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Gibt es in Deutschland giftige Spinnen?

25.07.2012, 14:06 Uhr | Benedikt Braun

Kreuzspinne im Netz. (Quelle: JenaFoto24.de/pixelio.de)

Die Kreuzspinne ist in Deutschland stark verbreitet. Viele Menschen fürchten sich vor ihr - zu Recht? (Quelle: JenaFoto24.de/pixelio.de)

Spinnen in Deutschland und weltweit

Langbeinig, haarig – allgemein nicht so hübsch anzusehen... Spinnen erfreuen sich nicht gerade hoher Beliebtheit – nicht nur wegen ihrer äußeren Erscheinung. Die größte in Europa heimische Spinne ist in etwa handtellergroß, heißt Deserta-Tarantel (Hogna ingens) und kommt nur auf einer unbewohnten Insel vor Madeira vor. Doch viele von uns versetzen bereits die kleinsten Exemplare in Panik. Dabei sind Spinnen nicht nur meist völlig harmlos, sondern auch noch äußerst faszinierend! Wussten Sie zum Beispiel, dass Spinnen keine Insekten sind? Oder dass Spinnenseide in Relation zum Gewicht in etwa vier Mal belastbarer ist als Stahl und problemlos auf das Dreifache ihrer eigentlichen Länge gedehnt werden kann, ohne zu reißen? Sehen Sie mehr in unserer Foto-Show: Spinnen in Deutschland und weltweit.

Die Spinnen in Deutschland

Zugegeben: Spinnen sind vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet nicht die schönsten Tiere. Und es gibt tatsächlich schönere Erlebnisse, als mit dem Gesicht direkt in eines ihrer Netze zu laufen. Trotzdem gibt für eine ausgeprägte Spinnenphobie eigentlich keine rationalen Gründe. Unter den Webspinnen, also die Ordnung der Spinnentiere, die wir gemeinhin als Spinnen bezeichnen gibt es unter den ca. 42.000 verschiedenen Arten nicht einmal ein Dutzend, die dem Menschen unangenehme Folgen bescheren können. Wirklich „gefährlich“ sind auch diese Exemplare nicht.

Zum einen sind Spinnen – bis auf wenige Ausnahmen – grundsätzlich Fluchttiere, die weglaufen oder sich tot stellen. Außerdem sind die meisten davon aufgrund ihrer geringen Größe gar nicht in der Lage, die menschliche Haut mit einem Biss zu durchdringen. In Mitteleuropa gibt es nur sehr wenige Spinnen, deren Biss beim Menschen überhaupt eine Reaktion hervor ruft. In Deutschland gibt es mit dem Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) gar nur eine Spinnenart an Land, die für ein unangenehmes Souvenir sorgen kann. Ihr Biss entspricht in etwa einem Wespenstich und die Symptome klingen auch ohne spezielle Behandlung in einem ähnlichen Zeitraum (der Schmerz nach ca. 2-3 Tagen, Schwellung und Rötung nach bis zu 7-10 Tagen) von selbst wieder ab. Gleiches gilt für die Wasserspinne (Argyroneta aquatica), die einzige Spinnenart, die unter Wasser lebt. Die weitaus öfter vorkommenden und gerade bei Kindern teilweise als giftig verschrienen Kreuzspinnen (Araneus) verursachen dagegen nur im Moment des Bisses ein leichtes Zwicken sowie leichte Hautirritationen.

Schwarze Witwe oder Graue Maus?

Die berühmt-berüchtigte Schwarze Witwe (deren tödlicher Ruf sich auch auf mordende Ehefrauen übertragen hat) ist in Europa nicht heimisch. Die Giftigkeit ihrer europäischen Verwandten, der Mediterranen Schwarzen Witwe (Latrodectus tredecimguttatus), die ausschließlich im wärmeren Südeuropa vorkommt, wird inzwischen sehr stark relativiert. Tödlich enden Konfrontationen mit dieser Art nur in vier von 1.000 Fällen – meist sind die „Opfer“ Allergiker oder bereits anderweitig geschwächt, z.B. durch Krankheit oder hohes Alter. So gesehen ist die Schwarze Witwe hierzulande doch eher eine graue Maus.

Auch der Ausspruch „wie von der Tarantel gestochen“ ist im Übrigen irreführend: Zum einen beißen Spinnen, sie stechen nicht. Zum anderen ist der Name Tarantel nur eine umgangssprachliche Bezeichnung für echte Webspinnen der ehemals verwendeten Gattungsbezeichnung „Tarantula“. Dieser Fehler wurde aber inzwischen korrigiert und „die Tarantel“ auf diverse Gattungen der Familie der Wolfsspinnen aufgeteilt. Selbst Australien, wo bekanntermaßen so ziemlich alle giftigen Tiere vorkommen, hat diesmal Glück. Die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus), die rund um die namensgebende Metropole heimisch ist, kann zwar in Ausnahmefällen gefährlich werden, die meisten Zwischenfälle laufen aber glimpflich ab.

Selbst die meisten Vogelspinnen sind – bis auf Ausnahmen – zwar für ihre Beutetiere tödlich, haben auf Menschen jedoch keine letale Wirkung. Wirklich kritisch sind dagegen die Begegnungen mit südamerikanischen Vertretern aus der Familie der Kammspinnen (Phoneutria). Sie sind die giftigsten aller Spinnenarten und gelten im Gegensatz zu allen anderen Spinnen als extrem aggressiv. Obwohl sie nur in Süd- und Teilen von Mittelamerika heimisch sind, sorgen sie hin und wieder auch in Europa für Aufsehen: Und zwar dann, wenn eine Brasilianische Wander- oder Bananenspinne in einer Kiste Südfrüchte ihren Weg in einen unserer heimischen Supermärkte gefunden hat. Dokumentierte Todesfälle gibt es in diesem Zusammenhang jedoch nicht. Relativ viele tödliche Begegnungen gibt es dagegen mit diversen Arten von Skorpionen, die streng genommen zu den Spinnentieren gehören, allerdings eine eigene Ordnung mit ca. 1.400 Arten bilden.

Im Netz der Spinne

Ein Wunder der Natur – und für uns Menschen ein intensives Forschungsgebiet – ist die Spinnenseide. Sie stellt Wissenschaftler und Ingenieure immer wieder vor Rätsel, denn das bislang nicht synthetisch reproduzierbare Material ist nicht nur bei einem sehr geringem Gewicht extrem belastbar (vier Mal stärker als Stahl, dabei aber um das Dreifache der eigentlichen Länge dehnbar!), sondern kann von seinen Produzenten situativ mit diversen Eigenschaften versehen werden. Je nachdem zu welchem Zweck die Seide benötigt wird, sind die Fäden klebend oder nicht, sind stärker oder extrem dünn, sehr zäh oder hochelastisch. Außerdem leitet der Faden Wärme besser als Metall, ist wasserfest und kann trotzdem mehr Wasser aufnehmen als Wolle. Außerdem ist er biologisch abbaubar.

Je nach Art weben Spinnen unterschiedliche Arten von Netzen zu unterschiedlichsten Zwecken. Während sie den einen zum Fangen ihrer Beute dienen, sind sie für andere Unterschlupf, Kinderstube oder gar ein Fortbewegungsmittel. Manche Spinnenarten schaffen es sogar, sich an ihrem Faden vom Wind mehrere Kilometer weit über das offene Meer tragen zu lassen, um so neue Gefilde zu besiedeln.

Keine Angst!

Forscher sind sich noch uneins, wenn es um eine wissenschaftliche Begründung für die weit verbreitete Angst vor Spinnen geht. Denn auch wenn in Europa nur vergleichsweise kleine und so gut wie keine gefährlichen Exemplare der Achtbeiner vorkommen, die Angst vor den meist völlig harmlosen Tierchen ist bei vielen Menschen stark verwurzelt. Manche meinen, es läge an einer natürlichen Angst vor dem Unbekannten, dem extrem Andersartigen im Vergleich zur eigenen Spezies. Eine weitere These ist, dass die Ursache für Angst und Ekel in der Lebensweise und Fortbewegung der Spinnen liegt. Sie leben nämlich zumeist an dunklen und oft unheimlich anmutenden Orten, wie Höhlen und Kellern. Dort sind sie schlecht zu sehen, bewegen sich vollkommen lautlos und werden – wenn überhaupt – erst sehr nahe am Körper wahrgenommen. Gestützt wird diese Annahme unter anderem durch die Tatsache, dass die Arachnophobie, wie die Angst vor Spinnen im Fachjargon genannt wird, nur in bestimmten Regionen verbreitet ist. Bei afrikanischen Naturvölkern beispielsweise, also dort wo tatsächlich auch giftige Arten diverser Vogelspinnen sehr verbreitet sind, sind sie nicht gefürchtet – im Gegenteil, sie stehen als Delikatesse auf dem alltäglichen Speiseplan...

Weitere Informationen:

Alles rund um Spinnen (z.B. Spinnen-Bestimmungskurse) erfahren Sie bei der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft e.V. unter www.dearge.de

Quelle: KGK

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