
15.02.2012, 18:17 Uhr | Mia Paulini
Frühjahrsputz: Bevor es nach dem Winter wieder auf den Sattel geht, das Fahrrad erst mal gründlich durchchecken. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Die kalte Jahreszeit verlangt nicht nur dem trägen Geist und Körper einiges ab, auch der Drahtesel ist dem eisigen, schmutzigen oder regnerischen Wind und Wetter ausgesetzt gewesen. Dreck, Eis, Schnee und Wasser können zu Verrostungen und kleineren Schäden führen, die aber größere Folgen haben können. Vor allem wenn Bremsen und Schrauben unter der Witterung gelitten haben, kann es leicht zu schweren Unfällen kommen. Vorsicht ist auch geboten, wenn das Fahrrad zur Überwinterung nur im Keller stand. Ein gründliches Durchchecken und ein großer Frühjahrsputz tut Not: Tipps zum Extra-Pflegeprogramm. Einen Überblick über mögliche Schwachstellen am Fahrrad erhalten Sie in unserer Foto-Show.
Fahrradwerkstätten empfehlen, das Rad erst einmal mit einem Fahrradreiniger einzusprühen, diesen fünf bis zehn Minuten einwirken zu lassen und anschließend mit heißem Wasser abzuspülen. Wichtig ist dabei, dem Wasser etwas Spülmittel hinzuzufügen. Machen Sie nicht den gleichen Fehler, wie viele andere Radfahrer: Sie gehen einfach zur nächsten Tankstelle und spülen das Rad mit einem Hochdruckreiniger ab. Doch der Druck presst den Dreck in die empfindlichen Lager und verklebt sie nur. Besser ist deshalb die schonende Methode per Hand. Nach der Reinigung putzt man das Rad mit einem weichen Lappen und ölt zum Abschluss die beweglichen Teile mit Kettenöl ein. Beachten Sie, dass ein Zuviel an Öl neuen Schmutz regelrecht anzieht. Am besten trägt man es von vorneherein mit einem Lappen auf und reibt überschüssiges Öl nach einer gewissen Einwirkzeit vorsichtig damit ab. Auf keinen Fall sollte man anderes Öl als Kettenöl nehmen. Das schadet mehr, als es nützt.
Nach der Reinigung folgt die Durchsicht: Sind noch alle Schrauben fest? Vorsicht beim Nachziehen, gerade neuere Räder haben besondere Drehmomente. Die Schrauben dürfen nicht zu fest angezogen werden, weil sonst auch das Gewinde kaputtgehen kann. Nächster Check: Wie sehen die Bremsen aus? Schauen Sie, ob vielleicht ein Bremszug angerissen oder verschlissen ist. Wenn ja, auswechseln! Falls Sie sich das nicht zutrauen, hilft die Werkstatt. Auch wenn eine "Acht" im Reifen ist, wenn Kette und Zahnräder verschlissen sind, das Tretlager defekt oder die Gabel verbogen ist, sollte man ohne entsprechende Fachkenntnisse nicht selber Hand anlegen.
Wenn hingegen das Licht nicht funktioniert, lässt sich das meistens eigenhändig reparieren. Prüfen Sie zunächst, ob die Glühbirne defekt ist und ausgewechselt werden muss. Meist erkennt man den Defekt am schwarz beschlagenen Glaskolben oder - mit guten Augen - am gebrochenen Glühdraht. Ist die Birne intakt, leuchtet aber trotzdem nicht, sind häufig oxidierte Kontakte die Ursache. Die meist weißlich oder grünlich verfärbte Schicht lässt sich mit einem weichen Tuch abwischen, bei hartnäckigeren Oxidationen oder leichtem Rost mit einem feinen Schleifpapier wieder blankschleifen. Sollte das Kabel gebrochen oder gerissen sein, kann man an beiden Enden der Bruchstelle einen Zentimeter der Isolierung entfernen, die beiden Drahtenden fest verzwirbeln und mit wasserfestem Isolierband umwickeln - oder das Kabel durch ein neues ersetzen. Ob der Dynamo defekt ist, lässt sich nur herausfinden, indem man an seiner Stelle eine 4,5-Volt-Flachbatterie anklemmt. Leuchtet die Lampe, muss der Dynamo ersetzt werden, da er sich selten reparieren lässt.
Wer sichergehen will oder es einfach etwas komfortabler liebt, geht zum Frühlingscheck gleich in den Fahrradladen. Dort kontrolliert ein Fachmann alle Schrauben und zieht sie bei Bedarf nach. Danach wird die Kette auf Verschleiß untersucht und die Schaltung überprüft. Auch die Bremsanlage, die Speichenspannung und die Lichtanlage werden dabei getestet. So eine Durchsicht kostet etwa 30 Euro.
Wer sich im Frühjahr entscheidet, den alten Drahtesel doch lieber durch ein neues Rad zu ersetzen, sollte wissen, wofür er es haben und was er dafür ausgeben will. Für sportliche Radler ist ein Aluminium-Rahmen empfehlenswert. Auch Karbon ist leicht, allerdings auch teurer. Bei langen Fahrten sind Lenkergriffe weniger ermüdend, die an die Handballen angepasste "Biogrips" haben. An den Füßen genügen für Normalfahrer griffige Pedalen. Experten raten dazu, auf eine Testfahrt zu bestehen. Wichtig ist dabei, den kleinsten und höchsten Gang auszuprobieren, um mögliche Reibungen festzustellen. Auch ein Reibungstest mit dem Dynamo kann nicht schaden.
Quelle: Raufeld
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