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Lawinenkunde - Gefahren lesen

09.01.2013, 18:42 Uhr | SP

Suche nach Verschütteten in einer Lawine. (Quelle: Pieps)

Wenn Wintersportler von einer Lawine verschüttet wurden, geht es um jede Sekunde. Bereits nach 18 Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit rapide. (Quelle: Pieps)

Lawinen - wenn das Schneevergnügen zur Gefahr wird

Immer mehr Skifahrer zieht es ins Abseits. Und das ist absolut nachvollziehbar. Für Wintersportler gibt es kaum ein schöneres Gefühl als auf einem frischen Pulverhang den Auftrieb zu spüren und seine Spur hinab zu surfen. Im Gegensatz zu dem harten Kanteneinsatz auf vollen Pisten schluckt der fluffige Tiefschnee die Geräusche. Geradezu sanft zieht man seine Schwünge. Doch so sanft der Schnee erscheinen mag, so brutal und mächtig kann er auf der anderen Seite sein. Wer sich ins Gelände wagt, muss sich mit alpinen Gefahren auseinandersetzen - von denen durch den Klimawandel sogar völlig neue in den Alpen drohen.

Bei allem unberechenbarem Risiko, das die Naturgewalten für den Menschen parat halten, es gibt auch lesbare Warnungen, die man lernen, erkennen und bewusst wahrnehmen kann. Einen kleinen, theoretischen Überblick haben wir hier zusammengestellt. Doch Vorsicht: Das ersetzt keinesfalls einen Lawinenkurs bei Spezialisten! Sehen Sie mehr in unserer Foto-Show: Lawinen - wenn das Schneevergnügen zur Gefahr wird.

Lawinenkunde - garantiert keine Garantie

Stetig wächst die Zahl der Skitourengeher, Schneeschuhwanderer und Freerider – und ebenso stetig wächst natürlich der Aufklärungsbedarf in Sachen Sicherheit im Gelände abseits gesicherter Pisten. Dabei gibt es eigentlich auch eine gute Nachricht: Trotz der gestiegenen Zahl der Aktiven in den Alpen bleiben die Unfallzahlen im Zusammenhang mit Lawinen in etwa gleich, wie Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein (DAV) erklärt. Pro Jahr kommen in den Alpen um die 100 Menschen bei Lawinenunglücken ums Leben. Aber: nach seiner Einschätzung wäre ein Großteil der Unfälle vermeidbar!

Doch wie kann man die Situation vor Ort einschätzen lernen? Welche Grundregeln gilt es zu beachten und welche Warnzeichen kann man ‚lesen’ lernen? Generell muss man die Lawinenkunde als einen langen Lernprozess verstehen, der neben der Theorie vor allem auch viel Praxiserfahrung verlangt. Das theoretische Wissen muss mit einem ‚Gespür für den Schnee’ verbunden werden beziehungsweise kann erst vor Ort erfahren und in Feldversuchen erlernt werden. Die oberste Regel ist und bleibt jedoch: Man muss sich bewusst sein, dass es niemals eine Garantie gibt – und dass man niemals auslernt...

Irrtümer und Dummheiten

Zunächst muss man mit einigen Irrtümern aufräumen, die so manch einem faulen oder – so muss man leider sagen – dummen Geländegänger bequem in die Hand zu spielen scheinen:

- „Bei einem 1er oder 2er (auf der Lawinengefahrenskala) kann nichts passieren“. Falsch! Denn auch bei scheinbar geringer bis mäßiger Gefahr besteht IMMER auch die Möglichkeit eines Lawinenabgangs. Hier gilt es ebenfalls Risiko zu minimieren, stetig abzuwägen und bewusst und aufmerksam zu fahren!
- „Da sind schon Spuren im Hang, also alles safe.“ Keinesfalls! Man mag sich leicht in Sicherheit wiegen, wenn man schon ‚Vorfahrer’ vor sich weiß, doch kann man hier durchaus zum Auslöser werden. Niemals vergessen, wie schnell sich die Bedingungen im Laufe des Tages ändern können, wie instabil ein Hang beispielsweise durch die Erwärmung tagsüber werden kann. Und auch wenn die anderen Glück hatten – man kann durchaus der Erste sein, der Pech hat.
- „Meine Sicherheitsausrüstung reicht für einen sicheren Ausflug ins Abseits.“ Sicherheitsausrüstung ist keine Überlebensgarantie! Sie hilft erst, wenn der Ernstfall schon eingetreten ist. Den sollte man aber immer vermeiden. Und: Man muss die Ausrüstung auch beherrschen. Das Bei-sich-führen alleine reicht nicht aus – der Umgang mit LVS-Gerät und Co. muss geübt werden. Und das am Besten jedes Jahr vor dem Saisonstart!
- „Pistennähe garantiert mir Sicherheit.“ Das ist ebenfalls eine falsche und durchaus gefährliche Einstellung. Auch wenn die Skigebiete durch Sprengung und weitere Lawinensicherheitsmaßnahmen versuchen, der Gefahr maximal vorzubeugen, ist das Tiefschneegelände in Pistengebieten potenzielles Gefahrengelände.

Warnhinweise: Wumm und Wetter

Statt sich in falscher Sicherheit zu wiegen, sollte man sich bewusst mit Alarmzeichen auseinandersetzen – denn die gibt es durchaus. Einige ganz zentrale Warnmerkmale sind:

- Beim Befahren / Betreten der Schneedecke treten Risse auf.
- Beim Befahren / Betreten der Schneedecke hört man das so genannte „Wumm“ – ein dumpfes Geräusch.
- Man kann in anderen Hängen Lawinenabgänge sehen.
- Die Schneedecke ist stark durchnässt.

Bei diesen Anzeichen heißt es keinesfalls in das Gelände gehen beziehungsweise das Gelände umgehend wieder verlassen.

Generell sollte man folgende Punkte beachten:

- Auch bei einem 2er nicht in sehr steile Hänge (steiler als 39°) fahren.
- Einzeln fahren beziehungsweise beim Aufstieg Abstand halten und somit die Belastung der Schneedecke minimieren.
- Ungünstiges Gelände meiden wie zum Beispiel frische Triebschneeansammungen, Rinnen oder Sonnenhänge.
- Sicherheitsausrüstung immer und eingeschaltet nahe am Körper tragen. Ein LVS-Check VOR dem Start ist obligatorisch.
- Das Gelände bewusst betrachten: Steilheit, Exposition, Höhe, mögliche Flucht- beziehungsweise Alternativrouten.

Eine kleine Schneekunde

Schnee ist nicht gleich Schnee. Um die Situation solide einschätzen zu können, muss man tatsächlich ein gewisses Gespür für den Schnee entwickeln. Folgende Beschreibungen bieten nur eine grobe theoretische Orientierung:

Triebschnee sind Schneeverwehungen, die durch starken Wind verursacht werden. Triebschneepakete lagern sich zumeist im ‚Windschatten’ an und sind meist nur lose mit der darunterliegenden alten Schneeschicht verbunden. Aber der verwehte Schnee ist in sich wiederum fester miteinander verbunden als beispielsweise eine frische Puverschneedecke. Das heißt die Schneekristalle in Triebschneeansammlungen sind durch den Wind deformiert und ineinander verhakt. Dadurch bilden sie eine festere Einheit, die zu Schneebrettern führt. Triebschnee stellt somit ein hohes Gefahrenpotenzial dar. Zu erkennen ist er anhand seiner ‚verwindeten’ Schneeoberfläche. Oft erkennt man anhand der dünenartigen oder wellenförmigen Oberfläche die Windrichtung. Aber Triebschnee kann bei Temperaturänderungen oder Neuschnee/Regen auch durch eine glatte Oberfläche ‚getarnt’ werden.

Nassschnee kommt meist durch Temperaturanstieg und/oder Regen zustande. Die Schneedecke verliert an Festigkeit und wird durch das Gewicht zusätzlich belastet. Wird das Gewicht zu groß kann das zu Nassschneelawinen führen. Besondere Vorsicht gilt bei anhaltendem Niederschlag (nasser Schnee und Regen).

Altschnee kann unterschiedlichst ausfallen beziehungsweise zusammengesetzt sein. Hier gilt es die unterschiedlichen Schichten auszumachen und die Schneedecke zu testen – gerade auch wenn Neuschnee gefallen ist. So kann man – bei guten Kenntnissen und Erfahrung – Schwachschichten erkennen.

Wie Thomas Bucher vom DAV anmerkt, gibt es übrigens Hinweise darauf, dass wir aufgrund des Klimawandels mit neuen Arten von Lawinen konfrontiert werden. Sogenannte "Slush-Lawinen" (Schneematschlawinen), bei denen der teils zu Wasser gewordene Schnee das Fließverhalten der Lawine drastisch beeinflusst, waren bislang nur aus Nordamerika und küstennahen Regionen bekannt. Künftig wird mit solchen sehr schnellen und zerstörerischen Lawinen wohl auch in den Alpen zu rechnen sein. Obwohl die Schneemengen in Europas Zentralgebirge abnehmen, dürften die Lawinensituationen zusehends komplexer werden und die Gefahr damit immer schwerer vorherzusagen, so Bucher.

Die Lawinenlage

Der Lawinenlagebericht sollte niemals als absoluter Gradmesser beurteilt werden. Wer sich mit der Einstellung „Bei einem 3er fahre ich, bei einem 4er nicht mehr“ ins Gelände begibt, handelt schlichtweg fahrlässig! Der Lawinenlagebericht dient als wichtige Orientierung und Informationsgrundlage, aber nicht als Ampelschaltung – schon gar nicht, wenn man sein ‚Orange’ erst bei Stufe 3 ansetzt. Hier eine Kurzzusammenfassung der europäischen Lawinengefahrenskala:

Stufe 1, gering: allgemein gelten sichere Verhältnisse und die Auslösung einer Lawine ist nur bei großer Zusatzbelastung an steilen Hängen möglich.

Stufe 2, mäßig: unter Vermeidung von Gefahrenstellen und unter Berücksichtigung der angegebenen Höhe und Exposition kann man von günstigen Verhältnissen ausgehen. Lawinenauslösung unter großer Zusatzbelastung besonders an Steilhängen möglich.

Stufe 3, erheblich: bereits bei geringer Zusatzbelastung ist eine Lawinenauslösung möglich – speziell an den Steilhängen in angegebener Höhe und Exposition.

Stufe 4, groß: bereits bei geringer Zusatzbelastung ist eine Lawinenauslösung an Steilhängen wahrscheinlich. Spontane Lawinen sind ebenfalls zu erwarten.

Stufe 5, sehr groß: zahlreiche, spontane Lawinenabgänge sind zu erwarten. Ein Befahren / Begehen sollte absolut vermieden werden.

Übung, Übung, Übung

In den letzten Jahrzehnten hat, maßgeblich vorangetrieben durch den Schweizer "Lawinenpapst" Werner Munter, eine regelrechte Revolution in der Lawinenkunde stattgefunden, die wahrscheinlich viele Menschenleben gerettet hat. Im Gegensatz zu den früheren hochwissenschaftlichen Versuchen, die Lawinengefahr einzuschätzen, wird heute auf ein System gesetzt, das anhand der ausgegebenen Warnstufe, der Steilheit des Hanges und wie stark dieser den Wetterbedingungen ausgesetzt ist (Exposition) jedem Geländeskifahrer eine einfache Entscheidungsstrategie an die Hand geben soll.

Lawinenkundliches Beurteilungsvermögen bleibt jedoch ein schwieriges Feld und ohne Praxis und die „draußen“ gemachten Erfahrungen ist alles theoretische Wissen nichts Wert. Anhand der im Lawinenlagebericht genannten Kriterien kann man das Risiko minimieren, wenn man sich richtig verhält. Dafür muss man im Gelände aber erst einmal erkennen können, wie steil ein Hang ist, welche Exposition dieser oder jener Hang hat und wie sich Geländeformen auswirken. Man muss erkennen können, ob und wo mögliche Gefahrenstellen lauern und muss dafür wiederum wissen, wie die Schneedecke grundsätzlich aufgebaut und beschaffen ist.

Die dafür notwendigen Hilfsmittel und Maßnahmen richtig einzusetzen, das lernt man nur in der Praxis. Zu Beginn beziehungsweise auch zur Auffrischung kommt man um einen Kurs bei ausgebildeten Guides und Bergführern nicht herum. Sie erklären auch, warum beispielsweise ein Schneeprofil nicht pauschal für den ganzen Berg gilt und welche Tests trotzdem einen Anhaltspunkt über mögliche Gefährdungen bieten können.

Weiterführende Links:

Lawinenwarndienste
Bayern www.lawinenwarndienst-bayern.de
Österreich www.lawine.at
Schweiz www.slf.ch

Lawinenkunde-Seminare / LVS-Training
Verband Deutscher Berg- und Skiführer www.vdbs.de
Deutscher Alpenverein www.alpenverein.de
Österreichischer Alpenverein www.oeav.at
Schweizer Alpenverein www.sac-cas.ch

Kostenlose Lawinencamps
SAAC www.saac.at

Quelle: KGK

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