
29.11.2012, 11:21 Uhr | Andi Lipp
Rocker-Ski wurden für den Tiefschnee entwickelt, funktionieren aber längst auch auf der Piste bestens. (Quelle: K2)
Der Rocker-Ski gilt aktuell als der Meilenstein in der Skientwicklung. Seine Besonderheit: Er präsentiert sich besonders ‚biegsam’, denn seine Schaufel wölbt sich schon deutlich vor der Skispitze nach oben. Das mag anfangs irritierend aussehen, verspricht aber enormen Fahrspaß dank Drehfreudigkeit und besonders leichtem Handling im Tiefschnee. Der Rocker-Wald ist inzwischen dicht besiedelt und so findet man die unterschiedlichsten Modelle, vom Pisten- über den Allmountain- bis hin zum Full-Rocker. Für einen Überblick beleuchten wir die Rocker-Bühne. Sehen Sie mehr zum Thema Rocker-Ski auch in unserer Foto-Show.
Den Anfang in Sachen Rocker-Ski machte einst die Firma Volant, eine kleine Edelmarke, welche die Ski-Ikone Shane McConkey auf ihrer Teamliste führte. McConkey war ein Revolutionär im Skisport und setzte bei den Entwicklern seines Sponsors den Bau eines ersten Rocker-Skis durch. Seine Idee: verbesserter Auftrieb im Tiefschnee durch einen Ski, der – übertrieben gesagt – gebogen war wie eine Banane. So speziell der sogenannte Volant Spatula damals war, so wichtig war jenes Modell für die Wegbereitung hin zum modernen Rocker-Ski. Und damit für sämtliche Vorteile, mit denen sie zu überzeugen wissen: Kurz gesagt punkten Rocker-Ski pauschal durch eine höhere Drehfreudigkeit. Woran das liegt, wird beim Blick auf die verschiedenen Typen klar.
Enorm vielfältig präsentieren sich die Rocker-Ski-Regale im Sportfachgeschäft: Pisten-Rocker, Allmountain-Rocker, Freeride-Rocker, Freestyle-Rocker, Tip-Rocker, Tail-Rocker, Full-Rocker. Gemeinsam haben sie alle eines: Der sogenannte Kontaktpunkt liegt hier anders als bei herkömmlichen Skiern. Die Rede ist von jener Stelle, an der der Ski im Bereich der Skischaufel und gegen Ski-Ende auf ebenem Untergrund den Kontakt zur Unterlage verliert. Je nach Rocker-Typ liegt der Kontaktpunkt näher oder weiter vor beziehungsweise auch hinter der Bindung. Dieser Abstand gibt unter anderem Aufschluss über das bevorzugte Terrain und den Einsatzbereich des Skis. Zunächst aber etwas mehr zu den funktionellen Unterschieden...
Beschreiben lassen sich das Prinzip und die Unterschiede der verschiedenen Rocker am einfachsten, indem man die Ski von der Spitze bis zum Ende betrachtet: Tip-Rocker-Ski (Tip = engl. für Spitze) kommen mit einer Aufbiegung einige Zentimeter vor der nach oben gekrümmten Skischaufel. In Kombination mit einer gewöhnlichen Vorspannung (engl. Camber) im Bereich unter der Bindung findet diese Bauweise vor allem bei den Pisten- und Allmountain-klassifizierten „Rockern“ Anwendung. Diese Ski drehen dank Tip-Rocker leichter, liefern aber durch die Vorspannung in der Mitte genügend Kantenhalt und Laufruhe für Fahrten auf präparierter Piste. Je ausgeprägter der Rocker, sprich je früher die Aufbiegung beginnt und je stärker sie ausfällt, desto geländetauglicher ist der Rocker ausgelegt.
Damit findet auch der Übergang von Allmountain- zu Freeride- oder sogar Backcountry Freestyle-Ski statt. Freeride-Ski gibt es ohne und mit Tail-Rocker (Tail = engl. für Ende), Backcountry-Freestyle-Modelle (für Sprünge im Gelände) dagegen fast ausschließlich mit beiden. Ein Tail-Rocker verkürzt die Auflagefläche der plan gestellten Ski erneut – das Prinzip bleibt das gleiche wie beim Tip-Rocker – und verbessert zudem im Gelände, insbesondere im Tiefschnee, den Auftrieb: Tiefschneefahren ähnelt physikalisch dem Gang über einen per Folie abgedeckten Swimming-Pool. Unter den Füßen, wo das meiste Gewicht die Unterlage trifft, sinkt man stark ein. Dem wirken Tip- und Tail-Rocker durch die bananenartige Aufbiegung an Skispitze und -ende entgegen.
Ski, die trotz Tip- und Tail-Rocker noch Vorspannung unter der Bindung haben, funktionieren auch auf präparierten Pisten ein Stück weit. Sogenannte Full-Rocker-Ski aber, die im Bereich der Bindung keine Vorspannung haben oder gar durchgängig nach oben gezogen sind, fahren sich auf der Piste nur schwer. Dafür überzeugen diese Ski vor allem im unpräparierten Gelände: das Fahren im Tiefschnee fällt deutlich leichter. Aber Vorsicht: Die neuen Ski mögen den Ausflug ins Gelände zwar wunderbar erleichtern, die Gefahr abseits der Pisten bleibt aber bestehen! Tiefschneehänge gehören nicht zum gesicherten Pistenraum und bergen alpine Gefahren. Entsprechende Vorbereitung und Ausrüstung sind also unerlässlich!
Weitere Informationen
Ski-Hersteller:
Quelle: KGK
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