
30.10.2012, 17:45 Uhr | Wanderlust Magazin/Lisa-Marie Bille
Steinpilze sind eine bekannte Delikatesse - aber es gibt noch eine ganze Reihe anderer, äußerst schmackhafter Pilze. (Quelle: imago)
Über 5.000 Pilzarten wachsen in Mitteleuropa. Und es lohnt sich, neben den bekannten Speisepilzen auch mal die seltener verwendeten auszuprobieren. Schließlich bieten Wald und Flur weit mehr als Pfifferlinge, Steinpilze und Champignons! Wo schmackhafte Speisepilze wachsen, zeigen wir Ihnen in unserer Foto-Show. Wenn Sie Pilze sammeln, sollten Sie allerdings immer daran denken, dass viele Pilzarten gefährdet sind - woran jedoch nicht unbedingt die Sammler schuld sind. Was Sie beim Sammeln beachten sollten, erfahren Sie in unserer Artikel-Show.
Sie stehen im Wald, bewegen sich nicht und wachsen – deswegen erscheinen Pilze uns wie Pflanzen. Tatsächlich bilden sie aber neben Tieren und Pflanzen einen dritten, eigenen Bereich, der den Tieren jedoch viel näher ist. Denn das entscheidende Merkmal der Pflanzen haben Pilze nicht: Sie können keine Energie aus Sonnenlicht gewinnen. Sie brauchen stattdessen wie Tiere Nährstoffe, die andere Lebewesen hergestellt haben, ernähren sich also organisch.
Im „Körperbau“ dagegen sind sie wie Pflanzen, denn die Zellen sind ähnlich aufgebaut. Allerdings bilden die meisten Pilze ihre Zellwand aus Chitin, einem Stoff, der im Pflanzenreich nicht vorkommt. Bis vor 40 Jahren wurde der Pilz noch zu den Pflanzen gezählt. Heute gilt er als das größte Lebewesen der Welt: In den USA gibt es einen Hallimasch, der 1.200 Fußballfelder groß ist!
Pilze brauchen feuchtwarmes Klima und wachsen daher vornehmlich in Wäldern. Feuchte, bemooste Flächen und Hänge sind ihr Zuhause, während man auf trockenem Boden gar nicht erst suchen muss. Zu beachten ist, dass an guten Stellen dann neben Speisepilzen meist auch ungenießbare Arten dicht an dicht wachsen! So findet man etwa Stein- und Fliegenpilze oft zusammen.
Hauptsammelzeit ist im September und Oktober; besonders in Nadelwäldern wird man bis in den Spätherbst fündig. Je älter die Baumbestände, desto vielfältiger ist in der Regel das Pilzvorkommen. Wälder mit starken Rohhumuslagen von Nadeln und Blättern sind besonders beliebt. In jungen Nadelwäldern dagegen findet man meist weniger Arten, dafür aber in großen Beständen.
Viele Speisepilze sind gut getarnt oder sehr klein, so dass man die Augen gut offen halten muss. Hinter Wurzeln oder Baumstümpfen sind sie leicht zu übersehen, obwohl die Suche dort besonders lohnt. Denn Baumstümpfe speichern viel Wasser und bieten den Pilzen ideale Bedingungen. Außerdem wachsen die Pilze dort meist in dichten Büscheln, so dass man solche sehr ergiebigen Fundorte jedes Jahr wieder besuchen kann.
In allen Wäldern lohnt es sich zudem, auf Stellen mit eingesprengten Birken (darunter wachsen Birkenpilze und Rotkappen) und Lärchen (Röhrlinge) zu achten. Aber auch auf Feldern und Wiesen kann man fündig werden. Allerdings wurden viele Arten durch intensive Landwirtschaft und Überdüngung der Böden verdrängt, so dass die Suche oft vergeblich ist. Die größten Chancen, Wiesenpilze zu finden, bieten ungedüngte, naturbelassene Flächen und städtische Grünflächen wie Parks, die nicht gedüngt werden. Das ermöglicht sogar die Pilzsuche mitten in der Stadt!
Jeder Pilzanfänger sollte sich das Aussehen und die wichtigsten Merkmale der todgiftigen Pilze einprägen, um diese sicher zu vermeiden! Die giftigsten Pilze in Deutschland sehen Sie in unserer Foto-Show. Auf kalkhaltigen Böden kann man im Buchenwald auch den giftigen Satanspilz antreffen. Der Tigerritterling, der Riesenrötling und der Ziegelrote Risspilz sind weitere Giftpilze, die kalkhaltige Laubwälder bevorzugen. Der giftigste einheimische Pilz, der Grüne Knollenblätterpilz, kommt sowohl unter Buchen als auch unter Eichen oder Birken vor. Finger weg gilt auch bei verschiedenen Trichterling-Arten, vor allem wenn sie klein und hell beziehungsweise weiß sind.
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