
13.03.2013, 13:40 Uhr | Johanna Stöckl
Das trauen sich viele Männer nicht: Die Skispringerin Elena Runggaldier hat keine Angst vor großen Schanzen (Quelle: Archiv Runggaldier)
Die 22-jährige Skispringerin Elena Runggaldier aus Gröden gewann im Februar 2011 mit ihrem zweiten Platz in Oslo als erste italienische Sportlerin eine Medaille bei einer Skisprung-Weltmeisterschaft. Kein Mann hat das bisher in Italien geschafft. Unsere Autorin Johanna Stöckl traf die sympathische Südtirolerin bei einem Bundesligaheimspiel des FC Bayern in München. Sehen Sie mehr zu Elena Runggaldier in unserer Foto-Show.
Zum ersten Mal in der Allianz Arena?
"Ja, und es gefällt mir sehr. Ein super schönes Stadion. Heute ein Bayernspiel live zu sehen, ist schon etwas Besonderes. Ich bin richtig beeindruckt."
Zu dir, Elena. Wie und wann bist du zum Skispringen gekommen?
"2002 durch einen vermeintlichen Aprilscherz."
Das musst du genauer erklären.
"Ich war damals Langläuferin und bin aus Spaß mit meinen Langlaufskiern gelegentlich über kleine Schanzen gesprungen. Mein damaliger Trainer meinte am 1. April, ob ich das nicht professionell machen möchte. Ich hielt das Angebot für einen Aprilscherz und sagte zu. Ein paar Monate später rief er an und meinte: „Elena in einer Woche geht das Skisprung-Training los.“ Ich war total überrascht, hatte die Geschichte schon längst vergessen, wollte nun aber auch nicht mehr absagen. So kam ich zum Skispringen."
Wäre da nicht Nordische Kombination ideal für dich gewesen?
"Das habe ich ohnehin eine Zeit lang gemacht. Aber das Skispringen hat mich viel mehr fasziniert als das Laufen. Und irgendwann wollte ich nur noch Skispringen."
Deine bisher größte Sprungweite?
"Ich bin einmal 150 Meter in Klingenthal gesprungen. Allerdings ist diese Weite inoffiziell, da dies nur im Training war! Zur Zeit halte ich den italienischen Rekord der Damen mit 112,5 Meter auf der Normalschanze, weil wir noch keine Wettkämpfe auf Großschanzen haben."
Würdest du gerne von Großschanzen springen?
"Im Training springen wir ja schon von 120-Meter-Schanzen, dürfen dort aber leider keine Wettkämpfe austragen, sondern müssen auf die Normalschanze, wo wir Sprungweiten von 95 Metern erreichen. Aber grundsätzlich würden wir Mädels auch liebend gerne von Großschanzen springen, klar. Wir können das."
Würdest du auch gerne Skifliegen?
"Das wäre mein absoluter Traum! Daniela Iraschko aus Österreich, die Französin Coline Mattel und ein paar andere Mädels würden, wie ich, total gerne Skifliegen. Einige haben das ja auch schon ausprobiert. Daniela Iraschko gelang 2003 am Kulm bereits ein 200-Meter-Sprung, Weltrekord bei den Frauen. Wir würden gerne zeigen, dass wir das auch können. Allerdings gibt es noch nicht so viele Mädels, die sich das Skifliegen zutrauen. Es wird also noch ein wenig dauern, aber in ein paar Jahren sind wir soweit."
Seit wann gibt es Weltmeisterschaften im Skisprung der Damen?
"Die Amerikanerin Lindsey Van gewann 2009 die Weltmeisterschaft in Liberec und ist somit die erste Weltmeisterin in unserer jungen Sportart. Leider war sie jetzt verletzt, aber ab Januar 2012 ist Lindsey wieder mit uns auf Tour."
2011/12 starteten die Damen erstmals im Weltcup. Wie ist diese wichtige Saison für dich verlaufen?
"Ja, endlich durften wir im Weltcup springen, sah man uns Frauen auch im Fernsehen! Für mich persönlich war es eine sehr schwere Saison. Nach der Medaille in Oslo wurde ziemlich viel von mir erwartet. Ich habe außerdem den Trainer gewechselt, anders trainiert und einige Sachen verändert, weil 2011/2012 für mich eine Art 'Übergangsjahr' war. Die ersten Wettkämpfe verliefen wie erwartet nicht richtig super. Und danach schlichen sich Schwierigkeiten mit meinem Selbstvertrauen ein. Dieses Jahr hat die Saison gut begonnen. In Sotchi hatte ich etwas Pech, bin gestürzt und habe mir eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen. Die Form passt. Jetzt muss ich es nur noch in den Wettkämpfen bestätigen!"
Hast du eigentlich ein Vorbild?
"Ja, Simon Amman. Der taugt mir voll."
Dein Freund ist Langläufer. Hast du ihn schon mal dazu animiert auch Ski zu springen?
(lacht) "Das traut der sich nicht!"
Werfen wir noch einen kurzen Blick in die Zukunft. 2013 Nordische Ski WM in Val di Fiemme, 2014 Sotschi, wo ihr Frauen erstmals bei Olympischen Spielen starten dürft. Tut sich ja richtig viel im Damen Skisprung.
"Ja, es ist eine unglaublich spannende Zeit in unserem Sport. Dieses Jahr wird in Val di Fiemme auch erstmals ein Mixed-Team-Wettbewerb ausgetragen, es werden also Damen und Herren gemeinsam um eine WM Medaille kämpfen. Das wird großartig. Meine Favoriten sind klar die Österreicher und natürlich die Deutschen. Ihr habt ja nicht nur gute Männer, sondern mit Melanie Faißt und Ulrike Gräßler auch sehr gute Springerinnen. Wir Italiener haben aber eine Außenseiterchance. Ich freue mich auf die Heim-WM. Mein Ziel? Einfach gut zu springen. Dann stimmen auch die Ergebnisse."
Kannst du dir vorstellen, dass Frauen auch eine Vierschanzentournee springen?
"Und wie gut ich mir das vorstellen kann! Und ich hoffe auch, dass es auch eines Tages so kommen wird."
Und 2014 in Sotschi?
"Das wird das Größte überhaupt. Wir trainieren alle auf Olympia."
Deine Hobbys außer Skispringen?
"Sport in jeder Form, besonders aber Telemarken, Wandern, Bergsteigen, Volleyball und Langlauf. Meine kreative Seite lebe ich beim Fotografieren und Kochen aus."
Kannst du deinen „perfekten Tag" bei dir zu Hause im Grödnertal beschreiben?
"Nach einem guten Frühstück mit meinen besten Freunden die erste Gondel nach oben ins Skigebiet nehmen und dann gemeinsam zum Telemarken gehen. Im Idealfall hat’s auch noch frischen Powder. Mittagessen auf meiner Lieblingshütte, draußen auf der Terrasse in der Sonne. Und abends? Würde ich gerne selbst kochen. Ein feines, leichtes Fischgericht – für meine Freunde."
Das Gespräch fand statt im Rahmen eines Pressetermins von Trentino Marketing und Val di Fiemme, dem Ausrichter der nordischen Ski-WM 2013.
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