
18.02.2013, 17:47 Uhr | SP
Bergauf ein Tourenski, bergab ein Snowboard: Splitboards werden immer ausgereifter. Das K2 Kwicker-System ist besonders leicht und bedienfreundlich. (Quelle: K2)
Alle Jahre wieder pilgert die gesamte globale Sportindustrie nach München zur ISPO. Vom 3. bis 6. Februar zog es zigtausend Fachbesucher zu der internationalen Sportartikelmesse. In der U-Bahn drängten sich Markenvertreter, Händler und Journalisten, gehüllt in die neuesten Funktionsjacken. Ihr Ziel? Sehen und gesehen werden: Auf dem Münchner Messegelände bekam das Fachpublikum schon jetzt präsentiert, was im Winter 2013/14 angesagt sein wird. ‚Normalsterbliche’ kamen nicht herein – deshalb haben wir ein paar Highlights für Sie zusammengefasst. Sehen Sie mehr in unserer Foto-Show: Highlights von der ISPO 2013.
Um was es bei den meisten Sportmarken geht? Um technische Raffinesse und um Individualität. Die Funktion muss stimmen, aber sie darf sich bitte nicht als einheitlich uniform oder gar langweilig präsentieren. Auch nicht, wenn man sie drunter trägt! Eine der Marken, bei der die Funktion frisch und frech daherkommt, ist Kari Traa. Oberteile mit verspielten Prints und Hosen mit breitem Bund wirken nicht einfach feminin – damit braucht sich die Funktionswäsche nicht mehr unter den anderen Bekleidungsschichten verstecken und lässt sich durchaus auch für andere Sportarten einsetzen, ob Fitness, Pilates, Yoga oder Running. Die junge skandinavische Marke entwickelt übrigens ausschließlich Kleidung für Frauen.
Auch bei Ortovox geht es schon bei der ersten Lage richtig zur Sache! „Rock ’n’ Wool“ nennen die Bayern ihre Linie, die zu 100% aus tasmanischer Merinowolle gefertigt wird. So farbenfroh wie im kommenden Winter ging es bei der Marke noch nie zu. Ortovox setzt zudem auf große Logo-Prints und Patches. Das zeigt sich auch in der zweiten Schicht wie den „Rock ’n Swisswool“ Isolationsjacken, die sich unter anderem in einer ganz eigenen Hemdenoptik präsentieren. Sicherlich auch was für den Schaulauf nach dem Powdertag oder in der Stadt...
Ein weiterer Trend der Messe zeichnet sich bei diversen Herstellern ab: Natürliche Materialien wie Daune und Merinowolle werden nicht nur „solo“ immer beliebter, sondern inzwischen immer öfter auch mit synthetischen Materialien kombiniert. So setzt beispielsweise auch der Merino-Spezialist Icebreaker im kommenden Winter auf Hybridkonstruktionen aus Softshell-Materialien und Merinowolle. Die Neuseeländer kombinieren in ihrer Softshelljacke Viento das Naturmaterial mit einer winddichten, atmungsaktiven Membran und robustem Softshellmaterial an den besonders beanspruchten Stellen wie Kapuze, Schulter und Armbereich.
Wenn die Softshell nicht ausreicht, muss die Hardshell her. Mehr Tragekomfort bei höherer Funktionalität verspricht Gore mit seiner neuen GORE-TEX® Pro Membran. Das besonders strapazierfähige, atmungsaktive Material kommt bei den wirklich Harten zum Einsatz, also bei den Alpinspezialisten, die davon ausgehen müssen, dass ihre Bekleidung richtig gefordert wird. Beim Klettern ist der Kontakt mit dem rauen Fels schließlich unausweichlich, der Klettergurt oder die Rucksackriemen scheuern und beim Freeriden bleibt der Kontakt mit scharfen Ski- und Felskanten nicht aus...
Ein weiterer Vorteil, den die Industrie in dem neuen Gore-Material sieht: Es lässt sich gut mit anderen Materialien verbinden. Die kanadische Marke Arc’teryx präsentiert beispielsweise mit den Modellen Andessa (für Frauen) und Macai (für Männer) zum Winter 2013/14 hochfunktionelle Daunenjacken mit GORE-TEX® Pro. Die Daune wird so vor Feuchtigkeit geschützt, ohne dass der Sportler ‚zu ersticken’ droht... An den typischen Problemstellen unter den Armen und am Saum ersetzt Arc’teryx die empfindliche Daune durch Coreloft. Ganz schön viel High-Tech-Kombination und ganz schön durchdacht: Dafür haben die Kanadier dann auch den ISPO Award Gold bekommen.
Doch es geht bei der ISPO natürlich nicht nur um Mode. Ausgetobt haben sich die Marken auch bei der Hartware. Hier wurde fleißig getüftelt und gefeilt. Auch wenn das Rad nicht neu erfunden wird, die Produkte legen durchaus an Raffinesse zu. Auffällig: Die Skimarken positionieren sich inzwischen gerne über den Backcountry-Bereich. Die Segmente Skitouren und Freeriden erleben schließlich seit ein paar Jahren einen extremen Aufschwung. Das prägt die Branche... Natürlich geht es auch um Pistenski, von bissigen Slalom-Racern bis hin zu sanfteren Allround-Modellen – aber ihren Sex-Appeal (und ihren meisten Zuwachs) generieren die Marken über breite Abseitsski, über Rocker für Park & Pipe und über Tourenski in den unterschiedlichsten Ausführungen. Bei Völkl beispielsweise lag der Fokus auf dem V-Werks Katana, dem neuen High-End Freeride Modell (einem Full-Rocker), das dank Aramid, Titanal und Carbon extrem leicht und extrem dünn ausfällt - und prompt den ISPO Award einheimste. Aber neben den großen Rundum-Skimarken haben sich auch kleinere Abseitsspezialisten wie Mountain Wave oder Skilogik fix auf dem Markt etabliert.
Beim Skitourenspezialisten Dynafit konnte man die ganze Bandbreite des Sports sehen: Neu im Winter 2013/14 ist hier unter anderem der Cho Oyu. Ein klassischer Tourenski mit einer besonderen Geometrie: Sein Fläche-/Gewichtsverhältnis ist mit 125-88-111 bei 1.080 Gramm sehr vielversprechend und klingt nach einem Ski, der auf ausdauernde Aufstiege und spaßbringende Abfahrten abgestimmt ist. Eindeutig abfahrtsorientiert ist hingegen das Bindungskonzept Beast 16, eine Freetouring-Bindung, die einen enorm hohen Auslösewert von 16 bietet. Das Gewicht liegt mit 1870 Gramm dementsprechend hoch. Die Marke Diamir Fritschi hingegen sorgte für Gesprächsstoff mit ihrer neuen Skitourenbindung Zenith 12, deren Gewicht bei 988 Gramm liegt.
Aber auch Snowboarder zieht es ins Abseits. Das war bisher immer ein diffiziles, schleppendes Unterfangen... Im Gegensatz zu den Kollegen, die ihre Ski auffellen, musste der Boarder sein schweres Gerät auf den Rücken schnallen und mit Schneeschuhen oder Kurzskiern stapfen. In den letzten Jahren hat sich jedoch die Splitboard-Entwicklung weit nach vorne bewegt. Splitboards lassen sich für den Aufstieg in zwei „Ski“ teilen und am Gipfel mit wenigen Handgriffen wieder zum Snowboard zusammenbauen. Für den Winter 2013/14 haben wieder einige Snowboardhersteller wie Arbor, Burton oder Völkl Splitboard-Modelle auf der ISPO vorgestellt. K2 präsentierte mit dem Kwicker das weltweit leichteste Splitboard, das sich durch seine einfache Handhabung hervorhebt. Hersteller wie Prior oder Venture haben sich sogar auf die teilbaren Modelle spezialisiert. Die Qualität ist fast durch die Bank sehr hoch, die Boards sollen schließlich ein bekanntes Fahrverhalten bieten können, obwohl sie teilbar sind. In den kommenden Jahren werden sich die Produktentwickler hier sicherlich noch richtig austoben.
Damit man auf und abseits der Piste auch stets Rückendeckung hat, ist das Thema ABS-Rucksack auf der Messe bei zahlreichen Marken präsent. Ob bei der Skimarke Head oder den Alpinisten von Mammut oder Haglöfs. Für besonders viel Aufsehen sorgte die Version Free Rider ABS von Ortovox – der ISPO Award Gold Sieger: M.A.S.S. (Modular Airbag Safety System) nennt sich hier das Airbag-System, das man nicht nur herausnehmen, sondern auch unkompliziert auf fünf verschiedene Rucksackmodelle umrüsten kann. Der Airbag-Auslösegriff kann außerdem flexibel rechts oder links angebracht werden und ist in Höhe und Winkel verstellbar. Gleichzeitig kann man auch den Protektor entnehmen und separat tragen. So bleibt es jedem selbst überlassen (angepasst an Wetter und Einsatz), mit welchem Equipment auf dem Rücken er loslegen will.
Unglaublich viele Neuheiten, Schrägheiten und durchaus viel Spannendes gab es in den voll gefüllten Hallen in München zu sehen. Aufblasbare Schneeschuhe, Zelte, Stand Up Paddling Boards. Die Helme werden immer leichter und manch einer kommt mit Visier. Bei den Skibrillen lassen sich die Gläser dank neuer Konstruktionen wie bei Anon oder Dragon besonders leicht wechseln. Ein Primaloft-Leichtgewichtshandschuh von Roeckl im praktischen „Packsackerl“ bringt gerade einmal 67 Gramm auf die Waage. Extrem warm, aber natürlich deutlich solider und schwerer zeigt sich ein zwiegenähter Stiefel von Hanwag. Der Hjort EH (ebenfalls ein ISPO Award Gold Winner) des bayerischen Bergschusters wärmt innen mit dem neuen „Electric Heating System“: Heizelemente, die sogar per Fernbedienung ein- und ausgeschaltet werden können. Die Münchner Kultmarke evoc reagiert wiederum besonders schnell auf den aktuellen ‚GoPro-Trend’ und hat mit der ACP 3l eine spezielle Transporttasche für Action Cameras samt Zubehör entwickelt.
Quelle: KGK
Wenn sie sich hinab stürzen, stockt einem schon beim Zuschauen der Atem. zum Video
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Kollisionsgefahr zwischen Skifahrern und Tourengehern droht. zum Video
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