
23.04.2012, 16:47 Uhr | Christiane Götzen
Nordic Blading kann durch den Bewegungsablauf als optimale Sommerergänzung zum Skilanglauftraining betrieben werden. (Quelle: FLICKR / Heilbronner Land)
Die 90er Jahre haben so manchen Trend hervor gebracht. Baggypants, Diddl Maus, Neon, Plateauturnschuhe, Schnullerketten und Trillerpfeifen beim Rave, aber auch die Grunge- und Skaterkultur... Viele dieser Erscheinungen haben – Gott sei dank – das Millennium nicht überlebt. Erhalten geblieben ist bis heute aber unter anderem einer der größten Sporttrends von damals: das Inline-Skating. Was man auf Inline-Skates alles machen kann, sehen Sie in unserer Foto-Show.
Auch wenn sich die Zahl der Inline Skater über die letzten Jahre hinweg verringert hat, rollen immer noch allein in Deutschland über elf Millionen Sportler über die Straßen des Landes. Hätte der Belgier John-Josef Merlin das gewusst, wäre er sicherlich nicht so schnell von seiner ursprünglichen Idee abgekommen. 1760 montierte der junge Mann zwei Metallrädchen an die Kufen seiner Schlittschuhe, wurde aber von der Vorherrschaft des Kopfsteinpflasters gestoppt. Stattdessen verhalf dann der Amerikaner James Leonard Plimpton 1863 dem Rollschuh zu seinem Durchbruch: Zwei Mal zwei Rollen nebeneinander unter einen Schuh geschraubt, dadurch Stabilität und Steuerbarkeit optimiert und fertig war der Rollschuh. 1979 suchte der Eishockey-Spieler und Gründer der Firma Rollerblade Scott Olson nach einer Trainingsalternative für die Sommermonate. Dafür ordnete er die Rollen statt nebeneinander in einer Linie, also "In Line", an und verhalf damit dem Inline Skate zu seinem Durchbruch.
Der Inline Skate, wie wir ihn heute kennen, besteht aus einem festen Oberschuh, einer unterhalb fixierten Schiene sowie den Rollen. Die meisten Modelle sind mit vier Rollen ausgestattet, spezielle Speed Skater weisen manchmal eine fünfte auf. Den großen Unterschied zu herkömmlichen Rollschuhen stellt neben der technischen Verfeinerung durch die Hinter- statt Nebeneinanderreihung der Rollen, die Fixierung des Sprunggelenks durch den hohen Schaft dar. Aufgrund dessen gehört eine optimale Passform der Skates zu einem der wichtigsten Kriterien beim Kauf. Über die verlängerte Beinachse erfolgt eine deutlich spürbare Optimierung der Kraftübertragung auf den Schuh.
Das Inline-Skating präsentiert sich als eine sehr variantenreiche Sportart mit unterschiedlichsten Disziplinen, wobei man häufig auch die Verwandtschaft zu anderen Sportbereichen erkennt. Den jeweiligen Anforderungen angepasst, gibt es dann die entsprechenden Schuhtypen. Das Fitness Skaten wird vom Großteil der aktiven Skater betrieben und lädt oft zu Breitensportveranstaltungen, Skatenights und Events wie dem Berlin Marathon Inlineskating ein. Zu den anderen Varianten zählt die Königsdisziplin – das Speed Skaten. Bei den Rennen gibt es kürzere Einzelsprints wie auch längere Distanzstrecken. Hier geht es um Kraft und Können, sportliche Technik und Taktik. Beim Schlittschuhschritt geht es tief runter! In gebeugter Haltung geht es darum, mit dem jeweiligen Bein möglichst lang im Gleiten zu bleiben, um hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Außerdem heißt es: gut taktieren, den Gegner beobachten, Windschatten nutzen und im richtigen Moment angreifen. Zugunsten einer maximalen Kraftübertragung weisen Speed Skating-Schuhe eine höhere Steifigkeit als Fitness Skates auf. Zudem reichen sie nur bis zum Knöchel, wodurch ein niedrigeres Gewicht erreicht und die Beweglichkeit gefördert wird. Laufruhe bringen die verlängerten Schienen. Haben früher fünf Rollen den typischen Speed Skating-Schuh unterstützt, sind heute meist nur noch 4-Roller zu finden, deren Rollendurchmesser bis zu 110 Millimeter sein dürfen.
Immer beliebter wird das Nordic Skating. Es bezeichnet das Inline Skaten unter Zuhilfenahme speziell modifizierter Stöcke. Verwendet werden Fitness Skates mir vier Rollen oder so genannte Cross Skates, die auch ein Rollen im (nicht zu extremen) Gelände zulassen. Cross Skates haben lediglich zwei Luftreifen, die jedoch deutlich größer als die herkömmlichen Rollen ausfallen und besonders gut haften. Die Skating-Technik und der Bewegungsablauf sind mit dem der Skilangläufer vergleichbar. Insbesondere das Nordic Cross-Skating dient vielen Langläufern als Trainingsersatz während der Sommermonate. Die Kombispitze der Nordic Skating-Stöcke aus Metall und Gummi schont nicht nur die Gelenke von Handgelenk und Armen, sondern unterstützt auch den Doppelstockschub.
Die Vielseitigkeit des Rollensports zeigt sich, wenn man zum Sprung gen Halfpipe oder Street Skating ansetzt... Die Tricks und Sprünge erinnern natürlich an das Skateboarden. Das Street oder Freestyle Skating wird meist mitten in der Stadt ausgeübt. Für die Tricks wird alles genutzt, was das alltägliche, urbane Umfeld hergibt: Treppen, Bänke, Geländer. Das Hinuntergleiten auf Geländern oder sonstigen Rails nennt man übrigens Grinden. Vert oder Vertical Skating wird in der Halfpipe ausgeübt. Auf der Rampe geht der Skater in die Luft – wo er seine Tricks vollzieht. Weil es hier um hohe Wendigkeit geht, ist das High-Low-System der Rollen angesagt: Das heißt, sie haben unterschiedliche Durchmesser. Die Innen- und Außenseite der Skates wird mit so genannten Soul Plates flächendeckend verstärkt, wodurch sie robuster sind und das „Grinden“ erleichtert wird. Häufig ziert die Schiene in der Mitte ein ausgeschnittenes V, der "V-Cuff-Cut", ein Feature, dass ein noch weicheres „Grinden“ verspricht.
Technisch genauso anspruchsvoll, aber deutlich graziler geht es beim Inline-Kunstlauf zu. Die Disziplin ist natürlich eine ‚trockene’ Form des Eiskunstlaufs. Hier zählen vor allem technisch aufwendige Kürläufe und Figuren, im Einzellauf oder paarweise. Die speziellen Skates haben lediglich drei Rollen, die ähnlich den Schlittschuhkufen eine leichte Wiegeform aufweisen. Anders als beim Fitness-Skate ist der Stopper an der Vorderseite der Schuhe montiert.
Auch ein Eisvorbild, aber ein deutlich ruppigeres, hat der Inline-Skater-Hockeysport. In der Hand hält man den Eishockeyschläger und geschützt wird man rundum: Hockey-Helm mit Visier, Brust-, Schulter- und Ellbogenschutz, Handschuhe, eine Protektorhose sowie Schienbeinschutz. Wie auf dem Eis geht es auch hier um eine gute Portion legalen Körperkontakts. Gespielt wird auf einem speziellen Plastikbelag und Ziel ist es, statt dem Puck einen orangefarbenen Kunststoffball in das gegnerische Tor zu schießen. Für das Inline-Skaterhockey gibt es gesonderte Schuhe, die sich in ihrer verstärkten Robustheit vom herkömmlichen Fitness-Skate klar abgrenzen: Ein kurzer Radstand sowie übergroße Rollen sorgen für optimale Wendigkeit und hohe Geschwindigkeit. Zusätzlich stellen die Kugellager einen zentralen Faktor dar: Die Präzision entscheidet über das maximale Tempo, das mit dem Schuh erreicht werden kann.
Und nicht zu vergessen – Schutzausrüstung ist nicht nur beim Inline-Skaterhockey angesagt. Jeder der sich auf Inline-Skates stellt, sollte Helm, Ellbogen- und Knieschoner sowie Handprotektoren tragen – und dann losrollen, ob mit Stöcken oder ohne, ob bei Tricksereien oder einfach beim entspannten Dahingleiten.
Mehr Informationen zum Inlineskaten und Skateveranstaltungen finden Sie hier:
http://www.deutschland-skatet.de/inlineskate_schule.htm
http://www.skate-treff.de/Inlinetreff/nordicSkating.php
http://www.skate-service.de/cross-skating.htm
http://www.inlinestrecken.de/skatenights.shtml
Quelle: KGK
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