
20.12.2012, 10:11 Uhr | Max Brodbeck
Radfahren im Winter ist mit der richtigen Radausrüstung und Fahrradbekleidung kein Problem. (Quelle: www.pd-f.de/dpa)
Sommer vorbei. Herbst. Erster Schnee. Schluss. Aus. Vorbei mit der Fahrradfahrzeit. Ehrlich? Auch wenn Kälte und Schneeregen keine idealen Voraussetzungen zum Biken sind: sattelfeste Zweiradfans lassen sich davon nicht abhalten. Denn egal wo oder wann, richtig ausgerüstet, macht Radeln immer Spaß. Mehr sehen Sie in unserer Foto-Show: Radfahren im Winter.
Man muss beileibe kein Superheld sein, um auch den Winter über auf dem Fahrrad unterwegs zu sein. Es liegt, wie so oft, an der richtigen Ausrüstung, an einigen wenigen Grundsätzen und – natürlich – an der Einstellung. Dann kann man (sich) auch im Winter auf den Sattel setzen, muss nicht das Auto in der Früh reinkratzen, teures Benzin verfahren und womöglich im Stau stehen – oder sich in die überfüllten (und teuren) öffentlichen Verkehrsmittel pressen. Dazu kommt der Gesundheitsaspekt: Im Winter bewegt man sich schließlich deutlich weniger und mit der regelmäßigen Abhärtung schwindet auch die gesundheitliche Empfindlichkeit. Allerdings sollte man sich und sein Fahrrad auch entsprechend rüsten.
Auch wenn für Fahrräder keine Winterreifenpflicht gilt, aus reinem Eigeninteresse sollten insbesondere Vielfahrer über Reifen mit Spikes nachdenken. Diese sorgen auch bei Eisglätte für Traktion und seitliche Führung. Zur Sturzvermeidung ist das besonders wichtig. Wer bei Glatteis aber ohne Spikes unterwegs ist, sollte zumindest seinen Luftdruck reduzieren, denn das resultiert in einem Haftungs-Plus. Die vergrößerte Auflagefläche erhöht zwar den Rollwiderstand, verleiht allerdings die Stabilität und erhöht die seitliche Haftreibung am Boden.
Weil der Winterdienst noch immer Salz, zumindest aber Sand und Split einsetzt, um rutschige Wege und Fahrbahnen griffiger zu machen, verlangt das Fahrrad intensivere Pflege als im Sommer. Die Kette, durch ihre Bodennähe und den Fettgehalt besonders exponiert, saugt Dreck und Schmutz geradezu an. So empfiehlt sich eine regelmäßige Säuberung mit anschließendem Einfetten. Auch sollten die beweglichen Teile an der Schaltung ab und an geschmiert werden.
Es ist leider nachweislich belegt, dass Autofahrer im Winter weniger mit Radfahrern im Straßenverkehr rechnen. Erhöhte Umsicht ist in den Wintermonaten deshalb genauso gefragt, wie vermehrtes Mitschauen und –denken für andere Verkehrsteilnehmer. Schon aus reinem Eigeninteresse und Überlebensinstinkt! Um in jeder Situation Herr der Lage zu sein, müssen die Fahrradbremsen fehlerfrei funktionieren. Bei Felgenbremsen empfiehlt sich auf alle Fälle eine Überprüfung der Bremsbeläge und der Bremszüge, die die Kraft vom Hebel auf die Bremse übertragen. Entdeckt man hier erhöhten Verschleiß – weg damit und durch Neuteile ersetzen.
Bei Scheibenbremsen hilft der Austausch der Bremsbeläge bei Verschleiß natürlich ganz genauso. Und falls der Druckpunkt der hydraulischen Bremse nachlässt: ab damit zum Fahrradhändler zum Entlüften des Bremssystems. Und die Bremsscheiben? Um die muss man sich kaum Gedanken machen. Die Verschleißuntergrenze liegt bei 1,75 mm Materialstärke, wird aber in den seltensten Fällen erreicht.
Als Besitzer eines Fahrrades mit Federelementen an der Gabel und dem Hinterbau sollte man sich bewusst machen, dass die Federung nicht so sensibel anspricht. Durch die niedrigeren Temperaturen ändert sich die Viskosität des Öls, das für die Schmierung der Federung sorgt – es wird zäher. Abgesehen vom Einsatz eines anderen Öls, dessen Tauglichkeit aber unbedingt mit dem Federgabel- oder Dämpferhersteller abgestimmt sein muss, lässt sich daran wenig ändern. Achtung: bei luftgefederten Elementen den Druck zu verringern, erhöht die Gefahr, dass man bei Schlägen die Federelemente beschädigt. Ein besserer Rat ist daher, einfach die Geschwindigkeit herabzusetzen. Dann vermindert sich auch die Heftigkeit der Unebenheiten. Und wegen der verminderten Traktion muss man das meist sowieso machen.
Enorm wichtig sind in den dunklen Jahreszeiten natürlich auch funktionierende Vorder- und Rückleuchten. Einerseits durch die Straßenverkehrsordnung vorgeschrieben, andererseits aber Streitpunkt welcher Art die Fahrradbeleuchtung denn nun sein soll/muss/kann. Kurzum, eine Beleuchtung, die nicht per Dynamo mit Energie versorgt wird, hat laut StVZO im Straßenverkehr nichts verloren. Außer – und das zeigt bereits die Schwammigkeit – das Fahrrad (genauer gesagt Rennrad) wiegt weniger als 11 Kilo. Dann sind auch batteriebetriebene Leuchten zulässig. (Warum ein schweres Fahrrad anderen Strom brauchen soll als ein leichtes, das vermag niemand schlüssig zu beantworten.) Ein Hinweis sei aber angebracht: Scheinwerfer für die Helm- oder Lenkermontage wie sie sich für technische Geländeausritte eignen, haben im Straßenverkehr nichts verloren: Minimal falsch eingestellt, blenden sie den Gegenverkehr so stark, dass sie ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Setzen Sie auf das Zwiebelprinzip: Verpackt in mehrere Schichten wird man als Frostradler auch dem natürlichen Feind Windchill-Faktor Herr. Eine Lage Funktionswäsche am Körper – sie transportiert den im Winter ungewollt kühlenden Schweiß weg von der Haut – bildet die Basis. Darüber stülpt man eine moderat isolierende Lage, die nicht zu warm ausfallen sollte, da man sonst stark zu schwitzen beginnt und wiederum auskühlt. Und zuoberst trägt man eine Lage, die Wind und Wetter draußen hält. Ein besonderes Auge darf man auf Kopf, Hände und Füße werfen. Dünne, aber warme Unterziehmützen passen wunderbar unter den Helm und es gibt zahlreiche Modelle mit integriertem Windstopper. Für die Füße eignen sich wasserdichte oder zumindest wasserabweisende Überschuhe über die Radschuhe, die es in unterschiedlich dicken, isolierenden Varianten gibt. Und an den Händen darf der Handschuh ruhig etwas dicker und mit Windstopper ausgerüstet sein – spezielle Radhandschuhe bieten zudem den wichtigen Grip am Lenker.
Über das Wohlbefinden des Rades, wenn es im Freien übernachten muss, braucht man sich übrigens keine Gedanken machen: Ein gepflegtes Rad steckt das locker weg. Weniger gut sind dagegen starke Temperaturschwankungen, wenn das Rad aus der Eiseskälte sofort in einen beheizten Raum gestellt wird. Die Temperaturunterschiede und Feuchtigkeit sorgen für erhöhte Kondensations- und Oxidationsgefahr. Insofern ist die unbeheizte Garage oder ein kühler Fahrradschuppen besser als Parkplatz geeignet als der Heizungskeller.
Quelle: KGK
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