
04.12.2012, 12:35 Uhr | Stefan Herbke
Der Testsieger 2012: Die Rodelbahn Hirscheckblitz in Berchtesgaden hat die ADAC-Tester überzeugt. (Quelle: Hirscheckblitz)
Der Allgemeine Deutsche Mobil Club (ADAC) hat zum zweiten Mal Deutschlands Rodelbahnen auf Sicherheit getestet. Dabei wurden bei mehr als einem Drittel der Naturbahnen Sicherheitsmängel festgestellt. Einige Schlittenabfahrten konnten sich dagegen im Vergleich zum Vorjahr verbessern. In Reit im Winkl, Berchtesgaden, Bad Tölz, Oberaudorf und im Bayerischen Wald zum Beispiel wird Sicherheit groß geschrieben. Neben den Test-Ergebnissen, die Sie sich auch in unserem Video ansehen können, stellen wir Ihnen einige Rodelbahnen vor, die bestens abgeschnitten haben - auch in unserer Foto-Show: Fünf deutsche Naturrodelbahnen vom Arber bis Berchtesgaden.
Rodeln ist ein Spaß für die ganze Familie. Doch manche Naturbahnen sind nicht ganz ungefährlich - auf Steilstücken, in zu engen Kurven und bei zu wenig Auslauf kommt es immer wieder zu Unfällen. Der ADAC hat zum zweiten Mal 20 Naturrodelbahnen in ganz Deutschland - im Harz, Thüringer Wald, Schwarzwald, Bayerischen Wald, Allgäu sowie in Oberbayern - auf Sicherheitsmängel getestet. Positiv: Einige Bahnen haben sich seit dem letzten Test deutlich verbessert. Trotzdem weisen mehr als ein Drittel der deutschen Winterrodelbahnen Sicherheitsmängel auf, teilte der ADAC mit: Sieben Schlittenabfahrten erhielten ein "mangelhaft".
Beim Verlierer, der Naturrodelbahn Grünten im Allgäu, stellten die ADAC-Tester ein besonders großes Gefahrenpotenzial fest, auch die Anlage Maria-Trost-Weg in Nesselwang berge erhebliche Gefahren. Neben den Verlierern im Allgäu und in Nesselwang wurden auch die Buchenbergbahn in Buching, die Mittagbahn in Immenstadt, die Wurmbergbahn in Braunlage und die Krunkelbachhütte in Bernau "mangelhaft" bewertet. Testsieger 2012 ist dagegen die Rodelbahn Hirscheckblitz in Ramsau, die mit guter Präparation, vorbildlicher Beschilderung und gesicherten Gefahrenstellen überzeugte. Auch die Hocheckbahn in Oberaudorf, letztes Jahr noch mit "mangelhaft" bewertet, erhielt ein "sehr gut". Ausschlaggebend dafür sei die deutlich verbesserte Sicherheit, Beschilderung und Befahrbarkeit der Bahn.
Im Zuge des ADAC-Rodelbahntests hatte sich der Verband Deutscher Seilbahnen zudem erstmals für einheitliche Verhaltensempfehlungen auf Winterrodelbahnen ausgesprochen. Künftig soll eine Grafik die Schlittenfahrer an den Bahnen über das richtige Verhalten beim Rodeln informieren.
Der Tote Mann ist ein Paradeaussichtsberg inmitten des Berchtesgadener Talkessels und schon lange ein beliebtes Ziel für Skifahrer, Winterwanderer und Rodler. Wobei Letztere den Skifahrern mittlerweile den Rang abgelaufen haben. Damit das so bleibt, wurde im vergangenen Winter mit dem Hirscheckblitz eine neue Naturrodelbahn gebaut. Und die überzeugte im ADAC-Test auf Anhieb. Der Start der neuen Premiumstrecke befindet sich gleich neben der Bergstation der Sesselbahn und ist mit dem großen, hölzernen "Eingangstor" nicht zu übersehen.
Bei der Trassenführung hat Rodellegende Georg Hackl mitgewirkt, entsprechend sportlich sind bereits die ersten Meter. Anders gesagt: Auf der kurvenreichen, knapp zweieinhalb Kilometer langen Route kommt garantiert keine Langeweile auf. Das Gefälle wechselt ständig zwischen 14 und 22 Prozent, steilere und kurvige Passagen sind gut gesichert und mit Warnungen versehen, der Auslauf groß genug, und das Ziel befindet sich in unmittelbarer Nähe der Hirscheck-Sesselbahn. Alles Punkte, die der ADAC positiv bewertet hat. Erfreulich ist auch, dass die Bahn ausschließlich Schlittenfahrern vorbehalten ist. Für Fußgänger gibt es einen extra Winterwanderweg zum Start des Hirscheckblitz. So gab es sowohl für Sicherheit als auch für Service ein "sehr gut" vom ADAC.
Obwohl Oberaudorf im Inntal auf lediglich 482 Meter Höhe liegt, hat der kleine Wintersportort sein traditionsreiches Skigebiet Hocheck in den letzten Jahren kräftig modernisiert. Einer der Hauptanziehungspunkte ist die beschneite und beleuchtete Rodelbahn. Die schnitt beim ersten Rodelbahntest noch enttäuschend ab, doch diesmal waren die Tester voll des Lobes und vergaben für Sicherheit und Service jeweils "sehr gut". Die Sicherheitsmaßnahmen entlang der Strecke wurden deutlich verbessert, die Gefahrenstellen entschärft und die Rodelbahn verbreitert. Start der beliebten Rodelbahn ist der Berggasthof Hocheck neben der Bergstation der Sesselbahn, wobei man zum Start der Strecke ein paar Meter aufsteigen muss. Die drei Kilometer lange Naturrodelbahn mit ihren 18 Kurven fordert gleich zu Beginn volle Aufmerksamkeit auf dem Schlitten. Wer die steilste Stelle mit 18 Prozent Gefälle bewältigt hat - zum Glück gibt es einen langen Auslauf - kann aufatmen, der Rest ist ein Kinderspiel.
Am Blomberg hat Rodeln Tradition. Auf der bereits im Jahr 1906 angelegten Winterrodelbahn wurden bis zum Zweiten Weltkrieg zahlreiche Rodelmeisterschaften ausgetragen. Damals musste man noch zu Fuß auf den Berg gehen, heute schwebt man gemütlich mit einer Doppelsesselbahn an den Start der fast sechs Kilometer langen Strecke. Brünnerl, Tölzer, Stallauer und Ziel-Kurve heißen einige der Schlüsselstellen, die allerdings bei gutem Schnee keine großen Probleme bereiten. Zudem wird rechtzeitig gewarnt, so dass man sein Tempo drosseln kann.
Beim ersten ADAC-Rodelbahntest lag vor allem bei der Absicherung einiges im Argen, beim Gesamtergebnis blieb letztlich nur ein "ausreichend" stehen. Im Bereich Sicherheit wurden die Schwachstellen umgehend beseitigt - nun wurde die Strecke mit "sehr gut" bewertet. Lediglich im Bereich Service gibt es noch Kritikpunkte, etwa wegen der Gebühren für Toiletten und Parkplatz, auf dem die Tester obendrein - früher als gewollt - ins Rutschen kamen. Ein "ausreichend" in dieser Kategorie führte dazu, dass die Blombergbahn insgesamt mit "gut" knapp die Spitzenwertung verpasste.
Die Winklmoosalm ist das stark frequentierte Aushängeschild von Reit im Winkl, die Hemmersuppenalm das ruhige Pendant. Mehrere Wanderwege und Loipen führen über das sonnige Hochplateau, das lediglich zu Fuß oder mit dem regelmäßig verkehrenden Kleinbus erreichbar ist. Den nutzen auch viele Rodelfans, denn die Strecke von der Hindenburghütte nach Blindau steht hoch im Kurs - früher wurden hier sogar Rodelmeisterschaften durchgeführt. Ohne Flachstücke saust man auf den langen Geraden talwärts, nur beim steilen Auftakt und bei der Gschwendalm bremsen scharfe Kurven den Vorwärtsdrang. Die Rodelbahn mit ihrem steilen Finale wird ab Mittag freigegeben und kann etwa stündlich befahren werden. Dazwischen wird die Straße immer wieder gesperrt, damit die Kleinbusse neue Rodelfreunde gefahrlos nach oben transportieren können.
Die ADAC-Tester waren sowohl mit der Sicherheit als auch mit dem Service zufrieden und vergaben ein "gut". Positiv aufgefallen sind die hohe, durchgehende seitliche Begrenzung sowie die Rast- und Wartezonen außerhalb von Gefahrenbereichen entlang der Strecke. Ein Schwachpunkt sind die durch die Kleinbusse entstandenen Fahrspuren in der Rodelbahn, die das Rodelvergnügen beeinträchtigen.
Der Arber ist das abwechslungsreichste und modernste Skigebiet der deutschen Mittelgebirge. Entsprechend groß ist manchmal der Andrang, was die Rodelfreunde aber nicht weiter zu stören hat. Denn für sie gibt es einen separaten Zugang zur Sechsersesselbahn Sonnenhang. Von der extra Kasse nur für Rodler mit angeschlossenem Rodelverleih führt eine Treppe direkt hinein in die Talstation, wo man an der Schlange der Skifahrer vorbei ruckzuck in einem der bequemen Sessel sitzt - und keine drei Minuten später schon am Start der Rodelbahn in 1205 Meter Höhe steht.
Dort ist ausreichend Platz für die Vorbereitung, und auf einem Schild steht alles Wichtige zum Thema Rodeln - beides Punkte, die vom ADAC positiv bewertet wurden. Die mit maximal acht Prozent Gefälle eher flache Bahn führt weitgehend parallel zur Piste am Rand des Skigebietes entlang und ist für sportliche Schlittenfahrer keine Herausforderung. Aufpassen müssen die Rodler beim Berghaus Sonnenfels, denn dort queren Skifahrer. Ansonsten gibt es zwar keine Gefahrenstellen, doch auf der Rodelbahn sind auch Fußgänger unterwegs - ein kleiner Minuspunkt. Insgesamt betrachtet, eine familienfreundliche Bahn, die vom ADAC mit "gut" bewertet wurde.
Alle getesteten Bahnen sowie viele weitere hat Stefan Herbke, Autor des Beitrags und einer der Tester beim ADAC-Test Rodelbahnen, im neuen Freizeitführer "Rodeln - die 50 schönsten Strecken Deutschlands" zusammengefasst. In dem handlichen Buch werden die Strecken in den bayerischen Alpen, im Schwarzwald, im Harz und im Bayerischen Wald sowie die Ergebnisse des ADAC-Tests ausführlich beschrieben. Wichtige Informationen zu Anfahrt, Länge, Anforderungen und Einkehrmöglichkeiten sowie eine Übersichtskarte ergänzen jede Tourenbeschreibung (Stefan Herbke: "Rodeln - die 50 schönsten Strecken Deutschlands", 1. Auflage 2012, 12,95 Euro, www.bergbild.info).
Alle Ergebnisse des ADAC-Tests Rodelbahnen: www.adac.de
Berchtesgaden, Hirscheckblitz: www.hochschwarzeck.info
Oberaudorf, Hocheck: www.hocheck.com
Bad Tölz, Blomberg: www.blombergbahn.de
Reit im Winkl: www.hindenburghuette.de
Bayerischer Wald, Arber: www.arber.de
Quelle: dapd, srt
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