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Pumptrack: Eine besondere Art des Mountainbikens

23.07.2012, 11:40 Uhr | Max Brodbeck

Biken ohne zu treten! Auf dem Pumptrack nutzt man Bodenwellen und Steilkurven, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Wer es raus hat, erlebt Flow pur!  (Quelle: johannesherden.de / srmedia.biz)

Biken ohne zu treten! Auf dem Pumptrack nutzt man Bodenwellen und Steilkurven, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Wer es raus hat, erlebt Flow pur! (Quelle: johannesherden.de / srmedia.biz)

Pumptrack - Biken mit Flow

„Pumping Iron“, der Titel des Bodybuildung-Kultfilms rund um Arnie Schwarzenegger, passt auch zur derzeit schwer angesagten Mountainbike-Spielart, dem Pumptrack fahren. Die Rahmen der speziellen Bikes bestehen oft aus Stahl und Vortrieb erzeugt man durch Pumpen bzw. Pushen, also Beugen und Strecken der Beine und Arme. Das hat wenig mit muskelbepackten Eisenbiegern zu tun. Aber mit einer dicken Portion Fahrspaß. Als Fitness-Training taugt der „Spielplatz“ Pumptrack obendrein! Alles über die Bodenwellen und Anlieger (= Kurven) in Pumptracks, alles über Fahrtechnik und die Bike-Auswahl im Artikel und in unserer Foto-Show!

Pump it up! Mountainbike mal anders

Auf (sportliche) Kinder übten BMX-Bahnen schon immer magische Anziehungs­kräfte aus. Doch als der gesamte BMX-Boom nachließ, verschwanden auch BMX-Bahnen nach und nach. Deren Platz nehmen in der Mountainbike-Welt nun mehr und mehr die Pumptracks ein. Auf speziell angelegten Rundkursen rollt man über Bodenwellen und durch Steilkurven, bewegt sich allein durch Beugen und Strecken der Beine und Arme vorwärts.

Auf die Kette, am Fahrrad das essentielle Bauteil für die Fortbewegung, kann sogar ganz verzichtet werden: beherrscht man die richtige Technik, erzeugt man beim Durch- und Überfahren der Senken und Wellen genug Vortriebsenergie. Dabei verbessert man gleichzeitig die eigene Fahrtechnik, das Gefühl für das Bike und die eigene Kondition. Pumptrack fahren ist ein ganzheitliches Bike-Training. Gerade am Anfang ist bereits nach wenigen Runden die Kondition am Ende und eine Verschnaufpause bitter nötig. Und das obwohl der Pumptrack-Spaß schon auf einen kleinen Rundkursen beginnen kann. Platzmäßig reicht für die Anlage eines kleinen Pumptracks schon eine Fläche von der Größe eines Strafraums auf dem Fußballplatz. Nach oben setzt nur der Schaufeleifer, das Platzangebot und die Kondition beim Befahren ein Limit.

Auf und Nieder, immer wieder!

Pumptrack-Fahren eignet sich für alle Altersklassen und sämtliche Könnensstufen. Wie nirgends sonst bestimmt das Können die eigene Fahrgeschwindigkeit, denn Pumptracks verlaufen eigentlich immer in der Ebene. So können Anfänger und Profis, junge und alte Fahrer gleichermaßen die richtige Pumptrack-Technik erlernen und auf dem Track Spaß haben.

Um trotz des Verzichts auf ein Pedalieren (= Treten) vorwärts zu kommen, muss man mit dem Bike über die Bodenwellen „pushen“ (engl. für Drücken). Das funktioniert so: in der Grundposition mit leicht gebeugten Armen und Beinen – die Pedale stehen waagerecht – und mit dem Gesäß über dem Sattel und dem Körperschwerpunkt (im Bereich des Bauchnabels) über dem Tretlager fährt man in den Pumptrack ein. Kommt das erste Hindernis in Form einer Bodenwelle beugt man zunächst die Arme, dann die Beine, um locker über das Hindernis hinwegzurollen. Sobald das Vorderrad in die Mulde nach der Welle rollt, beginnt man Arme und Beine zu strecken und das Bike aktiv auf den Boden zu drücken. Schiffschaukeln auf dem Rummelplatz funktioniert ganz ähnlich.

Nach ein paar „gepushten“ Wellen nimmt die Geschwindigkeit zu und es erwartet einen irgendwann eine Steilkurve für die Richtungsänderung. Richtig genutzt, kann man sogar in einem solchen Anlieger Tempo machen: wieder fährt man in der Grundposition ein, beugt die Beine zur Einfahrt leicht und lehnt sich zur Kurvenmitte. Ab dem Kurvenscheitelpunkt streckt man die Beine und „pusht“ aus dem Anlieger heraus. Wem diese Basistechniken irgendwann nicht mehr genug Herausforderung bieten, der kann sich am Surfen versuchen – dem Überfahren der Wellen auf dem Hinterrad – oder am Überspringen einer Mulde zwischen zwei Hügeln. Wie das geht? Am besten erst einmal ein Gefühl für die Basics entwickeln.

Stahl ist gute Wahl, Alu aber auch

Spezielle Pumptrack-Bikes gibt es nur von wenigen Herstellern, grundsätzlich funktionieren aber Dirtbikes zum Springen oder 4-Cross-Bikes – entweder in Stahl oder Alu – mindestens genauso gut. Auch „normale“ ungefederte Mountainbikes (Hardtails) mit kleinen Rahmen, für viel Bewegungsfreiheit, taugen für den Pumptrack-Einsatz. Ob Federgabel oder nicht, ist ein Stück weit Geschmackssache. Ohne Federgabel fährt das Bike direkter und nichts von der Energie beim Pushen, die für den Vortrieb bestimmt war, verpufft im Federweg der Gabel. Eine Federgabel verzeiht dafür den einen oder anderen Fahrfehler und ist deshalb gerade dann empfehlenswert, wenn man sich auf dem Pumptrack an die ersten Sprünge herantastet.

Wichtig ist die Bereifung: Sie darf nicht zu grobstollig ausfallen, da das Rad sonst schlecht rollt und außerdem den in mühevoller Handarbeit geschaufelten Pumptrack beschädigt. Für den Biker selbst gilt Helmpflicht. An den Füßen empfehlen sich Sneakers mit flacher Sohle oder besonders griffige Bike-Schuhe für Plattformpedale. Klickpedale und entsprechendes Schuhwerk sind nicht notwendig und gerade für Anfänger sogar hinderlich und gefährlich. Die Hände schützt man am besten mit Langfinger-Handschuhen. Damit zieht es einem auch beim Sturz nicht gleich die „Tapete“ von der Hand.

Pumptrack-Landkarte

Wo findet man Pumptracks in Deutschland? Überall – der ein oder andere hat seinen Garten schon umgegraben... Aber die Redakteure der größten deutschen Mountainbike-Internet-Plattform www.mtb-news.de waren im Frühjahr mit der Dirt/Street-Tour 2012 auf Deutschland-Rundfahrt und haben die wichtigsten Spots abgeklappert. Neben Karten über die Standorte der Pumptracks, beinhaltet der dreiteilige Bericht auch Fotos von den Strecken und drei nette Videos über Deutschlands Pumptrack-Landschaft. Auch die Website www.pumptrack-germany.de bietet eine Übersicht über Pumptrack-Locations hierzulande. Außerdem führt der aktuelle Boom dazu, dass immer mehr Kommunen öffentlich zugängliche Anlagen eröffnen. Die besten Anlagen aber sind oft in privater Hand oder unter der Leitung von Vereinen. Über Befahren oder Nicht-Befahren entscheidet dort oft schon die Profiltiefe der Reifen...

Und natürlich gilt ganz generell: Vor dem Fahren nett fragen! Vor allem wenn man neu an einem Spot ist.

Quelle: KGK

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