
21.12.2012, 15:02 Uhr
"And the Umweltsünder-Oscar 2012 goes to ..." Brauneck Bergbahn! (Quelle: Mountain Wilderness)
Am 16. Dezember wurde erstmalig der "Bock des Jahres" verliehen, ein Preis für den größten Umweltsünder 2012 in den deutschen Alpen. Der gemeinnützige Verein "Mountain Wilderness Deutschland" will mit dem Anti-Umweltoscar auf besonders extreme Schäden in den Bergen aufmerksam machen - und wählte dieses Jahr die Bergbahnen Brauneck in Lenggries aus. Für eine neuen Speicher mussten Berg und Bäume weichen. Eine Sünde urteilte die Umweltschutzorganisation. Der Geschäftsführer der Brauneck Bergbahn nahm Stellung dazu.
Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation "Mountain Wilderness Deutschland" hat am 16. Dezember erstmalig den Anti-Umweltpreis "Bock des Jahres 2012" vergeben. Er geht an denjenigen, der im vergangenen Jahr die größte Umweltsünde im deutschen Alpenraum begangen hat. Dieses Jahr ging der Bock an die Braunecker Bergbahn, die für den Bau eines 100.000 m³ fassenden Speicherbeckens nach Meinung des Vereins deutlich zu viel Berg und Wald abgetragen haben. Das Speicherbecken am Fuße des Garlandhangs in den Bayerischen Voralpen ist zur Beschneiung der Skiregion Brauneck, Lenggries-Wegscheid gedacht.
"Mountain Wilderness" betont allerdings, dass sie mit dem Umweltsünden-Oscar nicht etwa das Skifahren an sich an den Pranger stellen wollten. Es ginge vielmehr darum, auf den Preis aufmerksam zu machen, der für das Schneevergnügen in Kauf genommen würde. Im gleichen Atemzug schlug der Verein vor, die in die Schneekanonen subventionierten Steuergelder in den nachhaltigen Sommertourismus zu investieren.
Der internationale Umweltschutzverein wurde 1987 im norditalienischen Biella unter anderem von den Bergsteigerlegenden Reinhold Messner und Sir Edmund Hillary als Antwort auf die Zerstörung der Bergwelt gegründet. Als Leitbild gilt: "Die Berge schützen, damit wir sie wild erleben können". Dies versuchen die Alpinistinnen und Alpinisten in nationalen Sektionen und regionalen Gruppen in insgesamt acht verschiedenen europäischen Ländern sowie im asiatischen Landesverband "Mountain Wilderness Pakistan" in zum Teil spektakulären Aktionen wie der Müllbefreiung des Achttausenders K2 (“FREE K2” 1990).
"Mountain Wilderness Deutschland" setzt sich spezifisch für den Umweltschutz in den deutschen Alpen und Bergregionen ein. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Widerstand weiterer Erschließungspläne in den Alpen durch Forststraßen, Klettersteige, Seilbahnen oder Beschneiungsanlagen. Ebenfalls erachtet die gemeinnützige Organisation neue Skipisten (auch auf Gletschern) im Zeichen der Klimaerwärmung für nicht notwendig.
Die Redaktion von trax hat bei der Bergbahn nachgefragt. Der Geschäftsführer der Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH, Peter Lorenz, antwortete mit einem allgemeinen Statement zur Bedeutung von Beschneiungsanlagen. So sieht Lorenz Beschneiungsanlagen als "ökonomisch sinnvoll und ökologisch unbedenklich" an. Als Basis des Wintersports würden sie zur guten Pistenqualität während der Saison beitragen, wären aber nicht dazu da, die Saison zu verlängern. Zudem würde eine dichte Schneedecke "die Vegetationsschicht vor Frost und Wechselfrost" schützen und dadurch könnten "Erosion vermieden werden wie auch Beschädigungen durch Skifahrer und Pistengeräte".
Laut Geschäftsführer werden Bau und Betrieb vor allem in Bezug auf den verwendeten Wasserverbrauch detailliert geplant und kontrolliert. "Das Wasser stammt meist aus eigens angelegten Speicherteichen und gelangt über Niederschläge und die Schneeschmelze in den natürlichen Kreislauf zurück. Die verwendbare Wassermenge wird in Kooperation mit den Behörden genau festgelegt und führt nicht zu einer Störung bestehender Ökosysteme. Chemische oder biotechnische Zusätze werden in Deutschland nicht eingesetzt. Verschneit werden nur Wasser und Luft."
Lorenz betont, wie wichtig die Maßnahmen aus wirtschaftlicher und touristischer Sicht für Brauneck als „Wirtschaftsberg der Region“ seien. "Schneesicherheit und gute Pistenqualität sind Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg des Wintertourismus und sichern die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Mitbewerbern in Nachbarländern. Sie ersparen unseren Gästen längere Anreisen, helfen ihnen Kosten sparen und vermindern zusätzlichen Verkehr."
Quelle: trax.de
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