
03.12.2012, 11:21 Uhr | AK
Daunenjacken sind warm, funktional und modisch - für den Alltag und den Outdoor-Einsatz. (Quelle: Spyder)
Man kleidet sich wieder in Federn! Ob als Wärmeschicht beim Skifahren oder als stylishes Modell für den täglichen Einsatz an kalten Tagen, die Daunenjacke ist auf der Piste wie in der Stadt allgegenwärtig. Und das aus gutem Grund: Bei geringem Gewicht hält sie besonders warm und die kreativen Designs und frischen Farben machen sie zum modischen Hingucker. Aber was genau ist Daune? Worauf gilt es zu achten? Und welche Alternativen gibt es? Die Antworten darauf geben wir hier - und in unserer Foto-Show: Daunenjacken - warm, funktional, modisch.
Daunen sind das kleinste und feinste Gefieder von Gänsen und Enten. Dank ihrer dreidimensionalen Struktur speichern sie im Verhältnis zu ihrer Größe enorm viel Luft und somit Wärme. Sie sind bisher unerreicht, wenn es darum geht, bei möglichst wenig Gewicht möglichst warm zu halten. Besondere Leichtgewichte wie die Ghost Whisperer Down Jacket von Mountain Hardwear wiegen nur noch um die 200 Gramm, die meisten anderen siedeln sich zwischen 400 und 500 Gramm an. Dank ihrer hohen Rücksprungkraft – das heißt das Material springt schnell in seinen ursprünglichen Zustand zurück – kann man Daune zudem stark komprimieren. Und so lassen sich die Daunenjacken ganz einfach und platzsparend zusammenpacken: Die meisten Marken bieten als Verstaumöglichkeit die eigene Jackentasche an - Jacke und Packsack also in einem.
Um die Qualität einer Daunenfüllung zu beurteilen, orientiert man sich am Verhältnis der Daunen zu Federn. 100 % reine Daune ist technisch nicht herstellbar. Liest man von einem Mischungsverhältnis von 90/10 handelt es sich um eine sehr hochwertige, gute Qualität, während man bei 60/40 nur mäßig bedient wird.
Aber es gibt natürlich noch weitere Unterschiede: Daune ist nicht gleich Daune! Die Beschaffenheit der Feder ist abhängig von den Bedingungen, unter denen die Tiere leben. Und wie man sich vorstellen, kann ist die Daune besser, je kälter die klimatischen Bedingungen sind. Aber auch das Futter, das Alter des Tieres und die Art der Haltung spielen eine wichtige Rolle. Das Federkleid einer chinesischen Ente, die eilig für die Nahrungsmittelindustrie hochgezüchtet wird, ist dementsprechend schlechter als das einer kanadischen Gans, die in einem härteren Klima aufwächst und speziell für die Daunenproduktion gehalten wird.
Um all diesen Faktoren gerecht zu werden, gibt es ein zweites, aussagekräftiges Maß, an dem man sich orientieren kann: die so genannte „Fillpower“. Sie beschreibt, welchen Raum eine bestimmte Menge an Daune ausfüllen kann. Als Einheit dienen cuin (Kubikinches). Eine gute Fillpower beginnt bei circa 625 cuin.
Selbst die hochwertigste Daune muss richtig verarbeitet werden, damit sie ihren wärmenden Zweck optimal erfüllen kann. Einfach verarbeitete Daunenjacken haben durchgesteppte Nähte. Und da sich dort keine Daune ausbreiten kann, entstehen so genannte Kältebrücken, das heißt an den Nähten kann die Kälte nach innen dringen. Um dieses Problem zu umgehen, setzen gute Marken auf verschiedene Kammerkonstruktionen, bei denen Futter und Oberstoff durch zusätzliche Stegwände aus dünnem Gewebe verbunden sind. Diese Fertigungsweise ist sehr anspruchsvoll und spiegelt sich meist im Preis der Jacke wider.
Wie bei jedem Tierprodukt sollte man sich auch bei der Daune Gedanken über die Herkunft machen. Bei der Daune geht es vor allem darum, sicher zu sein, dass sie nicht von Tieren stammt, die Opfer von Lebendrupf oder Stopflebermisshandlungen wurden. Dies ist zwar in der EU verboten, doch gibt es vor allem in Osteuropa immer noch Betriebe, in denen die Tiere qualvoll per Einlauf gemästet und bei lebendigem Leib gerupft werden. Viele Outdoor- und Sportmarken, die Daunenjacken im Sortiment haben, kommunizieren inzwischen die Herkunft ihrer Daune. So geht beispielsweise das englische Label Mountain Equipment in die Offensive und liefert mit seinem „Down Codex“ einen umfangreichen und transparenten Beweis über Herkunft und Qualität. Seit Sommer 2012 kann man zudem die Daunenfüllung der Mountain Equipment Schlafsäcke bis zum Ursprung zurückverfolgen. Diese Möglichkeit soll bald auch für Bekleidung folgen.
Bei allen Vorteilen, die gute Daunen bieten, gibt es einen großen Nachteil: Sie sind empfindlich gegen Feuchtigkeit, egal ob Regenwasser oder Schweiß. Was passiert, wenn Daune feucht wird? Sie beginnt zu klumpen, verklebt und verliert einen großen Teil ihrer isolierenden Wirkung.
Das japanische Unternehmen Toray hat deshalb eine Art Imprägnierung für Daunen entwickelt. Zum dauerhaften Schutz vor Nässe erhält jede einzelne Daune in einem aufwändigen Verfahren einen feinen Überzug. Zum Einsatz kommt diese Technologie unter anderem beim Gunpowder Jacket von Powderhorn.
Außerdem gibt es einige Synthetik-Alternativen, die den Daunen sowohl in der Isolation als auch im Gewicht kaum noch nachstehen. Häufig verwendet werden vor allem Polyester-Kunstfasern wie Primaloft® oder ThinsulateTM. Houdini beispielsweise füllt seine „Kunstdaunenjacken“ Mr. Dunfri und Mrs. Dunfri mit Primaloft® Synergy. Das Material ist wasserabweisend, schnell trocknend, angeblich noch „bauschiger“ als Daune und robust. Ein ähnliches Produkt ist die Eigenentwicklung G-Loft® des österreichischen Unternehmens Carinthia. Auch hier werden feinste Polyesterteile unterschiedlicher Strukturen versponnen, so dass eine spiralförmige Kräuselung entsteht.
Wer sich gegen Daune entscheidet, aber dennoch Wert auf natürliche Rohstoffe legt, der findet in der Swisswool-Linie von Ortovox die richtige Lösung. Bei der Initiative Swisswool wird jährlich die Schafschurwolle von Schweizern Erzeugern gesammelt und für verschiedene Zwecke aufbereitet. Neben Dämmmaterialien für Gebäude oder Teppiche entsteht eben auch die Füllung für hochwertige Jacken und Westen. Das Prinzip bleibt gleich: Lufteinschlüsse in den Fasern liefern Isolation. Der Käufer kann sich zudem sicher sein, einen nachhaltigen Beitrag für die Landwirtschaft und Landschaftspflege in der Schweiz geleistet zu haben.
Quelle: KGK
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