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Leben in den Alpen: Hüttenwirt - Traumberuf oder harte Arbeit?

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Alltag eines Hüttenwirts: Aufhören? "Na, nia!"

26.08.2013, 18:33 Uhr | SP

Karwendelhaus in den Alpen. (Quelle: karwendelhaus.com)

Imposant liegt das Karwendelhaus auf 1765 Metern zwischen Bayern und Tirol. Wie das Leben als Hüttenwirt hier wohl ist? (Quelle: karwendelhaus.com)

Hüttenwirt - Traumberuf oder harte Arbeit?

Das Karwendelhaus: Wie schön muss es sein, hier oben im Alpenpark Karwendel zu leben! Auf der Terrasse sitzen, ein kühles Getränk und die üppige Brotzeit vor sich. Natur. Sonnenuntergang. Pure Bergromantik. Ja, der Wirt, der darf das täglich erleben... Oder nicht? Was bleibt von der Idylle? Wir haben Andy Ruech im Karwendel besucht: Der Hüttenwirt erzählt trax.de vom rauen Alltag und den ganz besonderen Momenten in den Alpen. Seit vier Jahren versorgt er von Juni bis Oktober Gäste, 180 Schlaf- plätze bietet das Haus für Wanderer, Biker und Kletterer. Einen Einblick in das Leben als Hüttenwirt gibt unsere Foto-Show.

SP: Wie kamst du auf die Hütte?

Andy Ruech: Eigentlich bin ich hier fast aufgewachsen... Unsere Familie ist seit 23 Jahren am Karwendelhaus. Bis vor vier Jahren haben es meine Eltern geführt, aber wir Kinder haben schon immer fest mitgeholfen. Für meinen Vater war es immer sehr wichtig, dass wir auch vom Einkauf, über kleine E-Werk-Reparaturen bis hin zur Personalführung alles richtig mitbekommen. Daher war es nach der Übergabe an mich nicht wie ein Schock, sondern eher eine Herausforderung, neue Ideen zu verwirklichen und mit meiner Frau dieses Haus gut zu bewirtschaften.

Hattest du nie Zweifel, dass das das Richtige für dich ist?

Ich war schon auch in der Welt unterwegs, hatte diverse Jobs in der Gastronomie und war lange in den USA. Irgendwann habe ich dann bei einem Glas Wein beschlossen, dass Familie und Heimat für mich das Wichtigste sind – und ich in die Fußstapfen meines Vater treten möchte. Viel später ist mir eigentlich erst aufgefallen, wie viel Erfahrung ich durch meine Arbeit im Ausland auch gewonnen habe.

Wie sieht dein Alltag aus?

Eigentlich ist jeder Tag voller neuer Herausforderungen. Meine Frau und ich stehen um sechs Uhr auf und bereiten dann das Frühstück für unsere Gäste vor. Da wir auch mit dem Fahrrad gut erreichbar sind, ist es schon so, dass wir an schönen Sommertagen um elf Uhr wieder für das Mittagsgeschäft bereit sein müssen. So geht es dann weiter, bis um 22.30 Uhr. Dann herrscht Hüttenruhe. Nach einem Glaserl Wein oder Bier mit unseren Mitarbeitern geht es dann meist um 23 Uhr ins Bett.

Ihr seid unter anderem berühmt für euren Kaiserschmarrn. Wie viele Portionen gehen da an einem umtriebigen Tag raus? Was ist das Lieblingsessen der Gäste?

Ja, der Kaiserschmarrn ist neben unserem Schweinebraten, den Spinatknödeln und den hausgemachten Kuchen einer unserer Verkaufshits auf der Hütte. Was man bei uns auch schätzt: Wir versuchen unsere Gerichte mit Produkten aus der Region herzustellen. Das beginnt bei der selbstgemachten Marmelade zum Frühstück bis hin zu selbst geräuchertem Speck für unsere Speckknödel.

Aber das Lieblingsessen unserer Gäste ist – auch wenn es unspektakulär klingt – Spaghetti Bolognese. Wahrscheinlich weil es schnell geht und kohlenhydratreich ist. Also genau die richtige Grundlage beziehungsweise Auffüllung nach dem Bergsteigen und Mountainbiken.

Was sagst oder denkst du, wenn Gäste ankommen und eher eine idyllisch-naive Vorstellung vom Hüttendasein haben?

Es gibt schon viele Gäste, denen nicht bewusst ist, welcher Aufwand dahinter steckt. Da wird gerne erwartet, dass elektrischer Strom und Wasser immer in unbegrenztem Maße zur Verfügung stehen. Gerade im Herbst, wenn die Ressourcen dann zur Neige gehen und Duschen zum Beispiel nicht mehr möglich ist, denken manche, dass dies nur eine Schikane des Hüttenwirtes ist...

Was waren die härtesten Momente oder Tage für dich hier oben?

Ganz klar die Bergunfälle. Inzwischen bin ich zwar seltener als Ersthelfer vor Ort – das liegt auch an der Verständigung per Handy (das aber übrigens nicht überall funktioniert und eine falsche Sicherheit geben kann!) –, trotzdem gibt es die Einsätze immer noch. Ich erinnere mich da an einen tragischen Fall direkt unterhalb vom Karwendelhaus, wo ein Mann leider auch nach langer Reanimation an einem Herzinfarkt verstorben ist. Solche Ereignisse beschäftigen einen doch eine gewisse Zeit und müssen verarbeitet werden.

Und die schönsten Momente?

Oh, das ist gar nicht so leicht...Wir haben sehr viele schöne Momente hier oben auf der Hütte. Es mag vielleicht komisch klingen: Aber wenn unsere Gäste erzählen, wie gut es ihnen bei uns gefallen hat, und auch oft nach Jahren wieder zu uns kommen, bedeutet mir das sehr viel. Und auch, wenn unsere zwei Jungs, Florian (3) und Maximilian (8), versuchen, uns nach ihren Möglichkeiten zu helfen. Da geht dir das Herz auf... Und wenn wir mit unseren Mitarbeitern am Ende der Saison zurückblicken und gesund nach Hause ins Tal fahren.

Welche Rolle spielt denn bergsportliches Wissen?

Du musst dich als Hüttenwirt unbedingt mit dem Bergsport auskennen. Viele Bergsteiger erwarten genaue Informationen zu Wetter, Touren und den Bedingungen. Und psychologisches Feingefühl darf man auch nicht vergessen: Man braucht des Öfteren ein wenig Taktik und Gespür, um die Tour bei schlechtem Wetter aus den Köpfen der Gipfelhungrigen zu bekommen. Es passiert auch immer wieder, dass man in Gesprächen bemerkt, dass die Tourenplanung falsch ist oder sich jemand überschätzt.

Kennen die Leute die Hüttenregeln oder gibt es manchmal Probleme?

Der Großteil unserer Gäste weiß sich zu benehmen und auch die Hüttenruhe ist meist kein Problem. Man versteht, dass eine gewisse Rücksicht nötig ist, besonders wenn jemand eine längere Tour geplant hat.

Hast du schon einmal dran gedacht, das Ganze abzugeben?

Da kann ich nur sagen: "Na nia!". Meine Frau und ich sind mit Leib und Seele Hüttenwirte. Auch wenn es oft nicht leicht ist und das Familienleben im Sommer auf der Strecke bleibt. Es ist einfach ein schöner, vielseitiger Beruf.

Weitere Informationen:www.karwendelhaus.at

Quelle: KGK

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