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Nationalpark Österreich: Wintersport in den Hohen Tauern

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Wintersport im Nationalpark Hohe Tauern

07.01.2013, 15:03 Uhr | Oliver Gerhard

Eiskletterern an einem Wasserfall im Nationalpark Hohe Tauern. (Quelle: SRT \Oliver Gerhard )

Der Profi macht's vor, die Schüler nach: Eiskletter-Schnupperkurs im Nationalpark Hohe Tauern. (Quelle: Oliver Gerhard /SRT )

Eisklettern und Schneeschuhwandern in den Hohen Tauern

Der Nationalpark Hohe Tauern ist das größte Schutzgebiet der Alpen und erstreckt sich über Kärnten, Tirol und das Salzburger Land. Mehr als 300 Gletscher und beinahe genau so viele Dreitausender bilden eine atemberaubende Kulisse für eine Vielzahl an Wintersportaktivitäten. Auch ohne Bretter unter den Füßen: Bei einem Schnupperkurs im Eisklettern im Maltatal können sich Abenteuerlustige am gefrorenen Wasserfall versuchen und beim Wandern im Großen Fleißtal folgen Bergentdecker nicht nur den Spuren der Schneeschuhe des Nationalpark-Rangers, sondern begegnen auch den Big Five der Region - keine Angst, ein Löwe ist nicht dabei! Schauen Sie sich die Schönheit des Nationalparks Hohe Tauern in unserer Foto-Show an.

Nationalpark Hohe Tauern

Karabiner rasseln, Haken klirren, Eissplitter rieseln. Klaus Rüscher schlägt einen Pickel über sich in die Wand, dann rammt er das Steigeisen ins gefrorene Nass. Rechts, links, rechts, links klettert er die senkrechte Wand wie auf einer Leiter hinauf. Und das an einer 50 Meter hohen Säule aus Eis. Drei Kletterschüler beobachten ihn vom Boden aus - gleich sollen sie es ihm nachmachen.

Es ist klirrend kalt im Maltatal, einem abgeschiedenen Winkel des Nationalparks Hohe Tauern. Das größte Schutzgebiet der Alpen erstreckt sich über 1800 Quadratkilometer und drei Bundesländer: Kärnten, Tirol und das Salzburger Land. Es ist eine ursprüngliche Bergwelt mit mehr als 300 Gletschern und beinahe ebenso vielen Dreitausendern, darunter der Großglockner, mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs.

Im Maltatal in Kärnten Eisklettern

Das Plätschern des Maltabachs klingt zwischen den Schneeplatten hervor. Die Berge tragen Zebralook: schwarzer Fels, weißes Eis. "Das liegt an der Geologie", sagt Rüscher. "Der Gneis lässt das Wasser nicht versickern, es läuft aus dem Berg und friert fest." Einmal in der Woche führt Rüscher Gäste zum "Schnupper-Eisklettern". Neue Fans sollen für die Sportart gewonnen werden, die dem skifreien Tal in Kärnten eine kleine Wintersaison brachte.

Die Ausrüstung zum Eisklettern ist schnell erklärt: Helm, Klettergurt, Steigeisen und Eisgeräte. So heißen die beiden Pickel, mit denen sich die Kletterer an die Wände krallen - keine schweren Holzteile im Luis-Trenker-Stil, sondern ergonomisch perfektionierte Werkzeuge. "Das Tolle am Eisklettern ist: man hinterlässt keine Spuren", sagt Rüscher. "Spätestens Ende März ist alles wieder weg."

In den Hohen Tauern wird auf nachhaltigen Wintersport gesetzt

Keine Spuren hinterlassen, nachhaltig wirtschaften, umweltbewusst planen - diese Prinzipien wurden in der gesamten Region zum Leitmotiv. "Null Kilometer" lautet das Motto in Mallnitz, dem Zentrum des Kärntner Parkteils. Gäste müssen ihr Auto im Ort kein Stück bewegen: Ein eigener Bahnhof, ein günstiger Shuttle zum Hotel sowie Skibusse zu Seilbahnen und Sehenswürdigkeiten sorgen für Mobilität.

Auch das Tourenprogramm des Nationalparks ist nachhaltig. Zum Beispiel bei einer Schneeschuhwanderung ins Fleißtal, das "Tal der Steinböcke", an der Seite von Ranger Konrad Mariacher. Mit seinem smarten Grinsen und seiner offenen Art könnte der drahtige Kärntner locker als Skilehrer durchgehen. Tatsächlich lebte Mariacher lange Zeit vom Wintersport und bildete Sportstudenten aus, bis eine Verletzung sein Leben in eine andere Bahn lenkte.

Schneeschuhwandern im Fleißtal: die Big Five entdecken

Nach der Fahrt mit der Seilbahn steht Mariachers Gruppe auf der Skipiste. Doch schon nach wenigen Minuten verschluckt der Wald die Geräusche des Skibetriebs, nur noch das Knirschen der Schneeschuhe auf dem harschigen Untergrund ist zu hören. Immer knorriger, immer dicker werden die Lärchen mit ihrer moosigen, wettergegerbten Rinde. Tierspuren ziehen sich in alle Richtungen: die kleinen Fußabdrücke der Schneehasen und der schleifende Schritt der Füchse.

Dann öffnet sich der Blick zu einem Amphitheater aus Schnee und Eis. Mariacher klappt sein Stativ aus. Im Fleißtal leben die Big Five, die Großen Fünf, der Region: Gämsen sieht man garantiert auf dieser Alpen-Safari, Steinböcke mit großer Wahrscheinlichkeit, und mit etwas Glück auch Gänsegeier, Steinadler und Bartgeier. "Da, eine Steinbockgeiß mit ihrem Kitz", ruft der Ranger plötzlich. Alle drängeln sich um das Fernrohr, heben die Kinder an den Sucher.

Einst waren die Steinböcke ausgerottet in den Hohen Tauern, nicht nur wegen ihres Fleischs und ihrer gewaltigen Hörner wurden sie gejagt, sondern auch für eine angebliche Wundermedizin aus ihren Organen. Im 17. Jahrhundert entbrannten unter Wilderern regelrechte Kriege um die Tiere. In den 1960er-Jahren brachte man erste Exemplare zurück in die Region. Heute leben wieder mehr als 550 Steinböcke rund um den Großglockner.

Regionales im "größten Klassenzimmer Österreichs"

Vor allem die Kinder können sich nicht satt sehen an der Tierwelt. Und mit Kindern hat Mariacher Erfahrung: Der Ranger ist auch Lehrer an der mobilen "Wasser- und Klimaschule". Regelmäßig unterrichtet er Schulklassen in Ökologie, Nachhaltigkeit und über den Rohstoff Wasser. Das Konzept hat den Hohen Tauern den Spitznamen "größtes Klassenzimmer Österreichs" eingebracht. Besonders beliebt ist das "Klimamenü", bei dem die Schüler ihr Lieblingsessen zusammenstellen dürfen. Danach wird der CO2-Ausstoß ermittelt. "Eine Gruppe hat neulich 33.000 Kilometer für den Transport der Zutaten benötigt", sagt Mariacher. "Die Lehrerin war baff. Ich auch."

Am Abend nach der Tour testen die Wanderer das Klimamenü selbst: Im holzverkleideten Restaurant "Almstube" in Mallnitz sitzen sie am prasselnden Kaminfeuer und genießen Kärtner Almochsen an Erdäpfel-Kernöl-Schaum, Forellenfilet und Medaillons vom Tauernhirsch - das so genannte "Null-Kilometer-Menü". Alle Zutaten kommen aus der Region, rechnet Wirtin Maria Alber vor: "Forelle 20 Kilometer, Hirsch null Kilometer, Nudeln null Kilometer." So wird Regionalität auf die Spitze getrieben, auch wenn sich das Prinzip nicht immer durchhalten lässt. "Wir verbrauchen mindestens 7000 Eier im Monat. Soviel kann kein Bauer im Umkreis liefern", sagt Alber.

Trotz kleiner Einschränkungen hat sich das Null-Kilometer-Konzept bewährt. Bis hinauf auf die Berghütten bieten Wirte inzwischen Null-Kilometer-Gerichte an. Und auch die Gäste dürfen den schonenden Umgang mit der Natur unterstützen, indem sie "einen Quadratmeter Tauern" mit nach Hause nehmen - in Form einer Patenschaft, deren Erlös in nachhaltige Projekte im Nationalpark fließt.

Weitere Informationen

Anreise: Condor, Germanwings, Lufthansa, Ryanair und Austrian steuern den Flughafen Klagenfurt an. Mit der Bahn per IC/EC zu den Bahnhöfen Mallnitz-Obervellach oder Spittal-Millstätter See. Weiter mit dem Shuttle ins Hotel.

Unterkunft: Große, bequeme Zimmer, mehrere Restaurants mit regionaler Küche und Doppelzimmer inkl. Halbpension ab 67 Euro pro Person bietet das Ferienhotel Alber, Arnoldstraße 25-26, 9822 Mallnitz, Tel. 0043/4784/525, Internet: www.ferienhotel-alber.at. Im Hotel Glocknerhof gibt es ebenfalls sehr komfortable Zimmer sowie regionale und Bioküche. Das Doppelzimmer inkl. Halbpension kostet ab 94 Euro pro Person. Buchung: Glocknerhof, Hof 6, 9844 Heiligenblut am Großglockner, Tel. 0043/4824/2244, Internet: www.glocknerhof.info.

Weitere Auskünfte: Nationalparkregion Hohe Tauern-Kärnten, Hof 4, 9844 Heiligenblut am Großglockner, Tel. 0043/4824/2700, Internet: www.tauernalpin.at, www.nationalpark-hohetauern.at; Urlaubsinformation Mallnitz, Mallnitz 11, 9822 Mallnitz, Tel. 0043/4784/290, Internet: www.mallnitz.at.

Quelle: srt

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