
06.12.2012, 10:08 Uhr | Martin Steinmetz
Bei einem Kanupolospiel geht es ebenso schnell, rau und wild zu wie beim namensgebenden Pferdesport. Laute Rufe, Schubser und Stöße gehören zum Spielgeschehen. Oft schieben sich die Kajaks in der Hitze des Gefechts übereinander oder das vordere Ende eines Bootes wird unter die Wasseroberfläche manövriert. "Die Spielsituationen wechseln ständig. Deshalb ist Kanupolo auch für Zuschauer eine sehr spannende Angelegenheit", sagt KlausPeter Koch, Vorsitzender des Vereins für Kanusport Berlin (VKB), in dem bereits für Schulklassen Kanupolo-Kurse angeboten werden.
Um das Ballspiel auf dem Wasser zu meistern, müssen die Kanuten schnell und wendig sein. Ihr Ballgefühl ist ebenso gefragt wie taktisches Verständnis. Dass es im Zweikampf hart zur Sache geht, macht einen weiteren Reiz aus. "Es gibt ab und zu kleinere Verletzungen", räumt KlausPeter Koch ein, "aber grundsätzlich sind die Spieler durch ihre Ausrüstung gut geschützt". Die massive Schwimmweste dient beim Kanupolo auch als Prallschutz. Außerdem tragen die Spieler einen Helm mit Visier, so dass das Paddel nicht durchstoßen kann.
Deutschlandweit bieten rund siebzig Vereine die Wassersportart an - und die Aktiven hierzulande sind erfolgreich. In den vergangenen fünf Jahren errangen deutsche Frauen und Herrenteams wiederholt Medaillen in internationalen Wettkämpfen. Bereits 1995 wurde die Bundesliga für Herren gegründet. 2008 folgte die FrauenBundesliga. Immer mit in der Spitzengruppe: Berliner Vereine wie der KajakClub NordWest Berlin e. V. (KCNW) und der Verein für Kanusport e.V. (VKB).
Für Nachwuchs sorgt der VKB durch Kooperation mit vier Schulklassen der HeinrichBöll Oberschule in Spandau: Für Schüler, die Kanupolo als Wahlfach haben, findet der Sportunterricht dreimal die Woche auf dem Wasser statt. Die Sportlehrer Volker Radach und Thomas Baumfeld unterrichten Jugendliche der siebten bis zehnten Klasse, die auch regelmäßig an bundesweiten Wettbewerben teilnehmen. "Ohne Kondition läuft gar nichts", sagt Radach. "Die Schüler lernen außerdem das antizipatorische Verhalten zum Ball, und es werden viele Muskelgruppen trainiert."
Anfänger müssen sich zunächst die Grundlagen des Kanusports aneignen, bevor sie das Polospiel erlernen. Das Beherrschen der Kenterrolle ist die Grundlage. Ein Kajakfahrer, der rollt, muss sein Körpergewicht weit hinten auf das Boot legen, mit der Hüfte abknicken und dann den richtigen Dreh finden, um wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen. Die Rolle hat Tradition und wurde von den Inuit in der Arktis entwickelt. Allerdings haben die Kajaks, die beim Kanupolo verwendet werden, optisch kaum noch etwas mit den ursprünglichen Booten der Inuit zu tun: Sie wiegen um die zehn Kilo und sind vorn und hinten abgeflacht, damit sie leicht abgekippt werden können.
"Wir üben die Kenterrolle schon mit den Kleinen im Schwimmbad, damit sie angstfrei auf dem Wasser spielen können", sagt Koch. Der VKB sei eben ein Familienverein. "Wer einmal drin ist und bis zum Erwachsenenalter durchhält, der bleibt auf ewig." Die ältesten Mitglieder des Vereins sind 80 Jahre alt und weiterhin aktiv im Wanderpaddeln auf der Mecklenburger Seenplatte.
Der VKB besteht seit 1919 und ist Berlins ältester Kanusportverein. Bis 1945 nutzte der Verein ein Bootshaus in Köpenick, in den 50erJahren zog er an den Hohenzollernkanal, später nach Tegel. Heute hat der VKB ungefähr 100 Mitglieder, die sich in eine Jugend, eine Juniorenmannschaft sowie zwei Herrenteams aufteilen. Seit 1997 betreibt der Verein Kanupolo. "Leider ist Kanupolo noch keine olympische Sportart, aber das ändert sich hoffentlich bald", sagt Koch und schaut auf das Spielfeld. Der Abpfiff ertönt, und es steht fünf zu zwei. Die erschöpften Spieler steigen aus dem Wasser, klemmen ihre Boote unter die Arme und trotten zufrieden in die Umkleidekabine.
Quelle: Raufeld
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