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Die Geheimnisse einer seltsamen Kunst

09.03.2012, 11:45 Uhr | Kurt de Swaaf / trax.de

Angeln in der aufschäumenden Gischt der Brandung. (Quelle: Reuters)

Von wegen langweilig: Angeln inmitten der aufschäumenden Gischt der Brandung. (Quelle: Reuters)

Deutschland - das verkannte Anglerparadies

Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Angeln in Deutschland wenig populär. Die Schar der Petrijünger an Rhein, Main und Neckar, die mit Köder, Angelrute und Haken den Fischen nachstellen, ist überschaubar. Ganz anders in Holland, Frankreich, Norwegen oder Schweden, wo bei Wind und Wetter das Angelzubehör ausgepackt wird, um Hechte, Zander, Forellen oder kapitale Lachse aus dem Wasser zu ziehen. Dabei ist Deutschland in Wahrheit ein verkanntes Anglerparadies, wie unsere Foto-Show zeigt. Aber vielleicht ist Angeln ja langweilig? Kenner schütteln bei solchen Kommentaren nur lächelnd den Kopf. Sie wissen, welcher Zauber sie immer wieder ans Wasser treibt. Was ist Ihre Meinung? Stimmen Sie oben rechts ab!

Dem Zauber des Angelns verfallen

An einem kleinen Fluss steht ein Mann am Ufer. Zwischen seinen Händen hält er einen dampfenden Becher Tee. Er ist schon seit Stunden unterwegs, die Kälte kriecht ihm in die Knochen. Ringsum regt sich kaum Leben. Ein paar Krähen, ein aufgeschreckter Eisvogel, ein einzelnes Auto in der Ferne, sonst ist es still. Der Mann schaut auf einen Strudel im dunklen Wasser. Daneben, in der Tiefe, muss ein Loch sein. Und vielleicht Beute.

An der Angelrute baumelt ein Fisch aus Gummi. Ein kurzes Ausholen, und der Köder landet punktgenau ein Stück unterhalb des Strudels. Langsam, mit leichtem Zupfen, führt der Angler den Gummifisch am Flussufer entlang. Die Strömung drückt die Attrappe in die vermutete Höhle. Dann schnappt plötzlich etwas zu. Das überraschte Tier flüchtet mit brachialer Kraft in die Flussmitte und zieht stromaufwärts. Doch die Schnur hält. Nach zehnminütigem Kampf liegt ein golden schimmernder, mehrere Kilo schwerer Hecht am Boden des Ufers. Kälte und Strapazen sind vergessen. Was für ein Prachtfisch!

Sie kennen das? Ausgezeichnet! Oder gehören Sie zu der übergroßen Mehrheit derer, die mit dem Begriff „Angeln“ nicht wirklich viel anfangen können? Ein langweiliges Hobby für schweigsame ältere Herren eben. Stundenlanges stummes Starren auf den Schwimmer - Pose in der Fachsprache - oder die Rutenspitze, bis endlich mal ein schleimiger Fisch anbeißt. Nein danke, werden die meisten denken. Aber das ist ein Irrtum. Das Wasser hat so viel mehr zu bieten.

Europa - ein Paradies für Angler

Angeln ist Fischfang mit Schnur und Haken – soweit das Basisprinzip, von dem es eine Fülle an Variationen gibt. Es gibt hunderte verschiedene Gewässertypen und weltweit über 32.000 Fischarten. Allein schon in Europa ist die Vielfalt enorm. An den Küsten des Mittelmeeres zum Beispiel kann man Doraden, Wolfsbarschen und sogar Muränen nachstellen, die heimischen Strände von Nord- und Ostsee dagegen bieten gute Chancen für den Fang von Dorschen und Plattfischen. In Rhein, Donau, Elbe und Oder schwimmen Zander und fette, bis zu zweieinhalb Meter lange Welse, Brachsen, Barsche und Aale. Die schäumenden Gebirgsflüsse der Alpen beherbergen prächtig gefärbte Forellen. Frankreichs Stauseen sind unter Kennern für ihre riesigen Karpfen berühmt, und skandinavische Gewässer bieten die besten Lachs- und Hechtbestände unseres Kontinents. Auswahl genug.

Wieder Teil der Natur werden

Doch es gibt noch etwas anderes, was angelnde Menschen ans Wasser lockt: der Kontakt mit der Natur, ohne dabei bloß Zuschauer zu sein. Schon unsere Vorfahren haben gejagt und gefischt. Das steckt uns gewissermaßen in den Genen. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum für viele Angler kein Fisch so gut schmeckt wie der, den sie selbst gefangen haben. Am Gewässer wird man wieder zum Raubtier, zu einem Teil des Ökosystems. Jede Fischart ist anders und hat ihre Eigenarten. Man muss die Kreatur in ihrem eigenen Element überlisten, und das ist unglaublich faszinierend.

Von Langeweile kann also keine Rede sein. Auch die viel beschworene Ruhe stellt sich nur bei einigen Angelmethoden ein. Wer an einem einsamen mecklenburgischen See auf Schleien fischt, muss dabei tatsächlich so mucksmäuschenstill sein, dass er irgendwann das Gefühl bekommt, mit der Landschaft zu verschmelzen. Nicht mal der vorbeischwimmende Fischotter bemerkt einen. Ganz anders sieht es aus beim Hornhechtfang an den Felsenküsten des Atlantiks. Die Brandung wirft sich zischend und tobend gegen die Klippen, der Ozean wirkt wie ein riesiges, grollendes Tier. Der Angler muss höllisch aufpassen, um nicht von einer Welle erwischt zu werden. Ein gehakter Hornhecht schießt bisweilen aus dem Wasser hervor wie ein Miniatur-Schwertfisch. Er kann bis zu einem Meter lang werden. Und schmeckt hervorragend.

Anglerprüfung - nicht nur eine Hürde

In anderen Ländern wie zum Beispiel Schweden, Frankreich und Ungarn ist Angeln schon fast ein Volkssport. Nicht so in Deutschland. Die Bundesrepublik zählt nur etwa 1,3 Millionen Petrijünger. Ein Grund für diese mangelnde Popularität mögen die gesetzlichen Hürden sein. Wer hierzulande selbst seine Fische fangen möchte, muss vorher einen kostspieligen Lehrgang durchlaufen und anschließend eine Prüfung ablegen. Nicht gerade verlockend, auch wenn es viel zu lernen gibt, unter anderem Gewässerkunde, Biologie und Umweltschutz. Das angeeignete Wissen kann auch dabei helfen, die richtige Ausrüstung zu kaufen. Angelfachgeschäfte bieten schier unendliche Mengen Material an. Da gibt es Spreu und Weizen, Geniales und Nutzloses.

Sie merken: Angeln ist mehr als Würmerbaden, viel mehr. Vielleicht sind Sie neugierig geworden, möchten mehr über dieses seltsame, bezaubernde Hobby erfahren. Dann sind Sie bei trax.de genau richtig.

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