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Fotografie: Adrian Bischoff verwandelt die Alpen in mystische Landschaften

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Im Licht der Nacht: So hat man die Berge noch nie gesehen

07.11.2013, 15:58 Uhr | Ein Interview von Johanna Stöckl

Adrian Bischoff, Berg-Fotografie. (Quelle: Adrian Bischoff)

Spektakuläre Nachtaufnahmen: Für seine Fotos leuchtet Adrian Bischoff die Berge mit leistungsstarken Scheinwerfern aus. (Quelle: Adrian Bischoff)

Adrian Bischoff - Illuminationen der Berge

Adrian Bischoff transformiert mit "DolomiLightning" die Südtiroler Berge in mystische Felslandschaften. Der 53- jährige Hesse verändert über seine Fotografien die Sicht auf die Berge. Aus vertrauten Postkartenmotiven entstehen befremdliche, monumentale Bilder voller Tiefe. Auf dem International Mountain Summit (IMS) in Brixen wurden diese Fotografien erstmals in einer Ausstellung gezeigt. Ein Gespräch über Lichtpunkte und Fünf-Prozent-Bilder, Mondphasen und Wetterkapriolen, ein Glas Wein als Feedback und wieso er beim Fotografieren gerne mit Leuten von der örtlichen Feuerwehr unterwegs ist.

Johanna Stöckl: Herr Bischoff, wie entstehen Ihre Bilder?

Adrian Bischoff: Ich beleuchte die Berge mit ein bis zwei, ganz selten mit drei Punktlichtscheinwerfern und lasse den Lichtpunkt über den Berg wandern. Über eine virtuelle Langzeitbelichtung wird der Berg schließlich komplett ausgeleuchtet.

Bewegen sich diese Lampen über eine Fernsteuerung oder werden sie von Menschen bedient?

Reine Handarbeit lässt den Lichtpunkt langsam über den Berg wandern. Da steht also ein Mensch und bedient die jeweilige Lampe.

Wie weit ist dabei der Schweinwerfer vom Berg entfernt?

Das variiert. Zwischen 1 und 10 km.

Wie lange strahlt der Beleuchter das Massiv an?

Das kommt auf das Motiv an. Bei der Geislergruppe zum Beispiel dauerte das ungefähr vier Stunden.

Welche Position ist wichtiger: die der Kamera oder die des Lichtpunktscheinwerfers?

Zuerst stelle ich die Kamera in möglichst optimaler Position auf. Danach werden die Lampen entsprechend ausgerichtet.

Und dann eine ewig lange Belichtungszeit?

Ich fotografiere digital. Digitalkameras können gute Bilder nur mit einer Belichtungszeit von einer halben Minute machen.

Das heißt?

Über einen technischen Eingriff, viele Fotos und digitale Nachbearbeitung wandele ich eine virtuelle Langzeitbelichtung in eine echte Langzeitbelichtung.

Das heißt: Viele Einzelbilder ergeben am Ende das Gesamtkunstwerk.

So ist es.

Ein Foto dauert in der Entstehung etliche Stunden?

Oh ja. Um die technischen Einschränkungen einer digitalen Mittelformatkamera in Bezug auf nächtliche Langzeitbelichtungen zu kompensieren, muss ein Berg mehrfach abgescannt werden, damit man sicher sein kann, dass auch jeder Teil einmal optimal ausgeleuchtet wurde. Das dauert natürlich.

So ein Bild ist in der Entstehung also extrem zeitaufwendig.

Die Arbeit beginnt ja schon viel früher. Alleine die Genehmigungen für die Fotos zu bekommen, ist überaus langwierig. In Südtirol war das zum Beispiel sehr kompliziert beziehungsweise beinahe unmöglich. Man fotografiert ja häufig in einem Natur- oder Nationalpark. Und diese Regionen sind nun mal streng geschützt.

Wie ist es Ihnen dennoch gelungen, die Genehmigungen in Südtirol zu erhalten?

Das habe ich einzig und allein dem International Mountain Summit (IMS) zu verdanken. Mein Projekt lief als Teil dieser Veranstaltung und somit erhielt ich eine Ausnahmegenehmigung. Wenn man es nämlich mir erlaubt, die Südtiroler Berge zu beleuchten, dann muss man es anderen Fotografen ebenso erlauben. Das heißt, man wird ja auch zu einem juristischen Präzedenzfall. Es ging nur durch die Anbindung an den International Mountain Summit und es war eine einmalige Sache.

Sind Ihre Projekte in Deutschland auch schwer umzusetzen? Können wir bald eine Nachtaufnahme der Zugspitz-Massivs erwarten?

Deutschland ist noch schwieriger als Südtirol. Ich hatte einmal die Alpspitze in Garmisch-Partenkirchen angefragt. Man wendet sich dazu an den Bürgermeister, schickt ihm ein Konzept zu, aus dem hervorgeht, wer man ist, was man macht und vorhat. Und dann sind in der Regel alle bis auf die Naturschutzbehörde begeistert. Und damit heißt es: Nein.

Richtet Ihr Projekt denn irgendeinen Schaden an?

Ich habe mittlerweile an die 20 Gutachten vorliegen, aus denen hervorgeht, dass mein Projekt der Natur nicht schadet, die Tiere nicht stört. Aber eine Naturschutzbehörde kümmert sich nun mal um den Schutz der Natur und muss unterschiedlichste Anfragen auch einfach abwimmeln. In der Schweiz ist das anders. Da wird ein Antrag an den Bürgermeister gestellt und bei der nächsten Gemeinderatssitzung wird darüber abgestimmt. Direkte Demokratie also. Und so kommt es, dass ich in der Schweiz noch nie eine Absage erhalten habe.

Wie war das Feedback während Ihrer Ausstellung beim International Mountain Summit in Brixen?

Das Feedback war enorm und für mich persönlich absolut genial. (Lacht) Es gab drei Muster des Feedbacks: Ein Kompliment beim Verlassen des Ausstellungsraumes. Ein Kompliment plus Händedruck und kurzes Gespräch beim Rausgehen. Variante drei: Kompliment, Handshake und eine Einladung auf ein Glas Wein nebenan. Die Ausstellung im Hotel Goldener Adler in Brixen war Balsam für meine Seele. Ich habe sehr viel Zuspruch erhalten und bin offenen, freundlichen und überaus interessierten Menschen begegnet.

Seit wann machen Sie Bilder dieser Art?

Die ersten Tests habe ich schon vor vielen Jahren gemacht. Aber konkret und intensiv dann die letzten drei Jahre.

Das heißt, die Südtiroler Bergbilder sind ziemlich jung?

Allerdings. Die Genehmigung erhielt ich über den IMS ja erst im Januar 2013. Das erste halbe Jahr war dann wettertechnisch total zum Vergessen. Ich bin ja auf das Wetter ebenso angewiesen, wie auf die richtige Mondphase.

Auf die richtige Mondphase?

Bei zu starkem Mondlicht kann ich nicht fotografieren. Somit bleiben pro Monat ungefähr 14 Tage, in denen man solche Aufnahmen theoretisch machen kann. Oftmals ist genau dann das Wetter schlecht. Außerdem scheiden die Sommermonate Juni und Juli auch aus. Richtig dunkel, also stockdunkel ist es während dieser Zeit nur von circa 23.30 bis circa 2.30 Uhr. Diese Dunkelphase ist für mich einfach zu kurz.

Es müssen also viele Parameter stimmen, bis so ein Kunstwerk entsteht.

In der Tat. Der September 2013 war richtig gut. Da sind etliche Bilder entstanden. Sogar welche mit geringer Chance auf Realisierung.

Ein Beispiel?

Ich nenne das Bild vom Einserkofel mein Fünf-Prozent-Bild. Die Vorhersage belief sich auf eine Wahrscheinlichkeit von fünf Prozent, dass sich der Berg nachts zeigt. Und dann hat er sich tatsächlich blicken lassen. Und zwar lange genug, um ihn gut auszuleuchten.

Arbeiten Sie mit einer fixen Beleuchter-Crew?

In meinen Bus passen meine Ausrüstung und ich: Drei Lampen, drei Generatoren, das Kamera-Equipment plus eine Person. Für eine Crew wäre da gar kein Platz. Außerdem ist es hilfreich, Einheimische im Team zu haben. Die kann man (lacht) auch mal stundenlang in die Kälte stellen, ohne dass sie gleich jammern. Besonders gerne habe ich Feuerwehrleute dabei. Die kennen nicht nur die Gegend gut, sondern sich auch mit Stromgeneratoren aus. Und sind – das ist sehr wichtig – bekannt vor Ort. Trotz aller eingeholten Genehmigungen kommt es immer wieder vor, dass Leute plötzlich fragen, ob ich das überhaupt darf. Hast du einen Ortsansässigen dabei, ist die Sache schnell geklärt.

Ihre Lieblingsaufnahme?

Der Peitlerkofel.

Warum gerade dieses Bild?

Beim Peitlerkofel waren die Bedingungen sehr günstig. Daher konnte das, was die Beleuchtung ausmacht, richtig gut ausgespielt werden. Man sieht jeden noch so kleinen Stein, einfach jedes Detail. Und das in einer Brillanz, wie man es mit Tageslicht nicht erreichen kann.

Haben sich auch Bergsteiger bei Ihnen gemeldet?

Ja, es waren viele Bergsteiger in meiner Ausstellung. Alleine vom Langkofel "kenne" ich jetzt über 20 Routen. Sie wurden mir auf meinen Bildern gezeigt. Es sind offensichtlich sehr viele persönliche Erinnerungen mit diesen Bildern verbunden. Ein schöneres Feedback gibt es nicht.

Gibt es eine besonders amüsante Geschichte zu einer Ihrer Bergaufnahmen?

(Lacht) Mit welcher soll ich beginnen?

In Solio am Maloja Pass wurde ich vom örtlichen Förster begleitet um einen Berg, den Piz Badile zu fotografieren. Wir fuhren dafür mehr als eine Stunde mit dem Auto über einen wirklich steilen, sehr schmalen Ziehweg. Mitten in der Nacht, irgendwo in the Middle of Nowhere. Oben angekommen, packte ich meine Stromgeneratoren aus. Es roch verdächtig nach Benzin. Und tatsächlich: der Benzinschlauch des Stromgenerators war gebrochen. Wir konnten diesen zwar schnell wieder reparieren, hatten aber kein Benzin mehr, um den Generator zu betreiben. Es hätte mich mehr als zwei Stunden gekostet, um zur nächsten Tankstelle im Tal und wieder retour zu fahren. Für mich war das Projekt gescheitert. Aber der Förster meinte: "Isch doch kein Problem nüt." Er telefonierte kurz mit seinem Handy. Keine 5 Minuten später tauchte aus dem tiefdunklen Wald ein Mann auf, der einen vollen Benzinkanister dabei hatte. Man ist nachts in den Bergen gar nicht so alleine, wie man vielleicht denkt!

Wird es weitere Ausstellungen geben?

Ja, man wird die Bilder im März 2014 in München sehen können.

Dürften sich Regionen melden, die Lust auf Ihr Projekt haben?

Ich bin offen für alles, solange meine Bilder nicht in irgendwelchen Prospekten oder auf Postern landen, die rein werblicher Natur sind. Ich sehe das Ganze als reines Kunstprojekt. Mein absoluter Traum wäre, wenn man meine Bilder einmal in einer Stadt wie New York oder Shanghai sehen könnte.

Weitere Informationen:

www.adrianbischoff.de
www.adrianbischoff.eu

Quelle: trax.de

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