nicht zu unterschätzen ist das Tempo, das man mit einem Sportrodel erreichen kann. Deshalb hier einige grundlegende Sicherheitspunkte:
– Beim Aufstieg die Bahn besichtigen.
– Kollisionen vermeiden: Möglichst außerhalb der Fahrbahn aufsteigen. Bei Aufstieg in der Bahn den Rodel tragen und im Gänsemarsch in der Kurveninnenseite gehen!
– Nie in unübersichtlichen Kurven stehen bleiben!
– Tragen von Helm und Skibrille.
– Nicht angetrunken fahren.
Beim Rodeln sollten Sie auf robuste, wasserdichte Bekleidung setzen und stabile Schuhe tragen, die über den Knöchel reichen (Berg- oder Trekking-Stiefel). Noch besser eignen sich moderne High-Tech Winterstiefel mit speziellen Antirutsch-Sohlen, die tollen Grip auf Eis bieten. Gamaschen verhindern, dass Schnee ins Hosenbein eindringt.
Ebenfalls zu empfehlen:
– Bei der Hütteneinkehr kann man seinen Rodel mit einem Fahrradschloss sichern.
– Armfreiheit beim Gehen: Verlängern Sie den Zugriemen des Rodels mit einem festen Spanngummi (als Stoßdämpfer). Klinken Sie ihn in eine Rucksack-Schlaufe ein.
Obwohl ein Rodel beim Fahren viel aushalten muss, ist er doch recht empfindlich. Deshalb:
– Nach dem Rodeln die Schienen trocken wischen und gegen Rost leicht einölen.
– Die Stahlschienen ab und zu mit Schleifpapier in Fahrtrichtung anschleifen (Körnung 40 bis 180; je höher die Schneetemperatur desto grober die Körnung).
– Nach dem Schleifen mit Stahlwolle in Laufrichtung zweimal abziehen und mit Skiwachs einwachsen.
– Über den Sommer sollte man die Schrauben der Schienen etwas lockern und die Schienen selbst gut einwachsen.
– Immer an einem trockenen kühlen Ort flach liegend lagern. Nicht anlehnen oder einseitig belasten, sonst kann sich der Rodel verziehen.
– Nicht in der prallen Sonne im Auto aufbewahren.
Rodel stammen nicht aus Fernost, sondern fast immer von kleineren Handwerksbetrieben. Die Anbieter stellen meist drei bis vier Modelle her (die sich in Konstruktion und Ausstattung unterscheiden) in jeweils drei oder vier Größen (Kinder, Einer kurz, Einer lang, Doppel).
Das Rodelvergnügen beginnt ab 150 Euro bei:
Bachmann (www.bachmann-otto.com), Bereuter (www.handwerkholz.at), Fluckinger (www.fluckinger-rodeln.at), Gallzeiner (www.gallzeiner-rodel.at), Gasser (www.gasserrodel.at), German Luge (www.gl-rodel.de), Graf (www.graf-schlitten.ch), Kathrein (www.rodel.at), Magnus (www.magnusrodelsport.de), Leitner (www.rodelbauleitner.at), Torggler (www.torggler-rodelbau.com)
Das Spektrum an Rodelbahnen ist breit: von der selbstgebauten Spur am Hang hinterm Haus bis zur aufwändig geräumten und planierten Rodelbahn mit Lift, Beleuchtung, Hütten, Leihrodel, Sicherheitspolstern und Fangzäunen. Eine sehr gute Übersicht für Deutschland gibt es unter www.rodelfuehrer.de oder www.rodeln.com, für Österreich bei www.rodeln.at und für die Schweiz unter www.myswitzerland.com sowie www.ausflugsziele.ch.
Quelle: KGK
Wenn sie sich hinab stürzen, stockt einem schon beim Zuschauen der Atem. zum Video
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