
12.12.2012, 10:56 Uhr | Christian Haas
Hundeschlittentour in Tirol: Huskies hautnah bei einem Workshop für Anfänger. (Quelle: Stefan Astner/SRT )
Eine Schlittentour mit Huskies durch eine verträumte Schneelandschaft: Da denken die meisten wohl an arktische Regionen. Dabei muss es nicht so weit entfernt sein, denn Hundeschlittenfahrten gibt es auch in den Alpen. Die Husky Ranch Angerberg in Tirol bietet das Husky-Erlebnis für Anfänger an. Ob ein oder ganze drei Tage mit den Huskies - Spaß ist in beiden Fällen garantiert! Sehen Sie die Hundeschlittentour in Tirol auch in unserer Foto-Show.
"Sharak, Cheyenne, Ayana - auf geht's!" Wenn Martin Eigentler seine Lieblinge ruft, dann tut er das ganz sanft. Auch wenn die Betroffenen gerade in einiger Ferne herumtollen, spricht der 35-Jährige kaum lauter als mit den drei direkt neben ihm stehenden und in dicke Winterklamotten eingepackten Männern, die heute zum ersten Mal die Zügel eines Hundesschlittens in die Hand nehmen wollen.
Doch zuerst steht eine Kennenlernrunde an - mit den Huskies. Und da sich unter den Gerufenen auch die Rudelchefs befinden, kommen im Schlepptau gleich alle 27 Tiere herbeigelaufen und beschnuppern die Neuankömmlinge. "Ihr könnt sie gerne streicheln", ruft uns Martin zu, "nur hochspringen dürfen sie nicht". Das probiert auch nur Maya, ein richtiger Wirbelwind. Doch nach einer deutlichen Handbewegung lässt sie schließlich ab.
Nach ausgiebigem Liebkosen konzentrieren sich die Hobby-Musher wieder auf das, was Martin ihnen sagt. Etwa wie er seine 1997 begonnene Huskyzucht auf mittlerweile mehr als zwei Dutzend Tiere ausbaute - und im Gegensatz zu anderen Anbietern auf eine wirklich tiergerechte Haltung achtet. Das sieht man. Nicht zuletzt am rund 8000 Quadratmeter großen Freigelände. Mittendrin: ein paar hölzerne Zelte, in denen die Teilnehmer mehrtägiger Workshops schlafen. Und Martins Hütte, in der der langhaarige Husky-Flüsterer nicht nur seine Gäste bewirtet, sondern auch wohnt und das Material für die Schlitten aufbewahrt.
Das kommt kurze Zeit später zum Einsatz. Nachdem die für ein bis zwei Personen gebauten Holzschlitten und vor allem deren Lenk- und Bremsweise erklärt ist, werden die Musher, wie man die Schlittenlenker nennt, angeseilt. Zur Sicherheit. "Denn runterfallen sollte man nicht", sagt Martin, "und es kann recht rasant losgehen."
Bevor den Hunden von den jeweiligen Schlittenlenkern ihre Gurte angelegt werden, passiert aber etwas Unerwartetes: Alle Huskies laufen plötzlich zum hölzernen Ausgangstor, wo sie wie auf Kommando anfangen, zu heulen. Ein vielstimmiger wolfsähnlicher Chor, der durch Mark und Bein geht. Fehlt nur noch, dass der Himmel sich verdüstert und der Vollmond leuchtet.
Stattdessen kommt langsam die Sonne heraus an diesem mit minus 20 Grad extrem kalten Wintermorgen. Dann geht es los: Kaum im Schlitten eingespannt, sind Cheyenne, meine Leithündin, und ihre drei Helfer nur noch schwer zu bändigen. Die Ankerkralle, eine Art Handbremse, ist bereits gelöst. Nun heißt es mit beiden Füßen auf dem Bremsteppich bleiben, um den Schlitten zu stoppen. Nur kurz, denn als sich das gerade bejaulte Tor öffnet, gibt es kein Halten mehr: Schnell die Füße auf die Kufen, denn die Huskies sausen wie vom Blitz getroffen los. Raus aus dem eingezäunten Gelände, rum um die Kurve und rein in die breit gespurte Loipe. Wow! Die Huskies geben Gas. Ganz ohne mein Zutun. Sie flitzen einfach Martin im ersten Schlitten hinterher, und selbst der braucht nichts zu tun. Nur sanfte Anweisungen gibt er.
Nach den ersten, wahrhaft überwältigenden Minuten wird auch bei den Musher-Novizen die Haltung entspannter. Die mehrere Kilometer lange Tour im Inn-Seitental wärmt das Herz. Aber nicht Nase, Ohren und Füße. Zu den frostigen Temperaturen gesellt sich nämlich noch ein eisiger Fahrtwind. Was dieser anrichtet, bemerke ich erst, als mich nach einem ungebremsten Zieleinlauf einer der Mitfahrer anspricht, was mit meinem rechten Ohrläppchen los sei - es wäre so weiß. Und tatsächlich: Es ist eingefroren.
Weitere Informationen:
Preise: Es gibt entweder den Erlebnistag für 199 Euro pro Person oder drei Tage mit den Huskies für 990 Euro pro Person. Die Huskytouren lassen sich auch im Rahmen des Tiroler Winterzaubers buchen - dann auch als Package in Kombination mit anderen Wintererlebnissen. Auf dem Webportal www.winterzauber.tirol.at präsentieren neun Tiroler Regionen, darunter auch die Ferienregion Hohe Salve, zu der Angerberg zählt, ihre schönsten Angebote rund um ruhige Winter-Naturerlebnisse. Neben Huskytouren sind das Vollmond-Schneeschuhwanderungen, nostalgische Pferdeschlittenfahrten, Tierspurenlesen.
Weitere Auskünfte und Buchung: Huskyranch, Embach 3, A-6320 Angerberg, Tel. 0043/664/9191109, huskyranch@aon.at, www.husky.co.at.
Quelle: srt
Wenn sie sich hinab stürzen, stockt einem schon beim Zuschauen der Atem. zum Video
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