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Joey Kelly im Interview: wie erreiche ich mein Ziel

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"Das Abenteuer liegt direkt vor der Tür"

17.12.2012, 16:31 Uhr | Das Interview führte Heiko Truppel

Joey Kelly. (Quelle: Thomas Stachelhaus)

Wenn Joey Kelly einmal läuft, hält ihn nichts mehr auf - jeden Wettkampf, den er begonnen hat, hat er auch beendet. (Quelle: Thomas Stachelhaus)

Joey Kelly - Pate des Kinofilms "Life of Pi"

Joey Kelly, Spross der legendären "Kelly Family", ist Musiker, Unternehmer, Familienvater - und ein ebenso ehrgeiziger wie erfolgreicher Ausdauersportler. Die Zahl der Marathons und Ultraläufe, der Triathlons und Wüstenläufe, die Joey Kelly absolviert hat, hat längst die Hundertermarke überschritten. Der Leistungssportler beweist dabei immer wieder unglaubliche Disziplin und Durchhaltevermögen - Eigenschaften, die ihn zum prädestinierten Paten für den Film "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" gemacht haben, der am 26. Dezember in den Kinos startet. Wir haben uns mit Joey Kelly über den Film unterhalten und wie man mit schwierigen Herausforderungen umgeht. Sehen Sie bei uns den Trailer zu "Life of Pi" im Video und mehr über Joey Kelly und den Film in unserer Foto-Show.

Herr Kelly, was hat sie bewogen, die Patenschaft zu Life of Pi zu übernehmen?

Klar, es ist eine Hollywood-Produktion… Vielleicht das Abenteuer, dieses Survival-Thema, das ich auch verfolge seit einigen Jahren, diese Wettkämpfe, die ich mache, wo Parallelen da sind. Aber das, was ich mache, ist real und das andere ist natürlich fiction, das ist ein Film.

Also, Joey Kelly im Boot mit Tiger werden wir nicht erleben?

Ich glaube nicht, nein. Das würde ich mir gar nicht zutrauen, ich habe einfach zu viel Angst. Das sind wilde Tiere und die sind einfach gefährlich.

Mit wilden Tieren kann man Ihnen tatsächlich noch Angst einjagen?

Ich glaube, jedem. Gut, es gibt Leute, die damit umgehen können. Die einzige Verbindung, die ich hatte mit einem Tier, war in der RTL-Show „Mensch gegen Tier“. Es gibt in England einen Wettkampf, „Man against Horse", über 28 Kilometer. Spitzenläufer haben das schon mal gepackt. Bei „Mensch gegen Tier" habe ich vorgeschlagen, 100 Kilometer zu laufen, weil ich da stärker bin als bei der Kurzdistanz. Das Pferd war nach etwas über neun Stunden knapp eineinhalb Minuten vor mir im Ziel. Allerdings hatte das Pferd drei Pflichtpausen von je einer halben Stunde. Es ist ja nicht in der Lage zu trinken während des Laufens. Das Pferd war zwar trotzdem schneller als ich, aber es war witzig und spannend.

Schiffbrüchig: Ist das eine Situation, die Ihnen eher Angst machen würde, oder würden Sie das als eine interessante Herausforderung sehen?

Also, was mir Angst macht, sind Sachen, die außer Kontrolle sind. Irgendwas, wo ich sterben könnte, interessiert mich nicht. Viele Leute sagen „Du bist Extremsportler“, aber ich betrachte mich mehr als Ausdauersportler. Sowas wie Felix Baumgartner, der aus fast 40 Kilometer Höhe runterknallt, würde ich nie machen. Da weiß man gar nicht, ob man überhaupt überlebt. Die Wettkämpfe, die ich mache, die sind kalkulierbar.

Im Januar werde ich für einen Mehrteiler auf stern TV auf einer unbewohnten Insel in Asien abgesetzt - ohne Hilfsmittel, ich habe nur meine Klamotten und ein Messer und versuche da zwei Wochen zu überleben. Ich brauche nur Wasser, zwei Wochen ohne Essen, das geht. Wenn man etwas zu essen findet, umso besser, aber wenn es hart auf hart kommt, hat man einfach Pech gehabt. Ich werde sehen, dass ich mir Wärme schaffe, mit Feuer, und einen Schutz baue.

Angenommen, Sie können es sich nicht aussuchen und müssen in eine Situation, die auch ans Leben gehen könnte? Wen würden Sie mitnehmen, wer würde Ihnen Rückhalt geben?

Vielleicht ein guter Freund? Alleine sein ist bei diesen Wettkämpfen nicht schlimm. Vor anderthalb Jahren habe ich Deutschland durchquert von Wilhelmshafen zur Zugspitze – ohne Geld, ohne Essen. Ich durfte nichts betteln, nichts annehmen, nur mich von der Natur ernähren. Das hat mich fasziniert: in Deutschland, wo der innere Schweinehund sofort entsteht, wo man innerhalb von ein paar Stunden zuhause ist, raus aus der Komfortzone und dann hat man 18 Tage und Nächte, darüber nachzudenken, was man im Leben überhaupt macht.

Wenn man so gut wie null Kontakt hat zu anderen Menschen, dann ist es anders als etwa bei meiner Tour von L.A. nach New York, 5000 Kilometer. Da hatte ich die Möglichkeit nach Hilfe zu fragen... Und die Menschen, die am wenigsten hatten, haben am meisten geholfen. Das war hochspannend. Menschen, die teilweise nichts hatten, die haben mir Unterkunft gegeben, auch Geld oder zu essen. Alleine nur da zu sein und mit einem zu reden... Vielleicht können die sich besser reinversetzen, weil sie selbst in der Scheiße stecken…

Um Abenteuer zu erleben, muss man also gar nicht in den Dschungel gehen?

Nein, es liegt direkt vor der Tür und es sind die ganz einfachen Ideen. Die Deutschlandlauf-Geschichte, das war für mich ein größeres Abenteuer und Herausforderung als der Südpol und die ganzen Ironman zusammen. Ich habe zwei Tage davor Rüdiger Nehberg besucht – ich bin ein Riesenfan von ihm. Meine größte Angst war, dass ich so viel Kohldampf habe, dass ich einfach keine Kraft mehr habe, und er sagte, ‚Joey, Hunger ist nur Hysterie des Körpers‘ – wie auch Schmerz und teilweise sogar Schlaf. Der Körper schreit nach Komfort - und wir bewegen uns nicht aus der Komfortzone. Die Deutschland-Geschichte war für mich einfach der Hammer! Ich hatte wie Nehberg nur eine Plane aus dem Baumarkt, kein Zelt. Das Ganze hat mich nur 9,24 Euro gekostet. Du kannst mit null Geld Abenteuer erleben – hardcore, aber megageil!

Uns hat ein junger Mann, 20 Jahre, angeschrieben, der aus einer persönlichen Situation heraus um die Welt laufen möchte. Was würden Sie dem sagen?

Erstens ist es außerhalb von Europa saugefährlich, das ist alles nicht die Walldorf-Schule. Zweitens: Wenn es wirklich sein Traum ist, dann kann er auch mit kleinen Schritten anfangen. Versuch doch erst mal Europa zu durchqueren und dann siehst du, wie es dir geht. Ich glaube, es ist viel schwieriger, als wir denken. Wo will er übernachten, wie will er sich ernähren und wovon? Das Ganze kostet Geld ohne Ende. Ich habe Amerika ohne Geld durchquert, das war kein Problem. Aber ich habe 20 Jahre mehr Lebenserfahrung, wir haben 15 Jahre auf der Straße gelebt. Diese Straßenkenntnis, was man auf Englisch „street wise“ nennt - das heißt, Gefahr zu erkennen und zu wissen, wie man mit Menschen spricht – das hilft wahnsinnig.

Es ist nicht unmöglich. Aber ich würde ihm empfehlen: versuch es erstmal mit dem Fahrrad. Wenn er nicht Marathon läuft, nicht trainiert, dann machen die Knochen und der Körper es nicht mit. 20 Jahre ist auch nicht besonders alt. Ausdauersport fängt eher Ende 20 oder Mitte 30 an. Es ist schön, dass junge Menschen Ziele und Träume haben, aber wenn er jemand etwas beweisen will... es ist immer wichtig, dass man etwas für sich selbst macht. Manche Leute sagen, „kannst du uns motivieren?“ Nein, ich kann die Leute nicht motivieren, man muss sich selbst Ziele setzen. Ich kann nur erzählen, wie ich mein Ziel schaffe. Natürlich dadurch, dass ich gute Vorbereitung habe. Vorbereitung im Wettkampfsport ist alles, du scheiterst an Kleinigkeiten…

Stichwort „etwas beweisen“: Ihre Mutter ist nach schwerem Leidensweg '82 gestorben, ihr Vater hat sich nach einem Schlaganfall 1990 regelrecht ins Leben zurückgekämpft. Sie allerdings stechen in Ihrer Familie als Rebell heraus. Welchen Anteil haben Ihre Eltern an Ihrer Disziplin, an Ihrem fast nicht totzukriegenden Willen?

Mein Vater hatte eine sehr ungewöhnliche Erziehung, er war sehr, sehr streng. Aber er hatte sehr interessante und sehr gute Elemente zum Thema Einstellung im Leben. Ganz wichtig zum Thema Erfolg, egal in welcher Form, beruflich oder privat: mehr zu geben als zu nehmen. Wenn du mehr gibst als du nimmst, hast du immer Erfolg. Man gewinnt Menschen. Beruflich heißt das: investieren in das, was man glaubt, eine Berufung finden, die auch eine Berufung ist, wo die Arbeit auch Spaß macht. Klar, nicht jeder Schritt ist auch Spaß, aber das Gesamte und das, was man da verfolgt.

Definitiv ist es so, dass mein Vater mir eine Erziehung gegeben hat, ein Fundament, die mir später geholfen hat. Ob man das dann auch nimmt oder da drüber hinaus was macht? Ich habe den Sport für mich entdeckt, damals als ich musikalisch sehr viel unterwegs war, als optimalen Ausgleich. Der Sport hat mir einfach Halt gegeben…

Meine Eltern - auch wenn meine Mutter sehr früh gestorben ist, war sie da irgendwie – waren großartig. Das Thema Abenteuer, definitiv kann man das mit meinem Vater vergleichen, er war ein Querdenker. Er hat Sachen erzählt, die total stark sind, aber die er auch gelebt hat. Immer hat er zum Beispiel gesagt: „Geld ist langweilig“. Geld ist nicht der Antrieb, sondern das, was ich mache. Und wenn man das sagen kann, finde ich es stark. Und dann der Mut zu sagen, ich erziehe meine Familie auf eigenem Weg und mit eigenen Werten und meine Kinder gehen nicht in die Schule, sondern ich erziehe sie selbst. Im Grunde verrückt, aber auch leicht genial. Aber persönlich nicht mein eigener Weg. Ich bin ja ich selbst und ich zehre von dem, was meine Eltern mir gegeben haben, das was mir gut tut, aber das ist eine ganz andere Zeit. Wir leben die nächste Generation und jeder muss sich selbst irgendwie durch das Leben schlagen.

Nächste Generation: Ihre eigene Familie muss immer wieder auf Sie verzichten. Wie motivieren Sie denn Ihre Familie, Ihre Frau und Ihre Kinder, dass sie das mittragen und sie unterstützen?

Ich bin jetzt in den 15 Jahren nicht verlassen worden. Das zeigt, ob man miteinander klarkommt und ob alles funktioniert. Es geht uns eigentlich ganz gut. Wichtig ist, dass man es schafft, wenn man sich für eine Familie entscheidet, zusammenzuhalten.

Sie haben aber kein Rezept nach dem Motto: das gebe ich dann auch wieder zurück?

Nein. Ich habe ja eine ganz andere Situation als andere Leute. Ich habe einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Jeder muss für sich selbst herausfinden, was das Beste ist.

Sie halten Vorträge unter dem Titel „No Limits – wie schaffe ich mein Ziel“. Was würden Sie aus dem Vortrag mitnehmen, wenn Sie selbst Teilnehmer wären?

Ich mache Vorträge für Unternehmen. Das macht Spaß und ich werde sehr gut bezahlt. Aber ich bin kein Motivationstrainer, man muss sich selbst motivieren. Ich kann nur zeigen, wie ich meine Ziele schaffe: durch Vorbereitung, durch eine langfristige Zielsetzung, durch Ausdauer – genau diese Elemente. Dann mache ich den Vergleich: ein erfolgreicher Sportler hat viele Parallelen zu einem erfolgreichen Unternehmer oder Privatmensch oder Journalist. Überall sind die Wege, Erfolg zu haben, sehr ähnlich.

Ich glaube, was mir Spaß machen würde, wäre das Thema Abenteuer. Weil ich wahnsinnig gerne reise, auch in Länder, die nicht so touristisch sind, am Amazonas, in Sibirien, Asien oder Afrika. Wo man wirklich Kultur und andere Menschen sieht, wo man Landschaft und Wüsten hat. Südpol, Nordpol, das fasziniert mich…

Spannen wir den Bogen weiter: Was würden Sie als Teilnehmer von Joey Kelly wissen wollen?

Ich denke nicht, dass mein Vortrag große Wichtigkeit hat. Mein Vortrag vergeht durch die vielen bunten Bilder schnell. Es sind schöne Momente, harte Momente. Ich dokumentiere diese ganzen Dinge, die ich mache. Die Botschaft des Vortrags: Ausdauer, Leidenschaft und Vorbereitung und Chancen nutzen – und dass es uns hier in Europa saugut geht, dass wir viel Glück haben, als Europäer geboren worden zu sein und nicht in Mittelasien oder Südamerika. Dass wir auch dankbar sein sollten.

Ich sage den Teilnehmern, es macht mir Spaß, aber ich werde dafür auch bezahlt. Ich bin nicht gekommen, euch zu retten oder euch den Weg zu zeigen. Ihr müsst euch selbst Ziele setzen. Vielleicht sehen die Leute, "pass mal auf, da ist überall mehr drin, in dem, was ich mache. Ja ich will das, ich mach das, ich mach den Schritt, ich bin jetzt mutiger und ich übernehme entsprechend das Ziel". Themen, von denen wir alle wissen, frische ich einfach nur wieder auf.

Sie sagen: „Schwierige Situationen durchzustehen ist ganz einfach, man muss nur an sein Ziel glauben“. Wie verhindere ich, dass ich den Glauben an mein Ziel verliere und wie erkenne ich, ob es nicht sinnvoller wäre, von meinem Ziel abzulassen?

Ich habe immer Ziele und Zwischenziele. So erhalte ich für mich selbst die Motivation dranzubleiben, ich messe‚ wie ich körperlich von der Leistung bin und dann habe ich das Endziel. Es ist auch wichtig zu erkennen, ob ein Ziel, das ich mir setze, auch ein Ziel ist, das ich wirklich will. Zum Beispiel eines, das nicht mit Lebensgefahr verbunden ist: Für mich persönlich sind das nicht meine Ziele. Ich setze nur machbare Ziele. Das Leben lohnt sich zu leben, es ist kurz genug. Und wenn man auch noch Verantwortung hat, dann gibt es genug Ziele, die wahnsinnig spannend und hart genug sind, ohne dass man sich der Gefahr zu sehr aussetzen muss.

Es ist auch für mich so, dass ich mir Ziele setze und mache mich auf den Weg und während des Weges wird das Ziel neu ausgerichtet. Man sagt manchmal, der Weg ist das Ziel. Das heißt, während des Weges erkenne ich, dass das auch mein Weg ist oder das Ziel orientiert sich neu, ist vielleicht nur noch ein Teil des Zieles. Aber vielleicht in einer anderen Form. Einfach was tun, bewegen. Die Neuorientierung ergibt sich, wenn das Ziel nicht 100 Prozent das ist, was man sich vorgenommen hat.

Sind Sie auch schon mal richtig gescheitert und wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe bis jetzt jeden Wettkampf beendet. Ich habe aber Wettkämpfe unterschätzt oder die Kraft falsch aufgeteilt. Ich hatte einen Wettkampf am Amazonas, in Brasilien, 220 Kilometer durch den Urwald, ein sehr hartes und nicht ungefährliches Rennen und da bin ich, als ich so 80, 90 Prozent des Wettkampfes hinter mir hatte, körperlich explodiert, war komplett dehydriert. Ich bin es zu schnell angegangen und habe zu wenig getrunken und gegessen. Dann lag ich am Checkpoint, der Veranstalter hatte schon die Nachricht rausgegeben, dass ich raus bin aus dem Rennen. Ich bin nach drei Stunden wieder aufgestanden, habe mich in dieser Zeit konsequent ernährt und getrunken. Ich war über mich selbst ein bisschen verärgert, weil ich es nicht früh genug erkannt habe und die Kraft nicht richtig eingeteilt, aber war trotzdem zufrieden, dass ich überlebt habe und im Ziel war.

Haben Sie etwas daraus gelernt, konnten Sie es in etwas Positives verwandeln?

Ich bin der Meinung, man lernt von Niederlagen fast mehr als von Siegen. Es ist nur wichtig, dass man wieder aufsteht und weiterkämpft. Das gilt auch für andere Sachen, die ich mache, nicht sportliche: Wenn Ziele, die ich verfolge, doppelt oder dreimal so lang dauern, wie man sich das vornimmt oder erhofft - ich denke, es lohnt sich immer dran zu bleiben.

Es war oft nicht ein Problem, ich finde das sogar positiv. Da bin ich euphorisch und sage einfach: "Hindernisse sind nicht so schlimm, das kriegen wir hin". Und mittendrin denkt man, "scheiße, das ist aber ne ganze Stange mehr, als ich geplant habe". Aber man ist schon halb so weit. Dann zieht man trotzdem den Rest durch. Ich habe einen Bruder, der viel intelligenter ist als ich. Er konnte immer genau analysieren. Nur hat bei ihm die Euphorie gefehlt und er hat sich dann einfach gesagt, "nee, das tue ich mir nicht an, das ist doch nur noch eine Plage und eine Quälerei". Aber ich hab dann immer den Schritt getan und es gemacht und klar hab ich dann mittendrin gekotzt und bin gestorben und bin wieder aufgestanden, aber am Ziel war ich derjenige, der die Tat hinter sich hatte.

So ein Ultramarathon im Tal des Todes, da läuft man 240 Kilometer nonstop bei 50 Grad im Schatten, das ist nur noch eine Qual irgendwann. Nur: Wenn man die Ziellinie überquert hat, da geht es um gar nichts, nur ein Stück Blech, völliger Schwachsinn eigentlich. Aber das ist alles für mich, das ist die Faszination, Leidenschaft, das Abenteuer Ausdauersport. Wenn man sich das trotzdem antut und das Ziel überquert hat, hat man wirklich die Schmerzen und das Leiden mehr oder weniger vergessen. Klar weiß man, man hat wie ein Hund gelitten, aber trotzdem erfährt und sieht man das Positive von dem Ergebnis, dann ist man auf sich selbst stolz und setzt sich neue Ziele.

Meinen Sie jeder ist zu solchen Leistungen fähig, wie Sie das bringen in den Wettkämpfen?

Der Ultrasport ist gar nicht so hart, wie die meisten sagen, es ist für jeden machbar, der Spaß dran hat, der gesund ist und der bereit ist, einigermaßen diszipliniert zu trainieren.

Ich habe aber auch einen anderen Bruder, der ist vom Körperbau mehr ein Läufertyp als ich, aber er hat überhaupt kein Wettkampffieber. Er hat zwar vier Marathons gemacht, aber es interessiert ihn nicht, es macht ihm keinen Spaß, er sieht da keinen Sinn.

Glauben Sie nicht, dass man die Leidenschaft in so jemandem wecken könnte?

Ich weiß nicht... Die Marathons waren alle hier in Deutschland, schöne Marathons, aber in Städten, die man sonst auch kennt. Vielleicht hat da das Thema Abenteuer gefehlt.

Was wollen Sie unbedingt noch machen, was ist Ihr größtes Ziel in der Zukunft?

Es gibt kein bestimmtes, es gibt keinen einzelnen Wettkampf, wo ich sagen kann, das ist der Wettkampf, der noch fehlt und danach hab ich dann für mich alles gepackt. Es gibt im Ausdauersport immer wieder neue Wettkämpfe. Ein Veranstalter etwa hat einen Wettkampf, der wandert, aber es gibt auch die Klassiker, die man immer wieder machen kann. Es geht immer weiter.

Aber Ihre Passion ist das Laufen, so außergewöhnliche oder spektakuläre Projekte sind das gar nicht, die sie reizen?

Definitiv, also es ist nicht das von den Klippen springen oder Bungee-Jumping, es sind mehr die Ausdauersport-Wettkämpfe, die mich faszinieren.

Letzte Frage: Wenn Sie nicht Joey Kelly wären, wer wären Sie am liebsten?

Ich bin mit mir selbst zufrieden, ich will kein anderer sein.

Wenn Sie es aber müssten?

Wahrscheinlich wählt man jemand aus, von dem man denkt, das ist ein super Typ, aber es ist ein Riesenarsch... ich weiß nicht... ein normaler Mensch, keine bekannten Leute. Ich habe einen Freund, der ist Dachdecker und der ist gut drauf, der hat seine Höhen und Tiefen wie wir alle, aber ist vom Typ her gut... Es gibt einen Triathlet, Luc Van Lierde, in den 90er Jahren ein absoluter Ausnahmeathlet. Ich fand ihn als Mensch so faszinierend, weil er eiskalt war. Der hat seine Gegner fertig gemacht, er war einfach nur brutal. Ein starker Läufer und mental ein Tier, bei seinem ersten Ironman direkt die Weltbestzeit um acht Minuten verbessert, auf Hawaii trotz drei Minuten Strafe von hinten aufgeholt. Er hat die Gegner nicht nur überholt, sondern komplett versägt. Dabei fanden ihn die Leute gar nicht so spektakulär, aber er war wahnsinnig bescheiden und einfach ein brutaler Typ.

Quelle: trax.de

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