
18.01.2013, 10:30 Uhr | Christoph Schrahe
Die Skipisten des Skigebiets Sunshine Village bieten herrlichen Ausblick auf das "Matterhorn" der Rocky Mountains. Mit bestem Schnee der Welt inklusive! (Quelle: Lake Lousie Ski Resort/SRT )
Sie möchten in den Winterurlaub und suchen Skigebiete mit Schneesicherheit? Dann auf nach Kanada - in die wunderbare Welt der Rocky Mountains! Denn hier liegt der beste Schnee auf Erden. "Champagne Powder" werden die ultraleichten Eiskristalle hier genannt. Pulverartig bedeckt der Glitzerschnee die schönsten Skipisten Nordamerikas. Eine Skisafari von Calgary quer durch die Felsenberge nach Westen raubt einem den Atem und ist in nur zehn Tagen zu schaffen. Die Teilnehmer der Trans the Rockies Skisafari teilen ihre Erlebnisse von der Suche nach dem perfekten Pulverschnee in Kanada mit uns - auch in unserer Foto-Show.
Zita Abächerli kennt sie alle: die versteckten Varianten in den Bäumen, die engen Couloirs und die weiten Pulverhänge jenseits der Waldgrenze. Jetzt steht sie in 2690 Meter Höhe an der Bergstation von Kanadas höchster Sesselbahn im Skigebiet Sunshine Village bei Banff und erläutert die Optionen: "South Divide führt genau auf der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik entlang, ideal zum Warmfahren, tolle Aussicht bis zum Mount Assiniboine, das ist das kanadische Matterhorn. Wir können auch durch die Buckel und zwischen den Bäumen zum Tee Pee Town Lift abfahren."
Am Vorabend hat sie uns, eine Gruppe von acht Tiefschneesuchern am Flughafen Calgary aufgesammelt und ins Hotel nach Banff gefahren, einen Tisch bei Melissa's reserviert und beim gemeinsamen Dinner bei der Auswahl der Steaks beraten. Am nächsten Morgen nimmt sie uns schon beim Frühstück in Empfang, verstaut die Ski auf dem Dach des Vans, mit dem wir hinauf zum Skigebiet fahren und teilt an der Talstation die Lifttickets aus. Zwischendurch hat sie sich auch irgendwann noch um die Leihski gekümmert. So bleiben unsere Männerköpfe frei für die eine Sache, wegen der wir hier sind: die perfekte Linie in den perfekten Schnee zu ziehen.
Zitas Welt sind die versteckten "powder stashes" zwischen den Bäumen. Im Gegensatz zu vielen alpinen Gebieten kann man in Kanada innerhalb des erschlossenen Skiraums überall fahren - Grenzen setzt nur das eigene Leistungsvermögen. Gelegenheiten, dieses auszuloten, bietet Sunshines Terrain reichlich, auch diesseits des Delirium Dive. Zita zeigt sie uns, in den TP Main Chutes, am Goat's Eye Mountain und am Mount Standish. Ihre Begeisterung für den Slalom durch den Tannenwald wirkt sofort ansteckend. Vermutlich, weil sie immer da war, nur zwischenzeitlich von Maßregeln und Vorschriften verschüttet. Jetzt blitzt der Spieltrieb wieder auf, so wie in Kindertagen, als wir doch alle immer sofort in die Bäume abgebogen sind.
Das Skigebiet von Lake Louise, unserer nächsten Station, gilt als das landschaftlich schönste Nordamerikas. Uns bleibt der Blick von den Pisten zu den Fels- und Eiskatarakten des Mount Victoria wegen Nebel und Schneefall verwehrt. Dafür finden wir exzellente Bedingungen zwischen den Bäumen am Ptarmigan Lift. Für die steilen Rinnen in den Powderbowls auf der Rückseite des Mount Whitehorn ist die Sicht zu dürftig. Wir cruisen stattdessen noch etwas über die breiten Pistenboulevards auf der Vorderseite, über die alljährlich im November Weltcup-Abfahrtsrennen gehen.
Unser nächstes Ziel ist Kicking Horse, ein junges Skiresort oberhalb von Golden. Eine Gondelbahn führt hier über 1100 Höhenmeter hinauf zu Kanadas höchstgelegenem Bergrestaurant. Talwärts stehen mehr als 100 Varianten zur Auswahl, darunter nur eine leichte und zwei mittelschwere. Die Couloirs, die von den vier Graten North Ridge, South Ridge, CPR und Redemption Ridge hinunterstürzen, sind einfach durchnummeriert, Namensvorschläge ausdrücklich willkommen. Dumm nur, dass man immer bis zur Talstation abfahren muss: Während es oben heftig schneit, regnet es dort nämlich.
Also weiter - aber das ist leichter gesagt als getan. Der auf der Strecke nach Revelstoke gelegene Rogers Pass ist wegen Lawinengefahr gesperrt. Als Zita schon versucht, ein Quartier in Golden zu organisieren, kommt die Nachricht, dass es doch weitergeht. Knapp zwei Stunden später checken wir im Hillcrest Resort Hotel in Revelstoke ein. Das verfügt über alles, was man zwischen den Tagen am Berg so braucht: eine urgemütliche Lobby mit viel Holz, Naturstein und knisterndem Kaminfeuer, Massageabteilung, Whirlpool, Sauna und eine gut sortierte Bar.
Gebaut hat es der aus Wengen stammende Peter Schlunegger. Sein Urgroßvater arbeitete bereits 1899 als Bergführer am Rogers Pass. Schlunegger selbst ging als Heliskiguide nach Kanada und gründete 1978 Selkirk Tangiers Heliskiing. Dessen Skigebiet in den bis zu 3500 Meter hohen Selkirks und Monashee Mountains ist so groß wie Graubünden. Seit 2007 verfügt Revelstoke auch über ein durch Lifte erschlossenes Skigebiet. Den Heliskifahrern dient es als Ausweichmöglichkeit für die Tage, an denen wegen Schlechtwetter nicht geflogen werden kann.
So wie am nächsten Morgen. Die Wolken hängen tief und es regnet in Strömen. Auch an der Talstation der Anticipation Gondelbahn. Auf halber Fahrtstrecke geht der Regen in Schnee über, an der Bergstation schneit es in dicken Flocken. Die schlechte Sicht stört uns nicht und so können wir den Neuschnee in vollen Zügen genießen. Genau 18,3 Meter fallen davon pro Winter auf die Hänge von Revelstoke - mehr als in jedem anderen kanadischen Skigebiet. Mit seinem Höhenunterschied von 1713 Metern ist Revelstoke sogar die Nummer 1 in ganz Nordamerika.
Tags darauf bessert sich endlich das Wetter. Beim Frühstück erfahren wir, dass es noch freie Plätze in einem Heli gibt. Das bedeutet: Jetzt oder nie, schließlich hat es in den Höhenlagen während der letzten 72 Stunden zwei Meter Neuschnee gegeben. Zwei Stunden und eine Sicherheitseinweisung später fliegen wir im knatternden Helikopter hinauf in die Monashees. Landung, aussteigen, ducken, warten bis sich der maschinengemachte Schneesturm legt. Dann sehen wir ihn. Den perfekten Hang dessen weiß glitzernder Schneedecke man ihre Leichtigkeit geradezu ansieht. Was folgt, ist ein Traum, aber zumindest in diesem einen Moment ist er real.
Weitere Informationen:
Skigebiete in Zahlen:
Sunshine: 1660-2690 Meter, 13 Lifte, 107 Abfahrten über 88 km, 42% schwer
Lake Louise: 1646-2637 Meter, 9 Lifte, 139 Abfahrten über 80 km, 46% schwer
Kicking Horse: 1275-2421 Meter, 5 Lifte, 106 Abfahrten über 63 km, 48% schwer
Revelstoke: 512-2225 Meter, 6 Lifte, 52 Abfahrten über 84 km, 44% schwer
Sun Peaks: 1210-2080 Meter, 11 Lifte, 124 Abfahrten über 124 km, 27% schwer
Selkirk Tangiers Heliskiing: 800-3000 Meter
Saison: 26. Dezember 2012 bis 2. April 2013
Preise Trans the Rockies Skisafari: ab 2588 Euro pro Person im DZ inklusive Flug, 9 ÜF, 8 Tage Skipass, Guideservice, Transfers. Heliskiing ab 676 Euro (3 Abfahrten), Snowcatskiing ab 384 Euro (1 Tag), Leihski 208 Euro (8 Tage).
Quelle: srt
Wenn sie sich hinab stürzen, stockt einem schon beim Zuschauen der Atem. zum Video
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