
03.12.2012, 16:44 Uhr | Sebastian Haak
Sogar Panzer mussten die Teilnehmer beim Extrem-Crosslauf in Rudolstadt überwinden. (Quelle: Candy Welz/dapd)
Mit normalem Laufsport hatte das Ereignis nur bedingt zu tun, das hunderte Teilnehmer am vergangenen Wochenende nach Thüringen lockte. Der Extrem-Crosslauf "Getting Tough" in Rudolstadt erinnerte stellenweise mehr an ein militärisches Bootcamp als an ein Lauf-Event. Trotzdem stand bei dem Hindernislauf, bei dem es sogar über Panzer ging, der Spaß im Vordergrund - was die sportliche Leistung der Crossläufer allerdings nicht mindert. Sehen Sie mehr in unserer Foto-Show: "Getting Tough" - Extrem-Crosslauf in Thüringen.
Mehr als 22 Kilometer Wald- und Wiesenwege hat Manuel Stöckert hinter sich, als er nach etwa einer Stunde und 40 Minuten auf der Bleichwiese in Rudolstadt ankommt. Bereits kurz nach dem Start hatte er einen Wassergraben durchquert - und das bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Jetzt liegen noch mehrere Panzer, Baucontainer, ein beladener Holzanhänger und eine 60 Meter lange Betonsturmbahn zwischen ihm und dem Ziel. Wie er stürmen mehr als 700 Männer und Frauen aus ganz Deutschland am Samstag (01. Dezember) in Thüringen über die eigens für sie hergerichtete Strecke eines Crosslaufs der wirklich extremen Art.
Die Veranstaltung "Getting Tough - The Race" wird vom gleichnamigen Verein aus Nürtingen in Baden-Württemberg organisiert. In dem Verein haben sich Sportfreunde der harten Gangart zusammengeschlossen. Die Vereinsmitglieder nehmen regelmäßig an extremen Crossrennen in ganz Europa teil, wie Vorstandsmitglied Dirk Zellmann sagt. Mit "The Race" haben sie nun erstmals selbst einen solchen Crosslauf auf die Beine gestellt. Rudolstadt biete dafür wegen seiner naturbelassenen Umgebung ideale Bedingungen. Außerdem sei das Vorhaben des Vereins in der südostthüringischen Stadt offenen Armes aufgenommen worden.
Bei ihrem ersten eigenen Crosslauf haben die Harten dann auch gleich ordentlich zugelangt. Schon allein die natürlichen Gegebenheiten würden die Strecke anspruchsvoll machen: Auf dem insgesamt etwa 23 Kilometer langen Rundkurs sind zahlreiche Höhenmeter zu überwinden. Und während am Start der Boden nur leicht vom Schnee gezuckert ist, liegen auf dem höchsten Punkt der Strecke gut zehn Zentimeter Schnee. Doch die Veranstalter spicken den Parcours eben mit Dutzenden Hindernisses - natürlichen und künstlichen.
Alles, was im Weg liegt, macht es Stöckert dann auch besonders schwer. "Die Laufstrecke war kein Problem, aber die Hindernisse waren echt hart", sagt er. Angesichts der Zeit, die der 24-jährige Polizist aus Ostheim vor der Rhön gelaufen ist, ein doch etwas überraschendes Bekenntnis. Schließlich muss er über viele Hürden fast schon geflogen sein. Er passiert das Ziel nach einer Stunde, 51 Minuten und 57 Sekunden. Es war Stöckerts erster Extrem-Lauf und die Teilnahme war zumindest in Teilen freiwillig. "Ein Freund hat mich angemeldet", sagt er. Bis vor kurzem sei ihm noch nicht einmal klar gewesen, dass er über Hindernisse werde laufen müssen.
Die Leichtigkeit, die Stöckert ausstrahlt, ist bezeichnend für das ganze Rennen. Denn so hart es auch ist, so humorvoll nehmen viele Starter die Sache: Ein Weihnachtsmann startet ebenso wie ein Eisbär. Männer wie Frauen - immerhin zehn Prozent der Teilnehmer sind nach Veranstalterangaben weiblich - gehen mit Tarnschminke im Gesicht an den Start, manche tragen Perücken.
Vor dem Startschuss wird gebetet - zu dem allmächtigen Gott, der sie auf das vorbereiten möge, was gleich kommt. Im Anschluss spielen die Veranstalter Ennio Morricones Mundharmonika-Motiv aus "Spiel mir das Lied vom Tod". Bunte Nebelkerzen geben der Startszene dann etwas Surreales. Auf der Webseite der Veranstaltung werden viele Einträge mit einem Wunsch abgeschlossen, der gar nicht nach Testosteron klingt: "Möge Mutti mit euch sein!"
Nicht lang nach Stöckert überquert mit Friederike Feil die erste Frau die Ziellinie. Als insgesamt Fünfte hat sie die Panzer, die Baucontainer, den beladenen Holzanhänger und die Betonsturmbahn überwunden. Im Ziel fasst sie ihre ersten Eindrücke mit zwei Worten zusammen: "sauhart" und "affengeil".
Quelle: dapd
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