
11.01.2013, 13:33 Uhr | Sehnsucht Deutschland / Oliver Bartelds
Dieses Gipfelkreuz liegt auf gerade mal etwas über 116 Metern Höhe über dem Meer - in Hamburg, wo die Gipfelstürmer Oliver Bartelds und Thomas Carls zuhause sind. (Quelle: www.16gruenegipfel.de)
Bewohner der deutschen Nordseeküste sind nicht unbedingt als Gipfelstürmer bekannt. Das Land an der Waterkant ist gemeinhin eher flach, so flach dass sich mancher Alpenländler - wenn auch zu Unrecht - vielleicht denken mag "langweilig". Alles andere als langweilig sind jedoch in jedem Fall die Ideen, die hanseatischen Köpfen bisweilen entspringen. So wie die der beiden Hamburger Oliver Bartelds und Thomas Carls, die losgezogen sind, die höchsten natürlichen Punkte aller 16 Bundesländer Deutschlands zu erklimmen. Die Erlebnisse, die sie von der Abenteuerreise auf alle höchsten deutschen Berge mitgebracht haben, zeigen wir in unserer Foto-Show.
Zahllos sind die Runden, die Thomas und ich gemeinsam – gehend – um die Hamburger Alster gedreht haben. Meist vertieft in Gespräche über Reinhold Messner, Rüdiger Nehberg, Ernest Shackleton oder andere große Abenteurer, deren Geschichten uns von klein auf fasziniert haben. Und wir zwei? Kein 8.000er steht bisher auf unserer Liste, keine Urwaldexpedition, weder Würmer, Schnecken noch anderes Kriechgetier fand den sättigenden Weg über die Ekelgrenze in unsere Mägen. Auch schroffes Packeis kennen wir bisher nur aus den Erzählungen anderer.
Wir sind Bürohengste, arbeiten meist sitzend. Immer drinnen. Gefahren? Der Straßenverkehr, vielleicht der Hund der Nachbarin. Die Zeit war reif, das Abenteuer rief. Und erstmals uns. Wir hörten es ganz deutlich, es schien uns zu sagen: Besteigt die Gipfel der 16 deutschen Bundesländer!
Das schien machbar. Von Reinhold Messner – einem der größten Bergsteiger aller Zeiten – inspiriert, orientierten wir uns an dem von ihm geprägten Ansatz „By fair means“. Prämisse: Mensch (also Dritte)und Maschine so wenig wie irgend möglich in Anspruch nehmen. Für den Industriestaat Deutschland interpretierten wir das im Sinne von Klimafreundlichkeit. Keine Sherpas, keine Packesel, Anreise zu den Gipfeln per Bahn, keine Flieger, keine Autos. Aufstiege nur zu Fuß. Schlafen unterm Sternenhimmel. Übrigens die einzige Herberge der Welt, die mit Millionen funkelnder Sterne ausgezeichnet ist.
Und der Sinn der Tour? Na ja, die Sehnsucht nach Abenteuer. Und um zu zeigen, dass die „Höher, schneller und weiter“-Mentalität unserer Kultur nicht alles ist! Viel Geld braucht man nicht, das eigene Leben oder das anderer muss für das Erleben des Außergewöhnlichen nicht aufs Spiel gesetzt werden. Was zählt, ist die Idee – und der Mut zur Umsetzung. Bewusster Verzicht ist Nährboden für Innovation! Denn Bequemlichkeit ist eine Krankheit und günstige Umstände sind schlecht für die eigene Kreativität. Krank ist keiner geworden...
Diesen und weitere Artikel rund ums Reisen, Leben und Entdecken finden Sie in Ausgabe 01/2013 des Magazins "Sehnsucht Deutschland", www.sehnsuchtdeutschland.com
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