
07.12.2012, 13:36 Uhr | AK
Mauerring um Mauerring wächst das Iglu - genügend Schnee sollte man allerdings haben. (Quelle: www.iglubauer.ch)
Schlafen im Schnee ist in! Das Angebot in so genannten Iglu-Dörfern oder Schnee-Lodges bedeckt inzwischen den ganzen Alpenraum: von Andorra bis ins Allgäu, von der Zugspitze bis ins Zillertal. Die kuppelförmigen Häuschen aus Schnee locken viele, denn sie versprechen eine außergewöhnliche Übernachtung mitten in der Natur. Doch was ist mit den Häuslebauern und Do-it-yourself-Anhängern? Kann man das nicht auch selbst in die Hand nehmen? Wie baut man überhaupt so ein Haus aus Schnee und was braucht man dazu? Wir haben uns die Kunst des Iglu-Baus genauer angesehen und geben eine Bauanleitung auch in unserer Foto-Show: So baut man ein Iglu.
Das Wort „Iglu“ steht in der Sprache der Inuit für „Haus“, „Wohnung“ und beschreibt so eigentlich nicht nur das kuppelförmige Schneegebilde, das wir unter dem Namen kennen, sondern auch andere Behausungen der Inuit, wie Zelte oder Holzhütten. Diente das Schneehaus in der Zentralarktis bis in die 1950er Jahre als winterliche Wohnstätte, wird es inzwischen meist als Schutzhütte auf Wanderungen und Jagdausflügen genutzt. Die Tradition des Iglu-Baus wird aber bis heute an die nächste Inuit-Generation weitergegeben.
Mit dem richtigen Wissen, etwas Geschick und ausreichend Zeit kann sich jeder selbst ein Iglu bauen. Und so geht’s:
Zunächst einmal gilt es, sich eine passende Stelle auszusuchen, an der das Iglu später stehen soll. In der Ebene ist der Bau natürlich am einfachsten, aber auch eine Hanglage ist – mit der passenden Vorbereitung und Übung – durchaus möglich. Um einen soliden Untergrund zu haben, tritt man ein Areal von circa fünf mal fünf Metern richtig fest. Besonders gut geht das mit Schneeschuhen an den Füßen. Die Fläche verdichtet sich dann innerhalb der nächsten halben Stunde ganz von allein weiter.
Um die nötigen Bausteine aus Schnee zu bekommen, gibt es zwei Möglichkeiten:
Für den traditionellen Iglu-Bau nach Art der Inuit benötigt man eine Schneeschaufel und eine Schneesäge. Solche Sägen sind aus leichtem Aluminium, sehen den Fuchsschwanzsägen ähnlich und haben eine beidseitige Zahnung, so dass man in beide Richtungen arbeiten kann. Mit ihr werden die passenden Blöcke aus windgepresstem Schnee herausgeschnitten. Am besten eignet er sich, wenn man ohne Schneeschuhe oder Ski darauf stehen kann.
Wer nicht warten kann und will, bis der geeignete „Iglu-Schnee“ vor der Tür liegt, der kann sich auch mit ein paar einfachen Haushaltsgegenständen behelfen. Man nehme eine Schaufel, einen handelsüblichen eckigen Kunststoffmülleimer (oder ein ähnliches Gefäß) und Wasser. Was folgt ist ein Kinderspiel: Der Schnee wird mit etwas Wasser gemischt, in die Eimer gefüllt und festgedrückt. Das Schöne an dieser Version: auch Kinder können ohne Verletzungsgefahr mithelfen.
So oder so: einen stabilen Block erkennt man ganz einfach, indem man ihn in die Luft wirft und wieder auffängt. Nur wenn er ganz bleibt, ist er für den Bau geeignet.
Zur Größe der Blöcke gibt es verschiedene Angaben. Als Richtwert gilt eine Länge von 70, eine Höhe von 40 und eine Breite von mindestens 20 Zentimetern – so haben die Klötze eine ausreichende Größe für einen stabilen und zügigen Aufbau und sind dennoch relativ leicht zu handhaben.
Dann beginnt auch schon das Stapeln: circa zweieinhalb bis drei Meter Innendurchmesser hat ein „normales“ Iglu, in dem später drei Personen Platz finden. Liegt der erste Ring, sägt man vom Boden weg eine Schräge in die eine Hälfte des Mauerrings und wiederholt das sogleich beim zweiten Halbkreis. Nur so erreicht man am Ende die traditionelle Kuppelform. Nun geht es in die Höhe… Alle Blöcke müssen leicht nach innen gekippt aufliegen, um am Ende auch oben die Halbkugel schließen zu können. Damit die Mauer auch wirklich stabil wird, muss jeder neue Block unbedingt an drei Stellen fest aufliegen. Der letzte Stein ist der schwierigste: Nur mit Geduld lässt er sich passgenau einfügen. Mit einer Säge und weiterem Schnee bessert man Ungenauigkeiten einfach aus und füllt Zwischenräume auf.
Zu guter letzt fehlt noch der Eingang. Die Inuit graben dafür einen Tunnel. Er sollte ungefähr einen Meter tief und rechtwinklig zur Windrichtung ausgerichtet sein. Warum der Tunnel? Ganz einfach: Wenn man höher liegt, hat man es wärmer. Denn kalte Luft fällt nach unten – also in den Eingangstunnel, die so genannte „Kältefalle“. Zugleich dient der Tunnel als Abzug. Wenn man kochen möchte, sollte man jedoch ein zusätzliches Abzugsloch in die Decke schneiden. Für das gemütliche Familieniglu im Garten reicht durchaus ein normaler, in die Wand hinein gesägter halbrunder Eingang. Dann empfiehlt sich aber ein tunnelartiges Vordach als Schutz vor Wind.
Die Erbauer der Iglu-Dörfer übrigens setzen nicht einzeln Stein auf Stein. Sie verlassen sich auf technische Hilfe. Zu groß wäre ansonsten der zeitliche Aufwand für eine ganze Siedlung, in der nicht nur normale Iglus für die Übernachtung bereit stehen, sondern auch Kirchen, Bars, Restaurants und viele weitere Gebäude.
Als Hilfsmittel dient der Iglu Former, eine Art überdimensionaler Ballon. Das Prinzip ist ähnlich der Bastelarbeit mit Pappmachée. Man legt den Former auf den Boden und bläst ihn leicht auf, anschließend fixiert man ihn mit Eisenstangen im Boden, damit er nicht verrutscht. Nun kann er auf vollen Druck aufgeblasen werden. Rund um den Ballon häuft der Baumeister nun Schnee auf und das in rauen Mengen. Eine Schneefräse oder auch Pistenraupe erleichtert die Arbeit, so dass am Ende rund ein Meter Schnee um den Igluformer aufgetürmt ist. Das gesamte Gebilde bleibt so über Nacht stehen, damit es sich verdichten und anfrieren kann. Am nächsten Tag wird die Luft abgelassen und der Ballon entfernt. Dann folgt der Innenausbau.
Egal mit welcher Methode errichtet: die besondere Atmosphäre, die Nähe zur Natur und das romantische Ambiente lassen die Übernachtung im selbstgebauten Iglu sicherlich unvergesslich werden. Und nach der ganzen Anstrengung ist ein tiefer Schlaf entweder auf dem Boden oder einem Feldbett sowieso vorprogrammiert.
Weitere Informationen:
Eine Reihe von Angeboten rund ums Iglu-Bauen und Übernachten im Iglu finden Sie unter www.iglubauer.ch.
Quelle: KGK
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